02. Juli 2020 / 12:30 Uhr

Kampf um einen Stammplatz: Tanguy Nianzou Kouassi mit hohen Zielen beim FC Bayern

Kampf um einen Stammplatz: Tanguy Nianzou Kouassi mit hohen Zielen beim FC Bayern

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hat große Ziele beim FC Bayern: Tanguy Nianzou Kouassi.
Hat große Ziele beim FC Bayern: Tanguy Nianzou Kouassi. © Alexander Hassenstein/Getty Images
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Der französische Jugendnationalspieler Tanguy Nianzou Kouassi will beim FC Bayern den großen Sprung schaffen – und verzichtet dafür sogar auf einen Stammplatz unter Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain. Dafür gab es auch Kritik.

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Wer am Mittwoch den Worten des neuen Sportvorstands des FC Bayern lauschte, bekam einen Eindruck davon, warum der Wechsel von Tanguy Nianzou Kouassi in Frankreich für mächtigen Gesprächsstoff und auch zu deftiger Kritik am erst 18-jährigen Innenverteidiger führte. Als einen "der besten Spieler Europas im Jahrgang 2002" bezeichnete Hasan Salihamidzic den Neuzugang von Paris Saint-Germain, als jemanden, den man lange gescoutet und bei dem man dann im richtigen Moment zugeschlagen hätte. Zweifellos, den richtigen Moment hatten die Bayern tatsächlich abgewartet, denn Kouassi kommt ablösefrei aus Paris nach München.

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Dieser Fakt sorgte rund um PSG für viel Aufregung. Ex-Spieler Jérôme Rothen fand den Wechsel "einfach nur skandalös". PSG-Trainer Thomas Tuchel sagte zuletzt: "Seine Entscheidung kann ich einfach nicht verstehen." Er würde den 18-Jährigen als Fußballer „lieben“, ihm hätte "eine große Zukunft" in Paris bevorgestanden. "Die Zeit war noch nicht gekommen, den Verein zu verlassen. Er war einer unserer Schlüsselspieler. Er ist erst 18 Jahre alt. Ich kann den Wechsel nicht verstehen und bin traurig", so Tuchel, der als großer Förderer Kouassis gilt. Beim französischen Meister hätte er Thiago Silva in der Innenverteidigung ersetzen sollen. Stattdessen unterzeichnete er am Mittwoch beim FC Bayern einen Vertrag bis 2024.

Kouassi stellt sich Konkurrenzkampf

Die Begründung für seinen Wechsel verblüffte: "Ich habe mich für Bayern entschieden, denn ich möchte vorankommen. Auch was meine Ausbildung betrifft." Nianzou, wie er selbst genannt werden möchte, sieht die Chance dafür also trotz der glänzenden Aussichten auf einen Stammplatz in Paris eher beim deutschen Rekordmeister. Dabei muss er sich dort einem harten Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung stellen und könnte nur selten zum Einsatz kommen. Jérôme Boateng wird, Stand jetzt, bleiben, David Alaba spielte eine herausragende Saison, Niklas Süle ist nach seinem Kreuzbandriss wieder da – und Rekordeinkauf Lucas Hernández hofft auf ein besseres Jahr 2020/2021.

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Abzuschrecken scheint das die neue Nummer 23 des FC Bayern allerdings nicht. "Bayern war die richtige Wahl", hofft er und verweist auf die Entwicklung von Alphonso Davies, den Trainer Hansi Flick zum Senkrechtstarter der abgelaufenen Saison machte. "Dieses Jahr haben viele junge Spieler gespielt, das kann ein Beispiel für mich sein. Ich habe viele Spiele gesehen und hoffe, auch diesen Weg zu gehen. Vielleicht sogar noch besser", sagte Kouassi. Darauf hofft auch Ex-Bayern-Profi Willy Sagnol, der Kouassi aus seiner französischen Heimat kennt. "Für ihn ist das sehr gut, er muss die Chancen in seinen Spielen ergreifen. Dann kann er unter Flick reifen und besser werden", erklärte er dem SPORTBUZZER.

Sagnol schwärmt von Kouassi

Kouassi wird von vielen Beobachtern mittel- bis langfristig der Sprung in die französische Nationalmannschaft zugetraut. Im Juniorenbereich lief er von der U16 bis zur U18 insgesamt 47-mal für Nachwuchsauswahlen der Équipe Tricolore auf. In der abgelaufenen (und wegen der Corona-Krise vorzeitig abgebrochenen) Saison in der französischen Ligue 1 hat Kouassi, dem große Qualitäten im Spielaufbau nachgesagt werden, insgesamt nur sechs Spiele (451 Minuten) bestritten – dabei gelangen ihm als Defensivspieler aber beachtliche zwei Treffer.

"Kouassi ist ablösefrei und ein guter, junger Spieler mit viel Potenzial. Er ist körperlich robust und flexibel einsetzbar. Das spricht für ihn", schwärmte Sagnol. Genau diese Flexibilität hat den 1,87 Meter großen Verteidiger wohl auch interessant für den FC Bayern gemacht. "In der Kaderplanung müssen wir darauf achten, dass die Spieler Flexibilität und individuelle Klasse haben. Wir haben in der Kaderplanung eine Vision, bei der viele Puzzleteile ineinanderpassen müssen", sagte der neue Sportvorstand Salihamidzic. Eines dieser Puzzleteile soll nun Kouassi, dessen Vorbild übrigens Weltmeister Lilian Thuram war, werden. Wenn es nach dem Spieler geht, übrigens im Zentrum der letzten Reihe: "Ich wurde bei PSG als Innenverteidiger ausgebildet. Im letzten Jahr habe ich auf der Sechs gespielt, ich kann mich anpassen."

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Kouassi-Wechsel mit Risiko verbunden

Das muss er nun auch unter Beweis stellen, schließlich muss er sich in München nicht nur gegen mehrere Weltmeister und A-Nationalspieler behaupten, sondern auch noch eine neue Sprache lernen. Zudem offenbarte er laut Sagnol in seinen wenigen Einsätzen für PSG immer wieder Schwächen. "Im Positionsspiel beim Verteidigen unterlaufen ihm einige Fehler", erklärte er. Diese müsse er in München schnellstmöglich abstellen, denn nur so würde er wirklich auf Einsätze kommen. Andernfalls könnte sich der Wechsel nach München doch als taktischer Fehler herausstellen.