01. Dezember 2021 / 15:30 Uhr

Tanzsportteam Göttingen schwelgt in Erinnerungen und freut sich auf die WM

Tanzsportteam Göttingen schwelgt in Erinnerungen und freut sich auf die WM

Ferdinand Jacksch
Göttinger Tageblatt
Die A-Formation des Göttinger Tanzsportteams trifft in Braunschweig auf internationale Konkurrenz.
Die A-Formation des Göttinger Tanzsportteams trifft in Braunschweig auf internationale Konkurrenz. © Volker Hey
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Von ursprünglich 15 Standardformationen werden nur noch acht bei der Weltmeisterschaft in Braunschweig am kommenden Wochenende dabei sein. Ein erneut enger Ausgang ist im Zweikampf zwischen den Gastgebern und dem Tanzsportteam Göttingen zu erwarten.

Ein herber Rückschlag für die Ausrichter der Weltmeisterschaften der Standard-Formationen. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage stehen auch die Vorbereitungen der WM in Braunschweig unter keinem günstigen Stern. Statt der ursprünglich geplanten 15 Teams werden nur noch acht Mannschaften an den Start gehen.

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So darf der russische Titelverteidiger Vera Tyumen aus Westsibirien nicht einreisen, weil der dortige Impfstoff Sputnik in Deutschland nicht anerkannt wird. Außerdem erteilte die Deutsche Botschaft in der Mongolei der dortigen Formation keine Einreise. Die beiden ungarischen Mannschaften werden nicht dabei sein, ebenso wie der Vertreter aus Belgien und ein Team aus Tschechien, die abgesagt haben.

Die beiden Nordformationen Braunschweig und Göttingen werden am Sonnabend bei der Weltmeisterschaft in der Braunschweiger Volkswagen Halle – nach dem Kopf-an-Kopf-Rennen bei den nationalen Titelkämpfen im November – erneut aufeinandertreffen und um die WM-Krone kämpfen. „Jetzt werden die Karten neu gemischt. Bei der WM in Braunschweig wollen wir uns noch besser dem internationalen Publikum und Wertungsgericht präsentieren“, reist Cheftrainer Markus Zimmermann mit dem Tanzsportteam Göttingen zuversichtlich in die Löwenstadt. Ursprünglich sollte die Konkurrenz schon nachmittags beginnen, jetzt wurde sie auf eine 2-G-plus-Abendveranstaltung reduziert. Kurz vor Mitternacht stehen die Sieger fest.


WM-Erfahrung bringen einige Tänzerinnen und Tänzer der Göttinger Standard-Formation mit, die 2016 im ungarischen Pecs und/oder 2019 in Moskau die deutschen Farben vertraten. Erinnerungen vor und hinter den Kulissen werden wach.

DM 2021: Das Tanzsportteam Göttingen

Das Tanzsportteam Göttingen zeigte bei den Deutsche Meisterschaften mit beiden Formationen eine starke Leistung. Zur Galerie
Das Tanzsportteam Göttingen zeigte bei den Deutsche Meisterschaften mit beiden Formationen eine starke Leistung. © Volker Hey

„Bei der WM in Pecs haben uns ein Fotograf und Journalist vom Göttinger Tageblatt (Rupert Fabig/Anm. d. Red.) begleitet, die quasi alles in einem Liveticker dokumentiert haben, was wir erlebten. Anhand dieser Artikel konnte man im Anschluss der WM das Erlebnis noch einmal Revue passieren lassen“, erinnert sich der 29-jährige Bastian Kalusche, der bereits seit 2009 in der Formation tanzt. Vera Tyumen wurde 2016 in Pecs mit großem Abstand Weltmeister vor dem Braunschweiger TSC auf Platz zwei. Göttingen wurde bei seiner WM-Premiere Fünfter vor dem russischen Team Olympia. „Die Chance, dass wir Weltmeister werden, war noch nie so groß“, scherzte damals Kalusche, der Spaßvogel der Mannschaft.

Tageblatt-Mitarbeiter Rupert Fabig schrieb im Dezember 2016 in seinem Tagebuch aus Pecs: „Die Nacht war ziemlich kurz. Nachdem das Gala-Dinner in der WM-Arena genüsslich auskostet wurde und dabei etliche Flaschen mit glasigem Inhalt verkostet wurden, ging es zurück ins Hotel. Dort saßen die Göttinger mit einem Großteil ihrer Anhängerschaft noch lange zusammen. Einige knackten die Fünf-Uhr-Marke. Dass des Nachts ins Hotelschwimmbad eingebrochen wurde, ist indes nicht überliefert. Allerdings tobten einige der Sportler schon am Morgen erstaunlich früh im Wasser herum und dünsteten in der Sauna aus.“

Und dann folgte der zweite WM-Auftritt im September 2019 in Moskau, als das Tanzsportteam Göttingen seinen größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern durfte. Die Mannschaft um Cheftrainer Zimmermann holte überraschend die Bronzemedaille. Dabei ließen damals die Göttinger, wie schon zuvor in der Bundesliga, den hoch dotierten Deutschen Meister Braunschweiger TSC knapp hinter sich. „Super Ergebnis! Die harte Arbeit des Teams mit fast täglichem Training seit März hat sich ausgezahlt“, jubelte Zimmermann. „International kennt man im Tanzsport jetzt auch das Göttinger Tanzsportteam, und darauf sind wir sehr stolz.“

„Dieser Tag wird für uns alle unvergesslich bleiben“, sagte Anton Shukov, der Teamsprecher der Göttinger Formation mit russischem Blut in den Adern, über den einzigartigen Moment. „International das erste Mal auf dem Treppchen stehen zu dürfen, das ist einfach unglaublich.“ Auch Sarah Günther ließ ihren Gefühlen freien Lauf: „Eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft haben wir uns alle erträumt, und deshalb sind wir umso glücklicher, dass wir unser Ziel erreicht haben. Ich bin einfach dankbar, in einem so tollen Team tanzen zu dürfen.“

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Das Highlight bei der WM-Tour in Moskau war – neben der Bronzemedaille – für den Geologen Alexander Ploch „einen heißen, saftigen Maiskolben auf dem Roten Platz zu verspeisen“. Skukow erinnert sich, „Moskau bei Nacht erlebt zu haben“. Der Medizinerin Lynn Jessen fiel spontan der gemeinsame Abend mit Schwanensee im Kreml-Ballett ein. Eine Happy End ungewöhnlicher Art wollte Spaßvogel Bastian Kalusche nicht unerwähnt lassen: „Besonders witzig in Moskau war auch, dass unsere Trainerin Ariane Schießler im Hotel im Aufzug stecken geblieben war und eine halbe Stunde auf Rettung warten musste.“