11. November 2020 / 19:20 Uhr

Cybertraining, Tests, Plan für Stuttgart-Spiel: So geht es bei der TSG Hoffenheim in der Quarantäne weiter

Cybertraining, Tests, Plan für Stuttgart-Spiel: So geht es bei der TSG Hoffenheim in der Quarantäne weiter

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Corona-Sorgen bei 1899 Hoffenheim: Keeper Oliver Baumann (l.) musste von der Nationalmannschaft abreisen, Sportchef Alexander Rosen fordert: Es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren.
Corona-Sorgen bei 1899 Hoffenheim: Keeper Oliver Baumann (l.) musste von der Nationalmannschaft abreisen, Sportchef Alexander Rosen fordert: "Es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren." © imago images (2), dpa
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Nach einigen positiven Corona-Test hat sich mit der TSG Hoffenheim der erste Bundesligist als komplettes Team in Quarantäne begeben. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem bisher einmaligen Vorgang.

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In der Bundesliga wächst nach einer zunehmenden Zahl von Corona-Fällen die Sorge um die planmäßige Fortführung der Saison. Die TSG Hoffenheim hat nach weiteren infizierten Profis die gesamte Mannschaft mit sofortiger Wirkung vorsorglich selbst in Quarantäne geschickt. Wie der Klub am Mittwoch mitteilte, habe der turnusmäßige Test am Dienstagabend weitere positive Ergebnisse gebracht. Wie geht es bei den Kraichgauern nun weiter? Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Welche Profis wurden positiv getestet?

Sebastian Rudy, Ishak Belfodil und ein Mitglied des Trainerteams erhielten am Mittwochmorgen ihre positiven Befunde. In der Nacht zum Donnerstag folgte dann ein positives Testergebnis bei Kevin Vogt. Schon am Dienstag waren Robert Skov (Dänemark) und Munas Dabbur (Israel) bei ihren Nationalteams positiv getestet worden. Jacob Bruun Larsen und ein Mitglied des Betreuerteams waren schon vor dem vergangenen Wochenende isoliert worden. Die Corona-Probleme hatte auch Folgen für die deutsche Nationalelf: Torhüter Oliver Baumann hat das DFB-Quartier verlassen müssen. Der 30-Jährige habe sich "in häusliche Quarantäne begeben“. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, Baumann sei "seit seiner Ankunft am Montag bislang zweimal getestet“ worden, beide Male mit negativem Ergebnis. Auch Ryan Sessegnon ist von der englischen U21-Nationalmannschaft abgereist.

Wie sieht das weitere Vorgehen aus, nachdem sich die Mannschaft in Quarantäne begeben hat?


Die am Dienstag ursprünglich angesetzte Trainingseinheit der TSG war aus Sicherheitsgründen bereits abgesetzt worden. Der Klub stehe mit den Spielern, die aktuell bei ihren Nationalteams weilen, ebenso im engen und permanenten Austausch wie mit den Gesundheitsbehörden - dem Gesundheitsamt Heidelberg. TSG-Sportchef Alexander Rosen sagte: "Gerade in solchen herausfordernden Situationen gilt es kühlen Kopf zu bewahren und klar, abgestimmt und verantwortungsvoll zu handeln. Deshalb haben wir schon gestern vorsorglich die Trainingseinheit abgesetzt und im Lauf des heutigen Tages alle weiteren Schritte sowohl intern als auch mit den verantwortlichen Behörden sowie den involvierten Verbänden abgestimmt.“ Die Spieler werden sich während der Quarantäne mit Cybertraining und individuellen Trainingsplänen fit halten.

Hat das DFL-Hygienekonzept die Team-Quarantäne explizit vorgeschrieben?

In Absprache mit den Gesundheitsbehörden und im Einklang mit den Vorschriften des DFL-Hygienekonzepts habe die TSG diese Lösung gewählt, teilte der Klub auf Anfrage mit.

Muss das DFL-Hygienekonzept nun angepasst werden?

Zunächst muss versucht werden, die Ursachen zu finden. Daran arbeite der Verein gemeinsam mit den Behörden. Bislang war das Konzept beispielgebend für andere Verbände und Klubs in zahlreichen Ländern und hat viele Monate dafür gesorgt, dass der Profisport ohne oder nur mit einigen wenigen Fällen durch die Pandemie gekommen ist. Das Konzept funktioniert, Garantien gäbe es keine, heißt es nun aus Hoffenheim. "Wir können uns die Häufung nicht erklären", sagte Rosen.

Inwiefern ist das nächste Bundesligaspiel am 21. November gegen den VfB Stuttgart gefährdet?

Die TSG verweist bei dieser Frage darauf, dass sich die Mannschaft "bis auf Weiteres" in Quarantäne begeben hat. Die Spieler werden entsprechend weiter getestet. Auf Grundlage der Ergebnisse sollen gemeinsam mit dem Gesundheitsamt die weiteren Schritte abgestimmt werden. Bisher gab es wegen des Coronavirus noch keine Absage eines Bundesligaspiels. In den Europapokalwettbewerben ist das Antreten einer Mannschaft laut UEFA dann verpflichtend, wenn mindestens 13 Spieler - einschließlich mindestens einem Torhüter - zur Verfügung stehen.

Was sagen die Verantwortlichen anderer Klubs?

Sportdirektor Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg, der am Sonntag der letzte Hoffenheimer Gegner in der Bundesliga war, sagte: "Wir sind darüber informiert worden und führen planmäßig unsere Tests durch, bevor wir die Gruppe wieder zusammenführen." Clemens Fritz, Leiter der Profi-Abteilung von Werder Bremen, erklärte: "Das ist natürlich schon tragisch, würde ich fast schon sagen. Da sieht man natürlich, wie schwierig es für alle ist. Es ist eine große Herausforderung. Nicht nur für den Fußball", so der Ex-Profi. Man könne sich darauf nicht vorbereiten. Es sei ein "Riesenschlag" für Hoffenheim.