14. Oktober 2020 / 13:14 Uhr

Sprungbrett Albanien? Ex-96er Thomas Brdaric will als Trainer in die Bundesliga

Sprungbrett Albanien? Ex-96er Thomas Brdaric will als Trainer in die Bundesliga

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Thomas Brdaric möchte in Albanien als Trainer auf sich aufmerksam machen.
Thomas Brdaric möchte in Albanien als Trainer auf sich aufmerksam machen. © imago images/Manngold
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Seit August ist Thomas Brdaric Trainer beim albanischen Erstligisten Vllaznia Shkodra. "Ich bin total glücklich, hier zu arbeiten", sagt der 43-Jährige. Allerdings habe er den "brutalen Ehrgeiz, irgendwann in Deutschland ein Profiteam zu übernehmen". Die Entwicklung bei Ex-Klub Hannover 96 sieht er positiv.

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In Deutschland kommen mit dem Herbst langsam die ungemütlichen Tage, in Albanien „haben wir 25 Grad, und die Sonne hat noch viel Kraft. Das Wetter ist sehr angenehm“, sagt Thomas Brdaric. Der 43-Jährige ist seit August Trainer beim albanischen Erstligisten FK Vllaznia Shkodra. „Ich bin total glücklich, hier zu arbeiten. Die albanische Liga ist in Deutschland vielleicht verkannt, aber wir haben in der Liga Vereine, die auch um die Qualifikation für die Europa League gekämpft haben“, sagt der Ex-96-Profi und ehemalige Nationalspieler.

Wie der FK Kukesi, der in der zweiten Qualirunde am VfL Wolfsburg scheiterte. Seit zwei Monaten bereitet Brdaric seine Mannschaft auf den Saisonstart in der Kategoria Superiore, der ersten Liga Albaniens, vor. Eigentlich hätte der Start für die neue Spielzeit schon längst erfolgt sein sollen. Der Grund für die Verzögerung ist allerdings nicht das Coronavirus, sondern ein Boykott der Klubs, zu dem sich die Präsidenten der jeweiligen Vereine zusammengeschlossen haben.

Das ist die Karriere von Thomas Brdaric - vom Nachwuchsspieler zum Trainer

Insgesamt zwölf Spiele machte Thomas Brdaric (r., 1996 gegen den Niederländer Patrick Paauwe) für die deutsche U21-Nationalmannschaft, dabei gelang ihm ein Tor. Zur Galerie
Insgesamt zwölf Spiele machte Thomas Brdaric (r., 1996 gegen den Niederländer Patrick Paauwe) für die deutsche U21-Nationalmannschaft, dabei gelang ihm ein Tor. © dpa

Es geht ums liebe Geld, im Groben um Gewinnausschüttungen. „Das ist eine politische Sache“, erklärt Brdaric. Am Samstag soll es aber endlich so weit sein mit dem Ligastart. Mit Vllaznia muss der ehemalige Stürmer im Heimspiel gegen FK Apolonia antreten. Der Gegner, ein Aufsteiger, hat laut transfermarkt.de zusammen einen Marktwert von 350.000 Euro. Zum Vergleich: Das ist so viel, wie 96-Neuzugang Valmir Sulejmani allein wert ist.

"Es ist, wie im neunten Monat schwanger zu sein"

Brdaric freut sich auf den Start. „Es ist, wie im neunten Monat schwanger zu sein, es muss jetzt langsam mal losgehen. Die Wartezeit war lange genug. Das Team brennt auf den Start“, sagt er. Shkodra liegt im Norden Albaniens, hat etwas mehr als 140.000 Einwohner. Corona ist natürlich auch hier allgegenwärtig. „Es ist aber sicher hier, die Menschen sind sehr vorsichtig“, so Brdaric.

Der Vertrag des ehemaligen 96-Torjägers läuft für ein Jahr, „dann schauen wir, wo die Reise hingeht“, sagt Brdaric. Die Liga besteht aus zehn Mannschaften, jedes Team spielt gegen jedes andere viermal. Etwa die Hälfte der Klubs kann auch etwas Geld für neue Spieler ausgeben, viele arbeiten aber mit dem eigenen Nachwuchs. Bei Vllazinia sind von 33 Profis 21 Albaner. „Ich möchte es mit der Mannschaft in die Europa Qualifiers schaffen, die Spieler auf ein anderes Level heben“, sagt Brdaric ehrgeizig.

Er arbeitet mit Profis, die Bedingungen sind aber nicht immer profihaft – vor allem, wenn es regnet. „Und wenn es hier schüttet, dann richtig“, sagt der Trainer. Die Plätze sind nicht wie in Deutschland mit einer Drainage ausgestattet, sodass das Wasser abfließen kann. „Das ist schon ein Problem“, sagt Brdaric.

Albanien als Sprungbrett

Das Abenteuer Albanien soll für ihn Sprungbrett sein. „Es ist eine tolle Möglichkeit, auf mich aufmerksam zu machen, ich habe den brutalen Ehrgeiz, irgendwann in Deutschland ein Profiteam zu übernehmen“, sagt er. Seine höchste Station war bisher die Regionalliga, sein letzter Verein in Deutschland im November 2019 Rot-Weiß Erfurt.

Dass er für sein Ziel dabei den Umweg über Albanien nehmen muss, macht ihm nichts aus. „Man sollte davon wegkommen, dass man als Trainer nur angesehen ist, wenn man in der 1. oder 2. Liga in Deutschland trainiert hat. Das ist natürlich das Ziel, auch meins. Ich bin hier aufgewachsen, musste mir alles erarbeiten", sagt der 43-Jährige. Aber das sei Vergangenheit.

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„Ich habe großen Respekt vor dem deutschen Fußball. Aber manchmal muss man auch Umwege gehen, um ans Ziel zu kommen. Hier sind Leute, die an mich glauben, und sich im Ausland durchzubeißen, dazu braucht es auch Qualitäten“, so Brdaric, der mit der Mannschaft vieles auf Englisch bespricht, sein Trainerteam kann sonst aber ins Albanische übersetzen. Ein bisschen Albanisch kann Brdaric (spricht zudem Russisch, Kroatisch, Deutsch und Englisch) aber auch schon.

Brdaric sieht sehr positive Entwicklung bei 96

Was ihm in Shkodra fehlt, sind die Angehörigen. „Ich liebe meine Familie und meine Freunde. Sie nicht um mich zu haben, ist nicht einfach“, sagt der Trainer. So wird viel telefoniert, um den Draht zur Heimat zu halten.

Auch 96 hat der ehemalige Hannover-Profi (76 Pflichtspiele und 31 Tore für 96) in Albanien nicht aus den Augen verloren. „Wenn die Zeit da ist, schaue ich mir die Spiele an. Die Entwicklung ist sehr positiv. Ich glaube, dass die Verantwortlichen in Hannover einen guten Job machen und sich das eingespielt hat“, sagt Brdaric. „96 wird ein Wörtchen um die Aufstiegsplätze mitreden.“