13. Oktober 2020 / 12:52 Uhr

Thomas Brdaric sieht Job in Albanien als Sprungbrett

Thomas Brdaric sieht Job in Albanien als Sprungbrett

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der frühere Neustrelitz-Trainer Thomas Brdaric (43) coacht jetzt in Albaniens erster Liga.
Der frühere Neustrelitz-Trainer Thomas Brdaric (43) coacht jetzt in Albaniens erster Liga. © Inside Picture
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Als Trainer des Erstligisten Vllaznia Shkodra will sich der einstige Nationalspieler für einen deutschen Profiklub empfehlen.

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In Deutschland kommen mit dem Herbst langsam die ungemütlichen Tage, in Albanien „haben wir 25 Grad und die Sonne hat noch viel Kraft“, erzählt Thomas Brdaric. Der 43-Jährige ist seit August Trainer beim albanischen Erstligisten KF Vllaznia Shkodra und ist „total glücklich, hier zu arbeiten. Die albanische Liga ist in Deutschland vielleicht verkannt, aber wir haben in der Liga Vereine, die auch um die Qualifikation für die Europa League gekämpft haben“, sagt der ehemalige Bundesliga- und Nationalspieler, der vor gut sechs Jahren als Trainer mit der TSG Neustreliz den Drittligaaufstieg erst in der Relegation verpasste.

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Seit zwei Monaten bereitet Brdaric Shkodra auf den Saisonstart vor. Eigentlich hätte der schon längst erfolgt sein sollen. Der Grund für die Verzögerung ist allerdings nicht das Corona-Virus, sondern ein Boykott der Klubs. Es geht um Geld, im Groben um Gewinnausschüttungen. „Das ist eine politische Sache“, erklärt Brdaric. Am 17. Oktober soll es aber endlich soweit sein mit dem Ligastart: „Es ist wie im neunten Monat schwanger zu sein, es muss jetzt langsam mal losgehen. Die Wartezeit war lange genug.“

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Robert Tesche (l.), Bastian Reinhardt und Frank Rohde (r.) sind gebürtige Mecklenburger, die Hansa-Kogge trugen sie aber nie auf der Brust. Zur Galerie
Robert Tesche (l.), Bastian Reinhardt und Frank Rohde (r.) sind gebürtige Mecklenburger, die Hansa-Kogge trugen sie aber nie auf der Brust. ©

Shkodra liegt im Norden Albaniens, hat etwas mehr als 140 000 Einwohner. Das Corona-Virus ist auch hier allgegenwärtig. „Es ist aber sicher hier, die Menschen sind sehr vorsichtig“, so Brdaric. Der Vertrag des Ex-Stürmers (u.a. Leverkusen, Hannover, Wolfsburg) läuft vorerst für ein Jahr, „dann schauen wir, wo die Reise hingeht“. Die Liga besteht aus zehn Mannschaften, jede spielt vier Mal gegen jedes andere. „Ich möchte es in die Europa Qualifiers schaffen, die Spieler auf ein anderes Level heben“, sagt Brdaric ehrgeizig.

Er arbeitet mit Profis, die Bedingungen sind aber nicht immer profihaft – vor allem wenn es regnet. „Und wenn es hier schüttet, dann richtig“, sagt der Trainer. Die Plätze sind nicht wie in Deutschland mit einer Drainage ausgestattet, so dass das Wasser abfließen kann. „Das ist schon ein Problem“, sagt Brdaric.

Das Abenteuer Albanien soll für ihn Sprungbrett sein. „Es ist eine tolle Möglichkeit, auf mich aufmerksam zu machen, ich habe den brutalen Ehrgeiz irgendwann in Deutschland ein Profiteam zu übernehmen“, sagt er. Seine höchste Station war bisher die Regionalliga, sein letzter Verein in Deutschland im November 2019 Rot-Weiß Erfurt. Dass er für sein Ziel den Umweg über Albanien nehmen muss, macht ihm nichts aus. „Man sollte davon wegkommen, dass man als Trainer nur angesehen ist, wenn man in der 1. oder 2. Liga in Deutschland trainiert hat. Das ist natürlich das Ziel, auch meins. Ich habe großen Respekt vor dem deutschen Fußball. Aber manchmal muss man auch Umwege gehen, um an sein Ziel zu kommen. Sich im Ausland durchzubeißen, dazu braucht es auch Qualitäten“, sagt Brdaric.

Mit seinen Spielern bespricht er vieles auf englisch, sein Trainerteam kann aber ins Albanische übersetzen. Ein paar Brocken kann Brdaric, der zudem russisch, kroatisch, deutsch und englisch spricht, aber auch schon. Was ihm fehlt, sind natürlich seine Angehörigen. „Ich liebe meine Familie und meine Freunde, und sie nicht um mich zu haben, ist nicht einfach“, sagt der Trainer. So wird viel telefoniert, um den Draht zur Heimat zu halten.