29. Dezember 2020 / 11:31 Uhr

Kommentar zur Trainer-Entlassung bei PSG: Thomas Tuchel verlässt Paris St. Germain als Gewinner

Kommentar zur Trainer-Entlassung bei PSG: Thomas Tuchel verlässt Paris St. Germain als Gewinner

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Tuchel geht aus der Amtszeit bei PSG als Gewinner hervor, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.
Thomas Tuchel geht aus der Amtszeit bei PSG als Gewinner hervor, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt. © imago images/Montage
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Trotz seiner Entlassung bei Paris St. Germain und einer insgesamt zähen Amtszeit verlässt Thomas Tuchel den Klub als Gewinner, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt - und er prophezeit dem Trainer weitere reizvolle Herausforderungen.

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Zäh war es. Fast eine Woche lag zwischen den ersten Meldungen über die Entlassung von Thomas Tuchel bei Paris St. Germain und der offiziellen Bestätigung des Klubs. Zäh wirkte aber irgendwie auch die gesamte Amtszeit des deutschen Trainers bei Frankreichs Serienmeister. Die Liaison zwischen dem Coach und dem Verein schien eine On-Off-Beziehung. Liebe war nur selten im Spiel. Lief es gut, war Tuchel in den vergangenen zweieinhalb Jahren geduldet. Wurde mal nicht gewonnen, rumorte es innerhalb der Klubführung um Sportdirektor Leonardo, der nie ein glühender Anhänger des Trainers war. Nun also der Schlussstrich. Vielleicht muss man Tuchel als Verlierer der internen Scharmützel bezeichnen. Insgesamt betrachtet verlässt er den Klub aber als großer Gewinner.

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Dies liegt allerdings nicht vordergründig an zwei Meisterschaften und einem nationalen Pokalsieg, die angesichts der finanziellen Überlegenheit des Klubs fast einzukalkulieren waren. Tuchel schaffte mehr. Er zeigte, dass er den Sprung in eine ausländische Top-Liga bewältigen kann. Er hielt das Starensemble um den zuweilen extravaganten Neymar im Zaum und bewies, dass er auch mit Superstars gespickten Mannschaften gewachsen ist. Er führte den Klub in der vergangenen Saison erstmals in dessen Geschichte ins Finale der Champions League. Dass es dort gegen den FC Bayern nicht reichte, sollte eigentlich entschuldbar sein. Schließlich waren die Münchner in dieser Phase stark wie selten zuvor.

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Und doch dürfte dieses 0:1 für Tuchel in Paris der Anfang vom Ende gewesen sein. Die katarischen Klubeigentümer lechzen nach dem Henkelpott. Alles andere ist folglich egal, nah dran ist immer noch viel zu weit weg. Also darf sich nun der nächste Trainer an dieser Aufgabe versuchen, die auch für andere ähnlich finanzstarke Klubs eine bisher unüberwindbare Hürde war. Bestes Beispiel: Manchester City, wo Pep Guardiola seit 2016 erfolglose Versuche in der Königsklasse unternimmt und dennoch weiter wirken darf.

Dass PSG ihm nicht gleiches Vertrauen entgegenbrachte, dürfte Tuchel verschmerzen können. Sein alles andere als erfolgloses und immerhin knapp 30 Monate währendes Engagement bei einem der größten und schwierigsten Klubs Europas hat ihn in die höchste Trainer-Liga gespült. Egal, bei welchem Top-Klub (oder bei welcher großen Nationalmannschaft?!) in den kommenden Wochen und Monaten ein Übungsleiter wackelt, Tuchels Name wird fallen.