28. Januar 2022 / 09:05 Uhr

Teils unerträgliche Schmerzen: "Os pubis" bremst Chemie Leipzigs Keßler aus

Teils unerträgliche Schmerzen: "Os pubis" bremst Chemie Leipzigs Keßler aus

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Kämpft für ein Comeback: BSG-Akteur Max Keßler hat eine seltene Verletzung.
Kämpft für ein Comeback: BSG-Akteur Max Keßler hat eine seltene Verletzung. © Christian Modla
Anzeige

Eine gewöhnliche Schambeinentzündung stand im Raum – doch so einfach ist es nicht: Wie eine seltene Verletzung Chemie Leipzigs Sturmhoffnung Max Keßler stoppt.

Leipzig. Sein letztes Pflichtspiel bestritt Max Keßler im Pokal gegen den FSV Zwickau. Im Testspiel gegen Markranstädt musste er nach einem Pressschlag vorzeitig raus. Das war am 23. Juni 2021. Seither hat sich für die Sturmhoffnung der BSG Chemie nichts mehr bewegt. Während sein vier Jahre jüngerer Bruder Ben auf Anhieb einen Stammplatz in der Abwehr erkämpfte, konnte Stürmer Max nur noch zuschauen.

Anzeige

„Die Schmerzen ließen einfach nicht nach“

Das Schambein – die Lateiner sprechen auch vom „Os pubis“, ist ein platter, winkelförmiger Knochen und Teil des Beckens. Es ist beidseitig vorhanden, wobei beide Schambeine in der Mittellinie durch die Schambeinfuge (Symphysis pubica) – eine faserknorpelige Verbindung – verbunden sind, damit sich die Beckenknochen geringfügig zueinander bewegen können.

Mehr zur BSG

Die Schambeinentzündung, ob ihrer Häufigkeit bei jungen Kickern auch die „Fußballerkrankheit“ genannt, ist ein weitverbreitetes Phänomen. Diesem glaubte auch Max Keßler begegnet zu sein, doch nach vier Monaten der üblichen Heilungs-Standardprozedur mit täglich zweieinhalbstündiger Behandlung und Spezialtraining wurde es ihm unheimlich. „Die Schmerzen ließen einfach nicht nach, ich bin von Pontius zu Pilatus gerannt, wir haben von der Darmspiegelung bis zum großen Blutbild alles probiert. Aber erst bei einem Spezialisten in Berlin konnte diagnostiziert werden, was da wirklich los ist“, berichtet der 23-Jährige.

Anzeige

„Es geht langsam in die richtige Richtung“

Ein seltenes Phänomen wurde beim jungen Angreifer gefunden: eines der beiden Schambeine bewegte sich mit – obwohl es das nicht beziehungsweise nur sehr geringfügig sollte. Sechs Millimeter Unterschied wurden ausgemacht, hervorgerufen durch eine Entzündung, die wiederum von einer Überbelastung herrührte. In der Folge ergab sich eine zunehmende Fehlbelastung, die allein durch die Muskulatur nicht mehr kompensierbar und auch durch Spritzen nicht zu beseitigen war. Erst nach dem Auffinden der wirklichen Ursache konnte anschließend zielgerichtet auf die Heilung hingearbeitet werden. „Es geht nur durch Kräftigung der umgebenden Tiefen-Muskulatur in Bauch und Oberschenkel, die Stabilität bringt. Anders geht es nicht“, so Keßler, der tagsüber in einer Bank in Grimma arbeitet und erst nach Feierabend dazu kommt, seine Genesung voranzutreiben. „Vor allem unser Chemie-Physio Ali Hamzehian nimmt sich viel Zeit für mich“, freut sich Keßler. Täglich werden anderthalb bis zwei Stunden gezielte Übungen durchgezogen, nach und nach wird es besser. „Auch der Fitnesstrainer unserer U19, Karl Lehmann, hat sich sehr um mich gekümmert“, so Keßler, der auch viel Unterstützung aus dem Verein erfuhr.

Ans Aufgeben hat er indes nie gedacht, auch wenn die Schmerzen manchmal unerträglich waren: „Dafür liebe ich den Fußball viel zu sehr.“ Realistisch betrachtet, plant Keßler seinen Neustart für die neue Saison, wenn alles gut geht, vielleicht auch für den Mai, früher nicht: „Es geht langsam in die richtige Richtung, wenn ich demnächst schmerzfrei bin, möchte ich mit leichten Laufübungen beginnen. In der neuen Saison will ich wieder angreifen.“ Vertrag hat er noch bis 2023, und bis dahin will er sich seinen größten Wunsch erfüllen. „Gemeinsam mit meinem Bruder Ben in der ersten Mannschaft zu stehen und für Chemie um den Sieg zu kämpfen, das wäre ein absoluter Traum!“