28. Juli 2020 / 17:36 Uhr

Tennis: In diesem Berliner Spitzenreiter steckt ganz viel Gifhorn

Tennis: In diesem Berliner Spitzenreiter steckt ganz viel Gifhorn

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Viel Grün-Weiß in Blau-Weiss: Lena und Sophie Greiner (h. v. l.) sowie Anna und Charlotte Klasen (davor stehend) spielen gemeinsam für den Berliner Regionalligisten TC 1899 II.
Viel Grün-Weiß in Blau-Weiss: Lena und Sophie Greiner (h. v. l.) sowie Anna und Charlotte Klasen (davor stehend) spielen gemeinsam für den Berliner Regionalligisten TC 1899 II. © Privat
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Ein Damen-Team schickt der TC Grün-Weiß Gifhorn in dieser besonderen Sommer-Saison nicht ins Rennen - und doch steckt im derzeit besten Tennis-Team im Punktspielbetrieb ganz viel Grün-Weiß. Vier Ex-Gifhornerinnen stehen mit dem TC 1899 Blau-Weiss Berlin II an der Tabellenspitze der Regionalliga.

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Höher geht's nicht

Höher als Regionalliga geht's derzeit nicht. Aufgrund von Corona setzen die Tennis-Bundesligen in diesem Sommer aus. Von der Regionalliga abwärts konnten die Klubs entscheiden, ob sie an der Saison teilnehmen möchten, kein Team verliert seinen Startplatz für den Sommer 2021, wenn es nicht antritt. Auf- und Absteiger gibt es nicht.

Beim TC Grün-Weiß Gifhorn entschieden sich die Damen für diesen Sommer nicht zu melden - und doch geht ein Team an den Start, in dem ganz viel Grün-Weiß, ganz viel Gifhorn steckt. Wo? In der Regionalliga. In der Bundeshauptstadt. Die Schwestern Anna (26) und Charlotte Klasen (24) sowie Lena (19) und Sophie Greiner (16) schlagen gemeinsam für die Bundesliga-Reserve des TC 1899 Blau-Weiss Berlin auf. Und: Die grün-weiße Enklave ist auf dem besten Weg zum Titel.

Gifhorner Sport: Die Top-Ten-Momente 2019

Rückblick 2019 im Gifhorner Sport Zur Galerie
Rückblick 2019 im Gifhorner Sport ©

Gifhorn - Berlin. Als Erste ging Anna Klasen diesen Weg. Mit 18 wechselte sie 2012 zum damaligen Zweitligisten und stieg direkt in die 1. Liga auf, ein Jahr später folgte ihre jüngere Schwester Charlotte. 2019 kam dann Lena Greiner dazu, dieses Jahr nun schließlich ihre Schwester Sophie. "Lena hatte mich mal angeschrieben. Ich habe die beiden empfohlen", berichtet Anna Klasen, wie es zur Zusammenführung in Berlin gekommen ist. Und: Alle schlagen in einer Mannschaft auf.

"Wir freuen uns natürlich total, dass mit Anna und Charlotte zwei solch gute Spielerinnen in einem Team sind. So war es für uns auch einfacher, da wir schon welche kannten als wir gewechselt sind", sagt Lena Greiner und fügt hinzu: "Da wir uns eigentlich seit klein auf kennen stimmt einfach alles und wir können auch sehr gut miteinander spielen und öfter kommen dann mal alte Geschichte aus Gifhorn zur Sprache."

So werden auch die Erinnerungen der Klasen-Schwestern aufgefrischt, die aus Hankensbüttel stammend, wichtige Schritte ihrer Karriere auf der Anlage an der Bleiche gegangen sind. "Ich bin da ungefähr mit zwölf Jahren hingekommen und habe da eine unglaublich wichtige Entwicklung durchgemacht. Da sind auf jeden Fall an erster Stelle die Trainer Milan Lukic und Djorjde Djuranovic zu nennen, die mich sehr unterstützt haben. Es war eine sehr, sehr wichtige Zeit für mich", sagt Anna Klasen, die nun seit acht Jahren für Berlin spielt. "Deshalb fühlt es sich bei Blau-Weiss wie unsere zweite Heimat an." Charlotte Klasen wohnt mittlerweile in Berlin und trainiert konstant beim TC mit. "Ich schlaf dann auch immer bei meiner Schwester", so Gifhorns erster Berlin-Export.

Vier Gifhorner Tennis-Asse, die nicht bei Grün-Weiß spielen. Wer denkt, dass das für Trauer an der Bleiche sorgt, der irrt gewaltig! "Wir sind hier stolz, dass wir die Vier begleiten durften, dass sie so weit gekommen sind", sagt Djuranovic, der die Athletinnen in den Vordergrund stellt. "Wir unterstützen sie, dass sie nach vorn kommen. Und bei uns in Gifhorn ist die Nord-, vielleicht auch die Regionalliga das höchste der Gefühle." Um in der Bundesliga zu spielen, bedarf es finanzieller Mittel. " Wenn die Spielerinnen so weit sind, dass sie die Fähigkeiten für Höheres haben, dann sollen sie auch gehen. Wir wollen dann keine Bremse sein. Wir sind dann nicht traurig. Sie sollen sich weiter entwickeln."

Gifhorn bleibt eine hervorragende Talentschmiede. Doch Djuranovic betont, dass die Entwicklung des Quartetts nicht allein auf den Trainingsmöglichkeiten fußt. "Es steckt nicht nur von uns viel Arbeit drin. Die Mädchen haben viel freie Zeit investiert, die Eltern stehen voll dahinter. Das sind die Voraussetzungen für gute Jugendarbeit."

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Jugendarbeit - von der nun der Berliner Klub profitiert. Das Quartett vergisst aber seine Wurzeln nicht: "Dass jetzt Lena und Sophie auch noch dazu gestoßen sind, fühlt sich sehr gut, fühlt sich heimatlich an", sagt Anna Klasen.

Und sportlich passt es auch. "Wir sind ein tolles Team und wollen in dieser Saison einfach gute Matches machen und Spaß haben", sagt Lena Greiner. Ein Aufstieg wäre sowieso nicht möglich, da die Erstvertretung in der derzeit ausgesetzten Bundesliga spielt. An der Motivation ändert das nichts. Siege gegen den TV Visbek (5:4) und DTV Hannover II (9:0) haben Platz eins vorm abschließenden Spiel beim THC von Horn und Hamm am 30. August gebracht.

Klappt's mit dem Tribünenplatz?

Und vielleicht sitzt dann auch Djuranovic auf der Tribüne. "Ich wollte mir schon früher ein Spiel in Berlin ansehen. Aber wir mussten Corona-bedingte Trainingsausfälle nachholen", ist der Grün-Weiß-Coach auf die Ausbildung der nächsten Talente wie Mailina Nedderhut konzentriert. Die Bundesliga-Klubs werden das gern hören.