09. April 2020 / 14:39 Uhr

Nach neuem Bayern-Vertrag: Thomas Müller über Wechselgedanken, Geisterspiele und Timo Werner

Nach neuem Bayern-Vertrag: Thomas Müller über Wechselgedanken, Geisterspiele und Timo Werner

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Müller spielte im Herbst mit dem Gedanken, den FC Bayern zu verlassen.
Thomas Müller spielte im Herbst mit dem Gedanken, den FC Bayern zu verlassen. © imago images/Sven Simon
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Bis 2023 bleibt Thomas Müller nach der Unterzeichung seines neuen Vertrags nun beim FC Bayern. Am Freitag sprach der 30-Jährige in einer virtuellen Pressekonferenz über die Ziele der Bayern, Geisterspiele, Gedanken an einen Transfer im Herbst und Timo Werner.

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Thomas Müller bleibt dem FC Bayern München langfristig erhalten. Das Urgestein unterschrieb am Dienstag einen neuen Vertrag bis 2023 - und verband die Erneuerung der ebenso erfolgreichen wie langjährigen Verbindung mit einer Liebeserklärung an den Rekordmeister, der nicht nur ein Arbeitgeber sein, sondern seine Leidenschaft. Beinahe wäre es zum neuen Arbeitspapier aber gar nicht gekommen, wie der Weltmeister in einer Video-Pressekonferenz am Donnerstag erklärte. Der SPORTBUZZER fasst Müllers Aussagen zusammen.

Thomas Müller über…

… Geisterspiele: „Das wird für mich auch Neuland sein. Ich stelle mir das vor wie bei einem Abschlusstraining bei einem Champions-League-Spiel. So könnte es auf einen wirken – und das Abschlussspiel will ich ja auch gewinnen. Daher gehe ich nicht davon aus, dass es Einfluss auf den Ehrgeiz hat. Ich kann es mir noch nicht vorstellen, wie es genau sein wird, aber es wird mit Sicherheit anders und auch etwas merkwürdig sein.“

… Wechselgedanken: „Es gab diese Phase im Herbst, wo ich gar nicht mehr zur Startelf gehört habe trotz englischer Wochen. Das war eine schwierige Situation, in der die Gefühlslage ziemlich angespannt war. Da hatte ich nicht unbedingt im Sinn, im Frühjahr meinen Vertrag zu verlängern. Wenn wir erfolgreich geblieben wären und sich meine Rolle nicht verändert hätte, hätte auch der FC Bayern vermutlich damit leben können, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, mich abzugeben. Aber wir waren eben nicht erfolgreich und nach dem Trainerwechsel hat es sich insgesamt positiv entwickelt und auch ich konnte unserem Spiel wieder den Thomas-Müller-Stempel aufdrücken. Jetzt ist die Richtung des Trainers, des Vereins und der Spieler, die zuletzt gewackelt haben, die richtige – und deshalb möchte ich weiterhin Teil dieses Projekts sein.“

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… die aktuelle Situation im Wartestand: „Wir wollen alle wieder Fußball spielen, aber sind natürlich angehalten, den Entscheidungsträgern zu vertrauen. Die DFL ist daran, sich Szenarien und Konzepte zu überlegen, in denen trotz der Bestimmungen in allen Bereichen, der Spielbetrieb wieder durchgeführt werden kann. Wir müssen uns da bestmöglich vorbereiten und step by step agieren - die Floskel „von Spiel zu Spiel denken“ war wahrscheinlich nie zu wahr wie aktuell.“

… immer weniger Spieler mit Vereinstreue: „Schon in der Vergangenheit sind Spieler, die sich aus der Jugend heraus die ganze Karriere über bei einem internationalen Topklub gehalten haben, immer eher die Ausnahme gewesen. Da geht es um die Qualität, um Verletzungen, um Neuzugänge, Trainer, usw. Bei Barcelona gab es mal die Xavis, Iniestas, Piquets – aber ich glaube, die werden grundsätzlich weniger, da der Anspruch an die Spitze enorm steigt.“

Die Karriere von Bayern-Star Thomas Müller in Bildern

Münchner Eigengewächs und Titel-Sammler - Die Karriere von Thomas Müller in Bildern. Zur Galerie
Münchner Eigengewächs und Titel-Sammler - Die Karriere von Thomas Müller in Bildern. ©

… eine mögliche Option mit zwei Spitzen gemeinsam mit Timo Werner: „Wir haben auch in dieser Saison schon öfter mit zwei Spitzen gespielt. Ich glaube nicht, dass es eine komplette Neuausrichtung des Spielsystems gibt, aber natürlich ist jeder Verein und jeder Trainer flexibel. Als Louis van Gaal hier Trainer wurde, wollte er ein 4-3-3 spielen, da er dieses System kannte – er hatte aber nicht das Material dafür, also haben wir im 4-4-2 gespielt bis Arjen Robben verpflichtet wurde. Wir würden uns einem System mit zwei Stürmern sicher nicht verweigern – ob das jetzt mit einer Transferspekulation zu tun hat, wage ich aber zu bezweifeln. Timo Werner zieht eh gerne nach außen – aber er ist ein guter Mann, der Timo…“

Müller über Corona: "Am meisten vermisse ich das Kabinen- und Mannschaftsleben"

… das, was er aktuell vermisst: „Am meisten vermisse ich dieses Kabinen- und Mannschaftsleben, wofür auch der Hobbysportler in Vereine geht – es geht um das Miteinander und darum, gemeinsam Erfolg zu haben. Man sieht die Leute auf 20, 30 Meter Entfernung und fragt: Wie geht’s? Aber dieser Flachs, die Sprüche in der Kabine, die fehlen mir auch.“

… andere Spieler, die Einfluss auf seine Vertragsverlängerung hatten: „Man spricht natürlich untereinander und hört mal, was der andere vorhat – aber den Vertrag verlängert man mit dem Verein und für sich selbst, weil man das Gefühl hat, dass das Gesamtpaket passt. Um die Qualität beim FC Bayern muss man sich sowieso niemals Sorgen machen – egal, wie die Spieler heißen. Dass die Zukunft anderer Spieler direkten Einfluss auf eine Vertragsverlängerung hat, ist glaube ich eher selten der Fall.“

Müller über Klose: "Er ist nie mit dem Kopf durch die Wand"

…. die aktuelle Kritik an der Sonderrolle des Fußballs: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass kritisches Hinterfragen ein hohes Gut ist, welches man nicht verlieren sollte. Ich kann nicht beurteilen, wie es in anderen Sportarten aktuell aussieht, wie die Trainingsbedingungen sind. Wir versuchen uns an das zu halten, was uns vorgegeben wird. Ich hoffe, dass für jeden – ob aktuell oder in naher Zukunft – die besten Möglichkeiten geschaffen werden unter Einhaltung der Maßnahmen. Wir müssen uns ins Gesamtgefüge einbinden, aber ob der Fußball eine Sonderrolle hat oder es nur so dargestellt wird, weiß ich nicht.“

… den Weg von Miroslav Klose als Trainer: „Miro ist immer ein sehr zielstrebiger Typ gewesen, sehr clever – auch als Spieler. Er ist nie mit dem Kopf durch die Wand – auch wenn sein Kopf dazu in der Lage war (lacht) – sondern er konnte immer das Spiel lesen, er hat die Räume gesehen, war clever mit seinen Bewegungen und Laufwegen. Das hilft natürlich auch bei einer Trainerkarriere.“