06. April 2021 / 20:00 Uhr

Tapetenwechsel nach zehn Jahren: Lukas Japs verlässt den MSV Neuruppin

Tapetenwechsel nach zehn Jahren: Lukas Japs verlässt den MSV Neuruppin

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Feine Klinge: Mit seinem linken Zauberfuß ließ Lukas Japs (am Ball) schon viele Gegenspieler alt aussehen.
Feine Klinge: Mit seinem linken Zauberfuß ließ Lukas Japs (am Ball) schon viele Gegenspieler alt aussehen. © Marius Böttcher
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Landesliga Nord: Ab Sommer zaubert der 24-jährige Linksfuß für den SV Schwarz-Rot Neustadt - eine Rückkehr in die Fontanestadt schließt Japs nicht gänzlich aus.

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Seine Wohnung befindet sich nur wenige Gehminuten vom Neuruppiner Volksparkstadion, der Heimspielstätte des Märkischen Sportvereins, entfernt. Nach einer Dekade verlässt Lukas Japs aber den Fußball-Brandenburgligisten aus der Fontanestadt und schließt sich zur neuen Spielzeit dem Landesligisten Schwarz-Rot Neustadt an. Dieser Schritt fällt dem 24-jährigen Flügelflitzer keinesfalls leicht, nach schwierigen Wochen, Monaten und sogar Jahren sei diese Entscheidung dennoch folgerichtig. „Wenn man zehn Jahre bei einem Verein ist und sich dort immer wohlgefühlt hat, dann muss es schon triftige Gründe für einen Wechsel geben“, sagt Lukas Japs.

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Die Plausibilität bringt der Linksfuß glaubhaft rüber: „Ich habe lange mit mir gerungen, bin jetzt aber an einem Punkt angekommen, an dem die persönliche Veränderung das Beste ist und über der Vereinstreue steht.“ Im Februar 2019 erlitt Japs seinen ersten Mittelfußbruch im MSV-Trikot, kam jedoch ohne Operation schnell zurück. Zu schnell, wie er nur wenig später im gleichen Jahr feststellte: „Im Sommer habe ich mir erneut den Mittelfuß gebrochen und die komplette Hinrunde der Saison 2019/20 verpasst. In der Rückrunde konnte ich noch ein paar Minuten absolvieren, dann kam der Corona-Abbruch.“

Mehr Fußball aus Brandenburg

Seither läuft der Mann mit der Rückennummer 10 (nach dem Karriereende von Marcel Weckwerth übernommen) seiner Form, die zuvor unverzichtbar für das Team von Trainer Henry Bloch war, hinterher. „Ich hatte bis dahin nie Verletzungssorgen, alles lief immer reibungslos“, betont Japs, „die wenigen Spiele und die langen Pausen wegen der Corona-Pandemie waren zuletzt aber nicht fördernd für mich.“ In der jüngst abgebrochenen Saison 2020/21, in welcher der MSV nur sieben Partien in der höchsten Spielklasse des Landes bestritten hat, stand Lukas Japs nicht einmal in der Startelf – fünf Einwechslungen, 100 Minuten Spielzeit und ein Tor sind die Zahlen der persönlich unbefriedigenden Statistik.



Die neue Herausforderung in der Pferdestadt sei keine Entscheidung gegen den MSV – so bekräftigt es der Fan des 1. FC Union Berlin: „Es gibt kein böses Blut, ich habe mich mit allen Personen toll verstanden und auch mit Henry Bloch ein richtig gutes und ehrliches Gespräch geführt. Noch vor ein paar Jahren stand der Oberliga-Traum über allem, mit den ersten Blessuren und den beruflichen Veränderungen kommt aber ein Umdenken. In Neuruppin wird sich der Kader nicht verschlechtern, für den Erfolg wird einiges getan, was gut ist. Für mich selbst steht erst einmal im Vordergrund, dass der Spaß am Fußball zurückkommt. Und dafür brauche ich einfach mehr Spielzeit.“ Diese erhofft sich Lukas Japs zukünftig im schwarz-roten Dress – wo er auf viele ehemalige Weggefährten treffen wird. Mit Johannes Wilke, Jacob Krüger und Jann Priesemuth stehen drei Ex-MSVer im Aufgebot des Landesliga-Nord-Vertreters.

"Kann Fußball und Arbeit gut verbinden"

„Klar, das ist natürlich schön, dass man schon einige Jungs kennt. Aber überhaupt waren die Gespräche mit Karina Legde, Ronald Legde und Trainer Silvano Fiore super. Das hat sich gut angefühlt“, sagt der heiß umworbene Kicker, der auch mit anderen Vereinen in Kontakt stand. Auch logistisch macht der Wechsel ins Hans-Beimler-Stadion Sinn: Der gelernte Erzieher arbeitet als Lerngruppenleiter in Kyritz, zudem steht das Elternhaus in Tramnitz, einem Ortsteil der Gemeinde Wusterhausen. „Ich kann Fußball und Arbeit gut verbinden“, erklärt Lukas Japs, der im nordrhein-westfälischen Wermelskirchen geboren ist, mit vier Jahren in den Nordwesten Brandenburgs zog und bei Blau-Weiß Wusterhausen, Rot-Weiss Kyritz und auf der Sportschule in Neubrandenburg das Fußball-Abc erlernte. Als B-Junior kam er schließlich zum MSV Neuruppin, wo er sich unter Mario Stärck, vor allem aber unter Guido Grashoff und Gunnar Reblin („hat Riesenspaß gemacht“) für den Männerbereich empfahl.

Über seine Fähigkeiten freut man sich beim SV Schwarz-Rot Neustadt jetzt schon. „An diesem tollen Transfer haben wir lange gearbeitet“, gibt Silvano Fiore erleichtert zu, „mit Lukas bekommen wir einen hochtalentierten und fußballerisch extrem gut ausgebildeten Jungen.“ Vor allem von der explosionsartigen Schnelligkeit seines neuen Schützlings ist der Schwarz-Rot-Coach überzeugt: „Er ist ein Umschaltspieler, schon in der Brandenburgliga war er in Eins-gegen-Eins-Duellen kaum zu verteidigen. Im vorderen Drittel ist er variabel einsetzbar, ich sehe ihn vor allem auf dem linken Flügel, er kann aber auch im Sturm agieren. Er verkörpert absoluten Siegeswillen mit einer sehr ruhigen und angenehmen Mentalität.“

In Bildern: Babelsberg 03 setzt sich im Landespokal-Halbfinale beim MSV Neuruppin mit 2:0 durch.


Die gastgebenden MSV-Kicker begutachteten schon weit vor dem Anpfiff das Grün. Zur Galerie
Die gastgebenden MSV-Kicker begutachteten schon weit vor dem Anpfiff das Grün. © Frank Neßler

Lukas Japs ist einer aus der Region – und damit Wunschkandidat in Neustadt. „Er bringt eine gewisse Ausstrahlung mit in den Verein. Unsere Zuschauer kennen diesen Spieler, haben ihn in der lokalen Presse oder eben vor der Haustür schon öfter gesehen und können sich damit identifizieren“, meint Fiore. Über mehrere Monate hatte sich der Wechsel angebahnt, immer wieder war die Personalie Gesprächsthema. „Bis ich vor ein paar Wochen den Entschluss gefasst habe, Lukas konkret zu kontaktieren. Vor ein paar Monaten hielt ich das nicht für realistisch, ihn nach Neustadt zu lotsen. Umso glücklicher bin ich jetzt“, so Fiore.

Eine Rückkehr zum MSV, wo er im aktuellen Brandenburgliga-Kader der Dienstälteste ist, will Lukas Japs nicht gänzlich ausschließen: „Wenn ich wieder zu alter Stärke zurückfinde, könnte ich mir das durchaus vorstellen. Dafür waren die vielen Erlebnisse, wie beispielsweise das Landespokal-Halbfinale gegen Babelsberg 03, mit Marcel Weckwerth, Daniel Fraufarth, den Riehl-Brüdern oder Marcus Lemke und Kevin Blumenthal auch viel zu geil.“ Yulian Vladimirov und Rafael Conrado Prudente wird Japs ebenfalls vermissen. Sollte der AOK-Landespokal noch beendet werden, würde Japs noch spielberechtigt sein – und sich im Training davor voll ins Zeug legen „Das wäre ein perfekter Abschluss, für Neuruppin noch einmal auf dem Platz stehen zu dürfen“, sagt Japs, der sich aber auch auf den Tapetenwechsel freut: „Die Truppe in Neustadt hat Potenzial, vielleicht ist ja sogar der Aufstieg in die Brandenburgliga irgendwann möglich.“