23. Juni 2021 / 18:47 Uhr

Taktik-Analyse: Warum Löws Portugal-Plan gegen Ungarn wohl nicht funktioniert

Taktik-Analyse: Warum Löws Portugal-Plan gegen Ungarn wohl nicht funktioniert

Tobias Escher
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joachim Löw muss seine Mannschaft auf konterstarke Ungarn einstellen.
Joachim Löw muss seine Mannschaft auf konterstarke Ungarn einstellen. © IMAGO/ActionPictures/PanoramiC
Anzeige

Beim überzeugenden Sieg gegen Portugal Bundestrainer Joachim Löw auf Spielverlagerungen, um die Iberer weit auseinander zu ziehen und die freien Außenspieler in Szene zu setzen. Taktik-Experte Tobias Escher rechnet nicht damit, dass sich die Ungarn im letzten DFB-Gruppenspiel in diese Falle locken lassen. 

Anzeige

Die Ungarn präsentieren sich bei dieser Europameisterschaft als zäher Gegner. Gegen Portugal (0:3) hielten sie 83 Minuten die Null, Weltmeister Frankreich rangen sie ein 1:1 ab. Auch gegen Deutschland werden sie aus einer stabilen Defensive heraus auf Konter setzen. Trainer Marco Rossi hat seinem Team eine Mauertaktik einverleibt: Die Ungarn bauen ihr 5-3-2-System vor dem eigenen Strafraum auf, lassen kaum Lücken und halten das Zentrum kompakt.

Anzeige

Die Stürmer lassen sich weit fallen und schließen zusammen mit dem Mittelfeld jede Passmöglichkeit ins Zentrum. Dem Gegner bleibt oft nur der Weg über die Flügel. Sobald der Ball dort angekommen ist, rücken die Außenverteidiger raus, machen Druck auf den Ballführenden.

Ungarn verteidigt die Breite des Feldes besser als Portugal

Die erfolgreiche Spielweise des deutschen Teams aus dem Portugal-Spiel dürfte am Mittwoch nicht funktionieren. Dort erzielte das DFB-Team alle vier Treffer, indem es mit Verlagerungen den freien Außenspieler fand. Ungarn verteidigt mit der eigenen Fünferkette die Breite des Feldes jedoch besser als Portugal, die gegnerischen Außenverteidiger lassen sie nicht frei.

Das DFB-Team benötigt vor allem Geduld. Sollte man kein frühes Tor erzielen, gilt es, Ungarn mürbe zu spielen. Mit sinkender Kraft schieben die Sechser nicht mehr konsequent nach – dann öffnen sich Räume, um konsequent in die Tiefe zu spielen. Deutschland wird viel Ballbesitz haben.

Aber Vorsicht: Ungarn zählt zu den stärksten Konterteams dieser EM. Schlüsselspieler ist Freiburgs Rolland Sallai. Er lässt sich als halblinker Stürmer häufig fallen. Die (halb-)rechte Seite soll die Konter vollenden: Stürmer Adam Szalai und der Ex-Bremer László Kleinheisler rücken auf dieser Seite an die letzte Linie. Passt der Gegner nicht auf, starten sie hinter die Abwehr. Szalai gelingt es zudem exzellent, lange Bälle festzumachen und auf seine Kollegen abzulegen. Deutschland darf die Konterabsicherung also keinesfalls vernachlässigen.

Tobias Escher ist Mitbegründer des preisgekrönten Fußball-Taktikblogs spielverlagerung.de. Außerdem publizierte er mehrere Sachbücher zum Thema, u.a. "Vom Libero zur Doppelsechs".