29. November 2021 / 15:09 Uhr

Teambuilding, Digital-Workout: So verbringen Gifhorns Kreisligisten die XXL-Winterpause

Teambuilding, Digital-Workout: So verbringen Gifhorns Kreisligisten die XXL-Winterpause

Florian Walter
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Will im neuen Jahr früh mit Testspielen starten: Die SV Meinersen (in Rot).
Will im neuen Jahr früh mit Testspielen starten: Die SV Meinersen (in Rot). © Lea Behrens
Anzeige

Wenig Teams, wenige Spiele, lange Winterpause. Genau ein halbes Jahr rollt der Ball in der Fußball-Kreisliga Gifhorn nicht. Die Teams stellt das vor große Herausforderungen - Kreis-Chef Ralf Thomas weiß das, verteidigt die Entscheidung aber.

Der Fußball-Kreis Gifhorn hat sich auch in dieser Spielzeit wieder dazu entschlossen, die Ligen in kleine Staffeln zu unterteilen. Im Kreis-Oberhaus gibt's zwei Gruppen à acht Teams. Doch kleine Staffeln bedeuten auch weniger Spiele - und so war der letzten Hinrunden-Spieltag schon am 24. Oktober 2021 angesetzt (je ein Nachholspiel gab's dann noch am 31. Oktober und 7. November). Weiter geht's erst erst am 24. April 2022, also genau ein halbes Jahr (!) später. Was tun in dieser XXL-Winterpause? Kreisliga-Trainer geben Einblicke in ihre Gedanken und Planungen.

Anzeige

Wirklich begeistert über die lange Winterpause zeigt sich keiner der 16 Coaches. Zu dem langen Zeitraum, den es Überbrücken gilt, gesellen sich nun auch noch Unsicherheiten was die Corona-Entwicklung angeht. Ron Glindemann, Trainer der SV Meinersen, schildert: „Die Organisation ist in diesem Jahr kaum möglich, es ist alles mit großem Aufwand verbunden. Und die Halle fällt als Option womöglich auch noch weg." Gänzlich ohne Plan steht man in Meinersen dennoch nicht da, wie Glindemann verrät. „Wir haben acht Testspiele geplant und starten bereits Mitte Februar. Wir werden aber noch eine kleine Pause einstreuen." Für die Zeit vor dem Vorbereitungsstart kommen auch Online-Portale als Hilfsmittel infrage: „Ein digitales Workout wäre vielleicht eine Möglichkeit."

Mehr heimischer Sport

Damit kennt man sich in Hillerse bestens aus: „Wir haben mit der Mannschaft bereits im letzten Jahr digitale Workouts gemacht“, berichtet TSV-II-Coach Julian Wiedemann, der interimsweise die Bezirksliga-Mannschaft trainiert. „Das kam damals super an, deshalb planen wir das auf jeden Fall wieder." Und wie läuft so ein digitales Training ab? „Dabei treffen wir uns zweimal in der Woche abends auf einer Online-Plattform und machen gemeinsam Übungen im Kraft- und Stabilisationsbereich. Danach gibt es natürlich noch die Möglichkeit, eine Weile miteinander zu quatschen. Zusätzlich zum Online-Training werden wir aber auch versuchen, mal in die Halle zu gehen - sofern möglich.“


Neben dem regulären Training, versuchen auch einige Vereine, ihren Spieler ein Programm abseits des Rasens anzubieten: „Wir werden schon auch in Sachen Teambuilding unterwegs sein“, sagt zum Beispiel Matthias Weiß, Trainer des SV Westerbeck: „Da könnten dann zum Beispiel Dinge wie ein Tischtennis-Spiel oder ein Sauna-Besuch infrage kommen.“ Den Kontakt untereinander droht Weiß' Mannschaft aber ohnehin eher nicht zu verlieren, denn der Coach sagt: „Wir werden, solange es möglich ist, wenigstens einmal pro Woche trainieren, am liebsten wollen wir ganz durchtrainieren. Eine Pause gibt es dann vielleicht mal um die dritte Januar-Woche rum."

Ähnlich möchte es auch der TSV Meine halten. Trainer Roman Huck sagt: „Wir werden nahezu durchtrainieren, werden dann Mitte Januar schon richtig in die Vorbereitung starten.“ Seine Begründung: „Wir haben Nachholbedarf, sind konditionell nicht voll auf der Höhe. Aber auch sonst haben wir einiges zu tun und wollen die Zeit nutzen.“

Gar nicht glücklich mit der langen Pause ist Wittingens Trainer Naim Fetahu: „Die Stimmung ist bei uns in der Mannschaft ist deshalb schon etwas im Keller. Über einen so langen Zeitraum ohne Spiel zu bleiben, kann dann später auch noch mal auf die Motivation drücken. Die lange Pause ist jedenfalls nicht optimal. Ich weiß nicht, ob es da nicht auch noch andere Modelle gegeben hätte..."

Geteilte Staffeln „Stand heute die richtige Entscheidung“

Kleine Staffeln, um auf Corona bestmöglich vorbereitet zu sein, das war das Credo des Fußball-Kreises Gifhorn in der Sommerpause. Die erhofften Vorteile dadurch: Weniger Mannschaften, weniger Spiele, frühere Winterpause. Gifhorns Kreis-Chef Ralf Thomas erklärt: „Sollte es nun im Spätherbst oder Winter aufgrund der Corona-Entwicklung zu einer Unterbrechung des Spielbetriebs kommen, ist in den betreffenden Staffeln zumindest eine komplette Hinrunde absolviert, die im Zweifel zur Wertung der Saison herangezogen könnte.“ Und zudem bestünde die Hoffnung, dass sich die Corona-Lage in sechs Monaten wieder entspannen kann, dass auch die Rückrunde ausgespielt werden kann. "Das wäre uns allen natürlich lieber.“

Dabei habe sich der Kreis-Vorstand diese Entscheidung keinesfalls leicht gemacht: „Wir haben uns verschiedene Fragen gestellt und vieles abgewogen. Was könnte passieren? Was kann den Spielbetrieb wie beeinflussen? Was sind dann unsere Optionen? Was wären die Konsequenzen für den Spielbetrieb sollten wir die falschen Schlüsse ziehen?“ Thomas erklärt: „Wir haben also versucht, uns die Entwicklung des Virus zu vergegenwärtigen und sind zu dem Schluss gekommen, dass der Spielbetrieb im Herbst oder Winter eher durch Corona gefährdet sein könnte als der im Frühjahr."

Dafür, dass die sehr lange Winterpause die Vereine und Spieler vor gewisse Herausforderungen stellt, hat Thomas Verständnis: „Natürlich verstehen wir, dass eine so lange Zeit ohne regulären Spielbetrieb nicht optimal ist. Letztlich wollen sich Sportler immer im Wettbewerb messen und nicht nur trainieren. Uns als Kreis wäre das grundsätzlich auch lieber, auch wir sind mit der sportlichen Situation unzufrieden." Aber angesichts einer sich derzeit verschärfenden Corona-Lage sieht Thomas die Staffel-Unterteilung als die richtige Entscheidung an. „Stand heute würde ich sagen: Ja. Das gilt aber wirklich nur für den Moment. Wir haben alle keine Glaskugel. Es kann sein, dass man das in ein paar Wochen oder Monaten wieder anders bewerten muss."

Aus diesem Grund betont Thomas auch, dass man weiter flexibel bleibe, um den Vereinen alternative Formen des Wettbewerbs anbieten zu können, um die Winterpause zu überbrücken: „Wenn es die Lage dann zulässt und die Vereine Bedarf anmelden sollten, wären wir sofort bereit dazu. Wir lassen uns da auf vieles ein und haben selbst bereits einen Haufen möglicher Konzepte bereitliegen. Wir würden in einem solchen Fall sofort reagieren können. Und damit meine ich sofort.“