01. Februar 2021 / 07:28 Uhr

Tennis vor 400.000 Zuschauern: Australian-Open-Chef verspricht "ein Freudenfest"

Tennis vor 400.000 Zuschauern: Australian-Open-Chef verspricht "ein Freudenfest"

Jörg Allmeroth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Rafael Nadal kann bei den Australian Open 2021 wegen niedriger Corona-Zahlen auf Fan-Unterstützung bei seinen Spielen setzen.
Rafael Nadal kann bei den Australian Open 2021 wegen niedriger Corona-Zahlen auf Fan-Unterstützung bei seinen Spielen setzen. © imago images/AAP/Montage
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Insgesamt 400.000 Zuschauer werden bei den am 8. Februar beginnenden Australian Open erwartet - niedrige Corona-Zahlen machen in Down Under vieles möglich. Ein Bericht über die Lage vor Ort.

Als am Freitag in Ade­laide Tennis gespielt wurde, waren das vertraute und doch fremdartige Szenen: Ein nahezu voll besetztes Stadion mit Zuschauern ohne Masken. Corona, die Geisteratmosphäre im Sportgeschehen fast überall auf der Erde – es war alles weit, weit weg. Der Schaukampf wirkte wie eine Utopie. Und war doch real.

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Und Tennisinteressierte werden sich in den nächsten Wochen durchaus an diese Bilder gewöhnen dürfen, denn in Australien beginnt ein Tennismonat, der auch das ist: ein Ausdruck des erfolgreichen Kampfs auf dem fünften Kontinent gegen die Pandemie. Australien verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten knapp 29 .000 Infektionen und rund 900 Todesfälle. Im November und Dezember gab es wochenlang keine Neuinfektionen. Deshalb ist Tennis möglich in Australien – mit vielen Zuschauern. Tennis, das seinen Höhepunkt ab dem 8. Februar mit den Australian Open findet.

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Es ist das erste Event von globaler Tragweite, das beinahe wie immer stattfinden wird. Die Behörden im Bundesstaat Victoria gaben bekannt, dass während der beiden Turnierwochen etwa 400.000 Zuschauer auf die Anlage am Yarra River strömen dürfen30.000 Zuschauer an den ersten acht Tagen, 25.000 Zuschauer dann täglich bis zu den Finals am 20. und 21. Februar. Was bedeutet, dass die Endspiele vor beinahe vollem Haus in der Rod Laver Arena in Melbourne steigen werden. "Es wird ein Freudenfest für unseren Sport werden", erklärte Turnierchef Craig Tiley (59).

Erfolg für Orga-Team

Tiley darf die Austragung des Wettbewerbs, aber auch die Zulassung von vielen Zehntausend Besuchern als Erfolg für sich und sein Organisationsteam verbuchen. Der ehemalige Profi und Coach hatte monatelang darum gekämpft, die Australian Open stattfinden zu lassen, auch in jenen Tagen, in denen das Land im harten Lockdown war und kaum jemand ans Stattfinden des "Happy Slam" glaubte. Er setzte sich mit seiner generalstabsmäßigen Turnieroperation auch über die Kritik hinweg, die den Wettbewerb als unnötigen Luxus betrachtete – auch, weil noch immer viele Australier wegen Limitierungen auf die Einreise in ihr Heimatland warten.

Tileys Argument, dem sich auch die Regierung Victorias anschloss, lautete: Findet das Turnier in diesem Jahr nicht statt, ist der Standort in Gefahr. Dann drohten die Australian Open nach Asien zu ziehen. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, auch jene Turbulenzen, die einige Profis verursachten, als sie nach der Ankunft in Australien über ihre verschärften Quarantäneregelungen lamentierten.

Zwei Zwischenfälle

Am Wochenende konnte Tileys Veranstaltungstrupp es als Erfolg verbuchen, dass in dem mit diversen Charterflügen antransportierten Profikontingent nur ein Infektionsfall registriert worden war (die Spanierin Paula Badosa). Dazu kehrte recht schnell Vernunft im Tennis-Tingelbetrieb ein – man fügte sich in die Isolation und dankte den Australiern dafür, im Land sein zu dürfen. "Es gehört zu den größten Leistungen der vergangenen Jahre, dass wir diese Turniere spielen dürfen", erklärte Altmeister Rafael Nadal (Spanien), der zu jenen gehörte, die am Freitag in Ade­laide spielten.


Alles gut in der Tenniswelt? Nicht ganz. Sie ist in zwei Lager gespalten: Es werden Spieler auf dem Platz stehen, die eine relativ unkomplizierte Vorbereitungsperiode hinter sich haben – mit fünfstündigem Ausgang pro Tag zum Trainieren inmitten der speziellen Quarantäne. Und solche, die sich wie Angelique Kerber (Kiel) wegen infizierter Mitreisender (Bordpersonal) auf den Charterflügen in eine schärfere Quarantäne begeben mussten und zwei Wochen lang ihr Hotelzimmer nicht verlassen durften.

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Sechs Turniere steigen bereits in dieser Woche in Melbourne. Bei den Männern findet neben zwei ATP-Wettbewerben auch der ATP Cup statt, ein Nationenkampf. Deutschland mit Alexander Zverev, Jan-Lennard Struff und dem Doppel Kevin Krawietz/Andreas Mies trifft in seiner Gruppe auf Serbien und Kanada. Kerber startet bei der Grampians Trophy, die für die Spielerinnen etabliert wurde, die die härtere Quarantäne hinter sich haben