07. Januar 2017 / 11:53 Uhr

Thomas Doll: RB Leipzig? Finde ich großartig!

Thomas Doll: RB Leipzig? Finde ich großartig!

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Seit drei Jahren als Trainer von Ferencvaros Budapest erfolgreich: der gebürtige Malchiner Thomas Doll (50).
Seit drei Jahren als Trainer von Ferencvaros Budapest erfolgreich: der gebürtige Malchiner Thomas Doll (50). © Daniel Kaldori
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Der Ex-Nationalspieler ist heute Gast beim Fußball-Hallenturnier in Schwerin.

Sie sind am Sonnabend Ehrengast beim Hallenturnier in Schwerin. Wie kam es dazu?
Thomas Doll: Die U 19 von Ferencvaros ist mit dabei, da hat man mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit nach Schwerin zukommen. Ich habe gerne zugesagt, weil ich mich freue, Kumpels wie Juri Schlünz oder Thomas Finck wiederzutreffen. Ich hätte gerne in der Traditionsmannschaft mitgespielt, aber das lässt mein Rücken derzeit leider nicht zu.

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Wie lange bleiben Sie in MV?
Doll: Ich reise am Samstag über Berlin aus Budapest an und stehe am Sonntag dann wieder in Ungarn auf dem Trainingsplatz.

Ziemlich straffes Programm für ein Wochenende.
Doll: Urlaub hatte ich genug, jetzt kann es ruhig wieder losgehen. Wir hatten unser letztes Spiel am 10. Dezember, am 11. Februar steht die nächste Pokalrunde und am 18. Februar das nächste Meisterschaftsspiel an. Am 21. Januar reisen wir dann für neun Tage ins Trainingslager nach Valencia, spielen dort gegen Rapid Wien, einen russischen und einen polnischen Gegner.

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Apropos Rapid Wien: Nach dem Aus von Trainer Mike Büskens waren sie dort als Nachfolger im Gespräch.
Doll: Das will ich eigentlich gar nicht kommentieren. Aber es ist gut zu wissen, dass man mich auf dem Radar hat. Das zeigt, dass man einen guten Job macht. Ich hätte auch schon wieder in der Bundesliga arbeiten können. Im November gab es Kontakte, aber ich habe mich anders entschieden.

Zumal Sie ihren Vertrag im Sommer bis 2019 verlängert haben – weil Sie sich in Budapest so wohlfühlen?
Doll: Ja, das war auch ein Zeichen vom gesamten Trainerteam mit Nachwuchschef Theo Schneider und meinem Co-Trainer Ralf
Zumdick. Es ist ein toller, erfolgreicher Weg – und den wollen wir weitergehen.

Sie starren also nicht gebannt aufs Telefon, wenn im deutschen Profifußball gerade wieder eine Trainer-Rochade im Gang ist?
Doll: Nein, diese Zeiten sind definitiv vorbei, mit 50 bin ich doch ein bisschen entspannter. Man muss sich selbst fragen: Brauche ich diese brutale Aufmerksamkeit in der Bundesliga? Ist das wichtig für mich, um glücklich zu sein? Meine Zufriedenheit hängt nicht mehr davon ab, dass ich Anerkennung von außen bekomme. Für mich ist es wichtig, bei Ferencvaros einen guten Job zu machen.

Wie beurteilen Sie die Situation bei Ihrem Ex-Klub, dem Hamburger SV?
Doll: Es ist schwer, das in wenigen Sätzen zu beantworten. Fakt ist: Beim HSV sind in den letzten Jahren einige Fehler gemacht worden. Es kann nicht sein, dass dieser großartige Verein in dieser tollen Stadt mit diesem Umfeld ständig unten drinhängt. Es wird ein langer Weg sein, da wieder rauszukommen. Immerhin geben die letzten Resultate Hoffnung. Ich hoffe, dass Markus Gisdol, Heribert Bruchhagen und Jens Todt wieder Stabilität und Ruhe reinbringen und der HSV künftig wieder freier atmen kann.

Fußball-Deutschland staunt derzeit über RB Leipzig. Viele sehen den rasanten Aufstieg des ,Brause-Klubs’ aus dem Osten
kritisch. Sie auch?

Doll: Nein, ich finde es großartig, was RB sich aufgebaut hat. Ralf Rangnick hat da Unglaubliches auf den Weg gebracht. Natürlich mit dem Geld von Dietrich Mateschitz, aber das ist doch vollkommen legitim. Sie haben Geld in die Hand genommen und es sehr clever eingesetzt. RB setzt auf hungrige Spieler, die was erreichen wollen und sich noch weiterentwickeln können.
Wer kannte denn vorher Keita? Der ist für mich mittlerweile der beste Mittelfeldspieler der Liga.

Packt sie manchmal das Heimweh?
Doll: Überhaupt nicht! Ich bin ja oft in Hamburg, das dauert von Budapest aus eine Stunde und 15 Minuten. Ich finde Budapest großartig und ich finde Ferencvaros großartig. Deshalb ist nie Heimweh aufgekommen – vielleicht, weil ich auch ein Ossi bin.

Interview: Sönke Fröbe

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