25. Januar 2020 / 10:16 Uhr

Bayern-Star Thomas Müller über eine Olympia-Teilnahme, BVB-Star Sancho und Probleme unter Niko Kovac

Bayern-Star Thomas Müller über eine Olympia-Teilnahme, BVB-Star Sancho und Probleme unter Niko Kovac

Raimund Hinko
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Müller ist seit dem Trainer-Wechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick beim FC Bayern wieder in starker Form - und gut gelaunt.
Thomas Müller ist seit dem Trainer-Wechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick beim FC Bayern wieder in starker Form - und gut gelaunt. © Getty Images
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Bayern-Star Thomas Müller spricht im SPORTBUZZER-Interview über die neue Spieler-Generation, die Aussichten auf einen langfristigen Trainer-Job beim FC Bayern für Hansi Flick und seine eigene Zukunft.

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SPORTBUZZER: Thomas Müller, wir sind hier am Nockherberg. Ihr Charity-Schafkopfturnier steht vor der Tür. Was hat es damit auf sich?

Thomas Müller (30): Das Turnier ist aus einem Spaß entstanden und hat sich inzwischen mehr als etabliert. Sky-Moderator Michael Leopold verlor bei einem Interview-Termin einen Putting-Wettbewerb gegen mich und musste als Einsatz ein Charity-Schafkopfturnier zugunsten der Nicolaidis Youngwings Stiftung organisieren, die ich seit 2011 als Schirmherr unterstütze. Dieses Jahr spielen wir schon das sechste Mal für den guten Zweck Schafkopf und haben viele prominente Leute aus Sport, Wirtschaft, Medien und Unterhaltung auf der Gästeliste. Und was das Wichtigste ist: Von Jahr zu Jahr steigern wir die Spendensumme für die trauernden und traumatisierten Kinder, die in die Situation gekommen sind, ein enges Familienmitglied verloren zu haben.

Ein Gegensatz zur Welt des Fußballs. Wenn Sie den Hype um Jungstars sehen, die horrenden Gehälter – sind Sie zehn Jahre zu früh geboren?

Ich bin mit meinem Geburtstag zufrieden. (lacht) Ich bin froh, dass ich in den letzten zwölf Jahren die Entwicklung des FC Bayern mitgemacht habe. In meinen ersten vier Profijahren durfte ich dreimal in einem Champions-League-Finale auflaufen. Dann die fußballerische Weiterentwicklung unter Pep Guardiola. Der FC Bayern München ist als Verein und Unternehmen extrem gewachsen. Und international betrachtet sind wir längst eine größere Nummer im Fußball. Ich habe in meinen Anfangsjahren noch die Ausläufer von einem etwas anderen Fußball miterlebt: weniger Show, mehr Fußball zum Anfassen. Dafür bin ich dankbar, aber ich klage nicht über die Entwicklung. Die Zeit schreitet voran.

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Kollegen Ihres Alters beklagen die Millionen-Summen. Sie werfen den Jungen vor, nicht hart genug dafür zu arbeiten.

Was viele junge Spieler noch nicht verinnerlicht haben: Es geht darum, Spiele zu gewinnen und nicht darum, wie ich auf einem Video gut aussehe. Technisch-taktisch sind die jungen Spieler heute besser ausgebildet. Aber andere Dinge, wie das Kopfballspiel sind leider in den Hintergrund gerückt. Miro Klose (U17-Trainer bei Bayern, d. Red) kann den Jungs glaubwürdig erzählen, mehr dahin zu gehen, wo es weh tut. Im Fußball brauchst du Dinge, die dem Gegner weh tun und nicht nur Kabinettstückchen.

Imponiert Ihnen einer der Jungstars?

Jadon Sancho vom BVB ist super. Der schafft es mit seiner Technik, seinem Speed, seinem Dribbling gefährliche Situationen zu kreieren. Es gibt in der Bundesliga noch andere Dribbler mit ähnlichen Qualitäten. Die haben jedoch nicht diese überragende Entscheidungsfindung.

Thomas Müller: Seine lustigsten Sprüche

Während der WM 2014 | Langsam habe ich das Gefühl, dass ich mit meinem linken Fuß mehr anfangen kann als nur Bier zu holen. Zur Galerie
Während der WM 2014 | "Langsam habe ich das Gefühl, dass ich mit meinem linken Fuß mehr anfangen kann als nur Bier zu holen." ©
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Es gibt nicht nur den Spruch von Louis van Gaal, „Müller spielt immer“, sondern auch den Spruch, Müller ist nie verletzt. Wie schaffen Sie das?

Es ist eine Mischung. Ich habe eine gute Konstitution, bin ein schlaksiger Typ und zäh. Und ich kann manchmal auch spielen, wenn ich Schmerzen habe. Vor der WM 2014 hatten wir einen Vortrag der Ski-Legende Hermann Maier, der mir im Gedächtnis blieb. Er sagte, dass er sich bei seinen 54 Weltcup-Siegen nur zweimal am Start topfit gefühlt hat. Die anderen 52-mal hat etwas gezwickt und er hat dennoch das Optimum herausgeholt. Danach lebe ich in meiner Karriere. Im richtigen Moment darf man auch mal das Leben genießen. Bei den Themen Alkohol, Tabak und langen Partynächten, habe ich mich aber zurückgehalten. Dazu kommt regelmäßiges Präventionstraining, eine großartige medizinische Betreuung und eine gute Auffassungsgabe, Zweikämpfe richtig einzuschätzen.

Reservisten-Rolle unter Kovac konnte Müller "nicht nachvollziehen"

Sie waren down, als Sie unter Niko Kovac sechsmal hintereinander nicht gespielt haben. Grämt Sie das noch?

Ich konnte es weder damals noch heute nachvollziehen, dass ich sechs Spiele in Folge auf der Bank war, weil ich das Gefühl habe, der Mannschaft helfen zu können. Diese Situation war mit meinen gerade mal 30 Jahren nicht meine Vorstellung für einen Dauerzustand.

Sie haben mit zwölf Assists nach 18 Spieltagen einen Bundesliga-Rekord aufgestellt. Die meisten haben Sie geschafft, seitdem der neue Trainer Hansi Flick Sie regelmäßig aufstellt.

Seitdem läuft es für die Mannschaft und mich exzellent, wenn man die beiden Spiele gegen Gladbach und Leverkusen ausnimmt, wo wir gut gespielt, aber verloren haben.

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Ist Hansi Flick auch der Trainer für die kommende Saison?

Das ist wahrscheinlich stark ergebnisabhängig. Wir können nicht sagen, jetzt spielen wir schön, werden Dritter und im Verein ist alles okay. Die Anspruchshaltung vom und an den FC Bayern ist sehr hoch. Hansi coacht uns super und hat durch seine menschlichen Qualitäten großen Einfluss auf die Mannschaft. Wenn wir es schaffen, den Weg so weiter zu gehen, ist Flick sicherlich der erste Ansprechpartner des Vereins.

Müller: "Schiedsrichter dürfen Fehler machen"

Wie finden Sie es, dass die Schiedsrichter angewiesen sind, durchzugreifen, damit weniger gemeckert wird.

Finde ich nicht schlecht. Wenn im Basketball zu viel Aggressivität aufkommt, gibt es ein technisches Foul, Freiwürfe für den Gegner und manchmal eine Geldstrafe. Wir müssen signalisieren, dass Schiedsrichter Fehler machen dürfen, ohne gleich eingestampft zu werden. Der Schiedsrichter rennt ja nach einem Fehlpass auch nicht dem Spieler nach und beleidigt ihn. Wir haben eine Vorbildfunktion für Nachwuchs- oder Amateurkicker. Das gilt auch für mich. Also: Wenn gepfiffen ist, ist gepfiffen und das Spiel geht weiter. Einen emotionalen, respektvollen Austausch zwischen Spieler und Schiedsrichter sollte es aber natürlich noch geben dürfen.

Hand aufs Herz, möchten Sie gern in Japan spielen?

(Überlegt lange) Jetzt klingelt es bei mir, Sie meinen die Olympischen Spiele. Ja, ich stehe auf der Liste der NADA, die Bedingung ist für die möglichen Teilnehmer. Da stehe ich als langjähriger Nationalspieler schon über zehn Jahre drauf. Der sportliche Fokus liegt aktuell aber zu 100 Prozent darauf, die Rückrunde mit dem FC Bayern höchst erfolgreich abzuschließen.

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Wie lange spielen Sie noch Fußball?

Da will ich mich nicht festlegen. Ich fühle mich topfit, und der Fußball macht mir richtig Spaß. Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag beim FC Bayern. Natürlich macht man sich über die Zukunft Gedanken. Ich lebe aber im Hier und Jetzt und will mit dem FC Bayern in der Rückrunde möglichst viele Titel einfahren. Der Sommer wird zeigen, wie es weiter geht.

Schon Gedanken gemacht über das Leben nach der Spieler-Karriere?

Für mein Leben nach dem Fußball habe ich noch keine konkreten Pläne, auch wenn ich schon einige interessante Projekte und Ideen verfolge. Ob das Dinge im Business-Bereich, im Reitsport, der Pferdezucht oder bei meinem Engagement für die Nicolaidis Youngwings Stiftung sind. Eines ist sicher: Nach meiner Karriere wird’s mir nicht langweilig.

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