30. Mai 2021 / 16:39 Uhr

Team-EM: VfL-Sprinter Giese glänzt, aber kein Happy End für Deutschland

Team-EM: VfL-Sprinter Giese glänzt, aber kein Happy End für Deutschland

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Starker Auftritt bei der Team-EM: Der Wolfsburger Niels Torben Giese überzeugte mit der 100-Meter-Staffel in Polen, ein Medaille für das komplette Team Deutschland wurde dann knapp verpasst.
Starker Auftritt bei der Team-EM: Der Wolfsburger Niels Torben Giese überzeugte mit der 100-Meter-Staffel in Polen, ein Medaille für das komplette Team Deutschland wurde dann knapp verpasst. © Imago Images (2)
Anzeige

Tolles Debüt für Niels Torben Giese im Nationaltrikot der Männer! Bei der Leichtathletik-Team-EM in Polen siegte der Sprinter des VfL Wolfsburg mit der 100-Meter-Staffel. Doch ein Happy End blieb aus, Team Deutschland verpasste erstmals bei diesem Event eine Medaille, wurde Vierter.

Anzeige

Platz vier für Team Deutschland - dass die DLV-Auswahl heute bei der Leichtathletik-Team-EM in Chorzow (Polen) erstmals eine Medaille verpasste, lag nicht mehr in der Hand von Niels Torben Giese. Der Sprinter des VfL Wolfsburg hatte bereits am Samstagabend mit der 100-Meter-Staffel alles gegeben und für ein Highlight gesorgt. Zum Abschluss des ersten Tages setzten sich Deutschlands Sprinter nämlich in 38,73 Sekunden deutlich vor Spanien (39,07 Sek.) und Frankreich (39,12 Sek.) durch. Schneller war der Turbomann des VfL, der an Position drei lief, mit einer Staffel noch nie unterwegs gewesen.

Anzeige

Doch heute bleib der Lohn leider aus: Hinter Polen (181,5 Punkte), Italien (179) und Großbritannien (174) wurde Team Deutschland Vierter mit 171 Zählern.

Mehr heimischer Sport

Aber zurück zur Staffel: Bisher stand da für Giese eine 39,02 Sek. aus dem Jahr 2019, als er noch für Leipzig startend bei der DM in Berlin Gold gewann. Und zum Vergleich: Der Wolfsburger Olympia-Kandidat Deniz Almas (kuriert derzeit Fußprobleme aus) war mit der Staffel an gleicher Stelle - aber bei anderen Wetterbedingungen - mit der deutschen 100-Meter-Staffel bei den World Relays drei Hundertstel schneller unterwegs gewesen, als das Quartett das Ticket für Tokio löste.

"Wir sind mit unserer jungen Staffel super gelaufen", sagte Giese, der bei seinem Männer-Debüt im Nationaltrikot mit 23 Jahren der Älteste im Quartett war. Die Hamburger Owen Ansah (20), Lucas Ansah-Peprah (21) und Marvin Schulte (22), der zu Gieses Leipziger Trainingsgruppe gehört, sind allesamt jünger.

Schon beim Abschlusstraining am Freitag im Silesian-Stadion hatte der Wolfsburger ein gutes Gefühl: "Wir haben schon bei den Wechseln gemerkt, dass einiges möglich ist, dass wir eine super Truppe sind." Am Samstag brachte die Staffel das gute Gefühl und die Leistung dann auch auf die Bahn. "Die Wechsel haben soweit alle geklappt, die Einzelzeiten haben auch gestimmt. Alles hat funktioniert", so Giese, der zur Top-Zeit sagt: "Wir haben ein kleines Zeichen gesetzt, der Konkurrenz in Europa gezeigt, dass wir auch mit einer jungen Staffel sehr weit vorn landen können." Um genau zu sein: ganz vorn! "Dass es so eine eindeutige Sache wird, haben wir uns aber auch nicht vorgestellt", so der Wolfsburger ehrlich.

Nervös war der VfL-Sprinter übrigens nicht beim Debüt: "Ich war sehr gut im Tunnel, habe eher Vorfreude gespürt und war heiß." Für den Sieg mit der Staffel gab es sieben Punkte fürs Team-Konto. Denn: Gewertet wird bei dieser EM nach einem einfachen Punktesystem, das ausschließlich die Platzierung berücksichtigt. Die Nation des Siegers einer Disziplin erhält jeweils eine mit der Zahl der Teilnehmer identische Punktzahl, abnehmend bis zur Nation des Letztplatzierten mit einem Punkt (Ausnahme: Null Punkte gibt es, wenn das Ziel beziehungsweise eine Wertung nicht erreicht wurde).

Mit 93,5 Punkten lag die deutsche Mannschaft damit nach dem ersten Wettkampftag nur noch 1,5 Punkte hinter den führenden Briten und nur einen Punkt hinter Gastgeber Polen. Heute ging's weiter, Giese reiste wieder mit ins Stadion, hielt sich als Ersatzmann für die 200 Meter fit, musste aber nicht einspringen. Auf dem Weg ins Stadion war die Hoffnung auf eine Teammedaille noch groß, am Ende ging Deutschland aber leer aus. Auch, weil am ersten Wettkampftag die deutsche Frauen-Sprintstaffel in Führung liegend dann aufgrund eines Wechselfehlers null statt sieben Zähler einfuhr und "unsere 800-Meter-Läuferin disqualifiziert wurde, was keiner verstanden hat", so der Wolfsburger.

So sah es auch DLV-Cheftrainerin Annett Stein: "Aus unserer Sicht war das eine Aktion im normalen Rennverlauf, der nicht zu einer Disqualifikation führen muss. Durch die Disqualifikation und den Wechselfehler der Frauen-Staffel haben wir leider 13 Punkte liegen gelassen.“ Ansonsten hätte es Gold für Deutschland gegeben. Am Sonntag kam nach einer Disqualifikation dann nochmal eine Nullnummer im 3000-m-Lauf dazu.

Schade für den Wolfsburger, dass es bei seinem Debüt keine Medaille gab, ansonsten war's aber durchweg positiv. Der VfL-Sprinter ist mittlerweile seit Wochen in toller Form, hat erst kürzlich seine Bestzeit über die 100 Meter auf 10,34 Sek. geschraubt. Am kommenden Wochenende geht's dann zur DM nach Braunschweig - für Giese mit reichlich Rückenwind.