15. Mai 2020 / 09:10 Uhr

"Geht nicht mehr um Sport": Nicolas Kiefer bleibt Fußballfan, wirbt aber für Gleichberechtigung

"Geht nicht mehr um Sport": Nicolas Kiefer bleibt Fußballfan, wirbt aber für Gleichberechtigung

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das frühere Tennis-Ass Nicolas Kiefer, hier beim Golfen, hält es für bedenklich, dass der Profifußball mittlerweile schon ohne Zuschauereinnahmen auskomme.
Das frühere Tennis-Ass Nicolas Kiefer, hier beim Golfen, hält es für bedenklich, dass der Profifußball mittlerweile schon ohne Zuschauereinnahmen auskomme. © Florian Petrow
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Das ehemalige Tennis-Ass Nicolas Kiefer gilt als kritischer Beobachter des Profigeschäfts. Was bedeutet die wettbewerbsfreie Zeit für den Sport? Und wie bewertet der frühere Weltranglistenvierte die Sonderrolle des Fußballs? Im Interview mit dem SPORTBUZZER gibt der 42-jährige Hannoveraner Auskunft.

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Wie haben Sie sich in den vergangenen Wochen fit gehalten?

Meine Grundfitness habe ich schon im Dezember gelegt, da habe ich angefangen, für den Tokio-Marathon am 1. März zu trainieren, der wurde dann ja für Amateursportler abgesagt. Und dann war ja der Plan, Boston am 20. April zu laufen, dafür habe ich viele Kilometer gefressen. Ich bin fit in die Corona-Pause gegangen, so fit war ich läuferisch noch nie.

Und wie sind Sie zu Hause am Ball geblieben?

Während der Corona-Pause bin ich unter der Woche auch gelaufen. Und als Golfer habe ich zu Hause eine Putting-Bahn, ein Chipping-Netz – und solche Spielsachen. Sport im Fernsehen war ja nicht so. Da wurden leider meist nur die Fußball-Konserven gezeigt, da hätte ich mir auch einmal Sportarten gewünscht, die nicht so im Rampenlicht stehen. Das wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, wie zum Beispiel Feldhockey oder Rudern.

Mögen Sie Fußball nicht mehr?

Ich bin absoluter Fußballfan. Nach wie vor freue ich mich, wenn 96 spielt, ich leide mit und verfluche sie auch gleichzeitig, weil ich noch zu sehr Sportler bin – ich wünsche dem Team den Erfolg. Andererseits bin ich für Gleichberechtigung. Golf zum Beispiel ist so ein toller Sport – warum hat man so lange damit gewartet, ihn wieder freizugeben? Genauso wie Tennis – das sind kontaktlose Sportarten, die sind dafür prädestiniert.

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Wie geht es gerade mit dem Profitennis in Coronazeiten weiter?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Jahr noch Turniere gespielt werden. Das ist ein internationaler Tross, der Woche für Woche in einer anderen Stadt, auf einem anderen Kontinent ist.

Sie haben kritisiert, dass der Fußball in Deutschland einen Bonus hat – aber eben nur der Berufs-, nicht der Freizeitfußball ...

Genau. Die Kinder und Jugendlichen sind ja die Stars von morgen. Wie willst du das denen erklären? Aber am Ende des Tages geht es ja gar nicht mehr um den Sport, die Profiklubs können wunderbar ohne Zuschauereinnahmen leben. Das ist kein gutes Zeichen.

Die Profis-Fußballer haben jetzt schon ihr erstes dicken Corona-Problem – und das heißt Dynamo Dresden ...

Jetzt ist eine Mannschaft in Quarantäne. Was passiert denn, wenn eine zweite oder dritte in Quarantäne muss. Dann musst du die Saison abbrechen.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste sieht den Re-Start der Fußball Bundesliga als große Chance für Deutschland. „Als Land werden wir schon als die Vorreiter in der Corona-Krise gesehen. Wenn wir es jetzt auch noch schaffen, als Erste eine professionelle Sportliga zu öffnen, dann ist das ein ordentliches Pfund“, hat er gesagt. Stimmen Sie ihm zu?

Als Land sollten wir durch andere Qualitäten glänzen. In den Schulen sieht es beispielsweise ganz anders aus. Aber im Fußball hat Deutschland eben einen sehr guten Ruf in der Welt. Wenn es funktioniert – alles richtig gemacht. Aber wenn es nicht funktioniert ...

Verhalten sich die Deutschen denn Ihrer Meinung nach Corona-gerecht?

Die Deutschen sind sehr diszipliniert. Aber wenn du dann am Maschsee spazieren gehst und hast die Zehnerreihen vor dir oder du musst in der Eilenriede Slalom laufen, da muss man sich dann schon an den Kopf fassen. Das ist ein ganz schmaler Grad, weil es eine solche Situation ja noch nie gab.

Sie sind trainieren den Tennis-Nachwuchs beim SCC Berlin. Wann haben Sie Ihre Kinder zuletzt gesehen?

Das kann ich ganz genau sagen, es war an einem Montag, dem 24. Februar.

Und wann gibt’s ein Wiedersehen?

Ich hoffe, spätestens Ende Mai.