11. April 2020 / 14:15 Uhr

TC Freisenbruch bietet Plattform für Geisterspiel-Tickets an: „Kirchturm-Denken können wir uns nicht leisten“

TC Freisenbruch bietet Plattform für Geisterspiel-Tickets an: „Kirchturm-Denken können wir uns nicht leisten“

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Was mit einem Angebot für das Team des TC Freisenbruch begann, ist nun für alle Vereine nutzbar: der Online-Shop geisterspieltickets.de.
Was mit einem Angebot für das Team des TC Freisenbruch begann, ist nun für alle Vereine nutzbar: der Online-Shop geisterspieltickets.de. © TC Freisenbruch
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Um Amateurvereinen trotz der Corona-Krise zu Einnahmen zu verhelfen, hat der Kreisligist TC Freisenbruch einen Online-Shop für Geisterspiel-Tickets an den Start gebracht. Neben Eintrittskarten werden virtuelles Bier und imaginäre Wurst verkauft - schon rund 250 Vereine sind dabei.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Ebenso wie in der Bundesliga stellt sich auch im Amateurfußball die Frage: Wann kann es endlich weitergehen? Doch während bei den Profis während der Coronavirus-Pandemie derzeit oft Sonderregelungen für den Trainingsbetrieb gelten und auch spezielle Quarantäne-Maßnahmen diskutiert werden, ruht der Ball auf den kleinen Sportplätzen des Landes ohne Ausnahme. Der Grund dafür ist einleuchtend: Für die aktiven Amateurspieler geht es nicht um die Ausübung ihres Berufs. Sollte sich ein Kicker mit dem Virus infizieren, hätte das weitreichende Folgen: Dutzende Mit- und Gegenspieler, Trainer, Betreuer und Schiedsrichter sowie alle Familienangehörigen müssten in Quarantäne. Damit wäre der Alltag aller Beteiligten auf den Kopf gestellt – anders als im mehr oder weniger geschlossenen Bundesliga-Kreislauf.

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Im Profifußball könnte es Anfang Mai weitergehen. Die ausstehenden Millionen aus der TV-Rechte-Vermarktung werden als Grund dafür genannt, die Spielzeit noch zu einem Ende zu bringen. Verluste für ausbleibende Ticketing-Erlöse werden einberechnet – doch zumindest ein Teil der Einnahmen kann dadurch sprudeln. Viele Amateurvereine hingegen müssen noch einige Zeit lang ohne alle überlebenswichtigen Erlöse auskommen. Um dem entgegenzuwirken, hat der TC Freisenbruch eine Möglichkeit geschaffen, um trotz der ausfallenden Spiele noch Geld zu verdienen. Dafür haben die Verantwortlichen des Essener Kreisligisten einen Geisterspielticket-Shop aufgesetzt. Verkauft werden virtuelle Eintrittskarten sowie imaginäres Bier. Auch Bierkisten, die sonst vom Vereinswirt gekauft werden und nach dem Training in der Kabine stehen, können erworben werden. Und das Wichtigste: Der TC Freisenbruch ermöglicht es jedem anderen Verein, mitzumachen.

Amateurvereine erhalten 80 Prozent der Einnahmen

Dafür hat der TC die Seite www.geisterspieltickets.de veröffentlicht. Dort kann jeder Sportverein kostenlos mit wenigen Klicks einen individuellen Online-Shop einrichten. Der eigene Vereinsbereich ist frei gestaltbar – von den Farben über die Preise bis hin zum eigenen Logo. Auch Social-Media-Optiken werden von den Plattform-Betreibern zur Verfügung gestellt. Die Fans zahlen den fälligen Betrag auf das PayPal-Konto des TC Freisenbruch. Die Initiatoren behalten 20 Prozent für die Bereitstellung der Plattform ein und leiten 80 Prozent der Einnahmen für verkaufte Tickets, Biere und Würste direkt auf das Konto des jeweiligen Vereins weiter.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
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Ganz neu ist die Idee von Geisterspiel-Tickets freilich nicht. Auch die Traditionsklubs Lok Leipzig und VfL Bochum verkauften bereits Karten für Begegnungen, die nie stattfinden werden. Doch der Ansatz, anderen Mannschaften ebenfalls den Verkauf der digitalen Tickets zu ermöglichen, zeichnet die Idee der Freisenbrucher aus.

Da jeder kleine Amateurverein durch den ausgesetzten Spielbetrieb erhebliche Einnahmen einbüßt, sollen alle vom Online-Shop profitieren. „Kirchturm-Denken können wir uns während der Corona-Krise nicht leisten. In dieser schweren Zeit sitzen wir alle im gleichen Boot und müssen zusammenhalten“, sagt Initiator Peter Wingen und unterstreicht die Solidarität hinter der Aktion. „Wenn die Saison abgebrochen wird, fehlen uns mindestens 2000 Euro in der Kasse“, rechnet Mitinitiator Gerrit Kremer für Freisenbruch vor. Kremer ist Projektleiter der 1. Mannschaft des Kreisligisten.

TC Freisenbruch startete 2016 reales Manager-Spiel

Projektleiter? Ganz richtig. Denn es kommt nicht von ungefähr, dass der TC Freisenbruch um Kremer und seinen Kompagnon Wingen die Plattform für Geisterspiel-Tickets ins Leben gerufen hat. Beim Ruhrpott-Verein gehört die digitale Welt zur DNA. Die beiden Verantwortlichen haben 2016 die Online-Plattform www.dein-fussball.club mit Freisenbruch gestartet, Dort bestimmen Fußballfans aus der ganzen Welt über die Geschicke des Vereins: Aufstellung, Transfers, Finanzen, Bier- und Bratwurstpreis beim Heimspiel und vieles mehr. Mit diesem Konzept hat Freisenbruch schon Anhänger auf allen Kontinenten begeistern können, die digital am Vereinsleben teilhaben. Auftritte bei Kongressen, Radio- und TV-Sendern – sogar bis nach China – inklusive.

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Auch der Online-Shop für Geisterspiel-Tickets kommt bislang gut an. Nach den ersten Tagen haben rund 250 Vereine mitgemacht. „Es werden fast stündlich mehr“, betont Kremer. „Der erste Verein hat sogar schon Einnahmen über 1000 Euro zu verzeichnen.“ Rund 2000 Eintrittskarten und fast 3000 Biere wurden insgesamt verkauft. Das Projekt überschreitet zudem die Grenzen des Amateurfußballs – sogar ein Volleyballverein ist dabei. „Wir haben auch schon Anfragen von kleinen Kulturbühnen erhalten, die unsere Unterstützung gebrauchen können und demnächst wohl auch virtuelle Tickets für Ihre ausgefallenen Veranstaltungen über uns verkaufen möchten“, erzählt Wingen. Geisterspiele bekommen damit ganz nebenbei sogar noch eine weitere Bedeutung.