26. Januar 2021 / 20:30 Uhr

Pokalsieger mit dem BVB, Titelsammler mit PSG: Der Weg von Trainer Thomas Tuchel zu Chelsea

Pokalsieger mit dem BVB, Titelsammler mit PSG: Der Weg von Trainer Thomas Tuchel zu Chelsea

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mainz, BVB und PSG: Thomas Tuchel stand bisher bei drei Vereinen als Profi-Trainer unter Vertrag.
Mainz, BVB und PSG: Thomas Tuchel stand bisher bei drei Vereinen als Profi-Trainer unter Vertrag. © imago images/Sportimage/Montage
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Der FC Chelsea hat Thomas Tuchel am Dienstag wie erwartet als Nachfolger des entlassenen Frank Lampard vorgestellt. Der Deutsche soll die "Blues" wieder auf Kurs bringen. Der SPORTBUZZER zeichnet die bisherige Trainer-Karriere von Tuchel nach.

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Der FC Chelsea hat am Dienstag erwartungsgemäß Thomas Tuchel als Nachfolger des am Montag entlassenen Trainers Frank Lampard vorgestellt. In London soll Tuchel die ins Mittelfeld der Premier League abgestürzten Blues zumindest wieder an die Champions-League-Ränge heranführen. Doch was hat Tuchel in seiner Trainer-Karriere bislang erreicht? Der SPORTBUZZER zeichnet die Stationen des Deutschen nach.

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Mainz 05 (2009 bis 2014)

Nach einer Spielerkarriere, die er bereits mit Mitte 20 aufgrund einer Knorpelverletzung beenden musste, startete Tuchel seine Laufbahn als Trainer in den Jugend-Abteilungen des VfB Stuttgart (2000 bis 2005) und FC Augsburg (ab 2005), ehe er 2008 die A-Junioren von Mainz 05 übernahm und auf Anhieb die Meisterschaft feierte. Lediglich 14 Monate später wurde er zum Cheftrainer der Profi-Mannschaft befördert, nachdem sein Vorgänger Jörn Andersen trotz des erfolgreichen Wiederaufstiegs nach einer Pokal-Pleite beim VfB Lübeck entlassen wurde. Tuchel und Mainz, das passte auf Anhieb: In seinen ersten drei Spielen blieben die Rheinhessen ungeschlagen, seinen ersten Sieg feierte Tuchel gleich gegen den FC Bayern.

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Tuchels Mainzer sorgten auch mit attraktivem Konterfußball für Aufsehen - erwähnt seien die "Bruchweg Boys" André Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai, Kernstück der Mannschaft, die in der Saison 2010/11 mit sieben Siegen in die Saison startete. Tuchel schaffte das, was seinem Vor-Vorgänger Jürgen Klopp verwehrt blieb und etablierte Mainz in der Bundesliga. Wenig rühmlich sein Abschied: Am Ende der Saison 2013/14 gab er nach fünf Jahren seinen Rücktritt bekannt und überraschte damit die Mainzer Bosse. Sein Vertrag, der noch ein Jahr gültig war, wurde nicht aufgelöst, sondern ruhte - was Tuchel einen sofortigen, ablösefreien Wechsel zu einem anderen Klub verwehrte. In seinem letzten Vertragsjahr erhielt er kein Gehalt.

Borussia Dortmund (2015 bis 2017)

Auch bei seinem nächsten Verein hatte Tuchel mit dem langen Schatten von Jürgen Klopp zu kämpfen - bei Borussia Dortmund wurde er sogar zum unmittelbaren Nachfolger der BVB-Ikone, die den Verein in der erweiterten Weltspitze etabliert hatte. Ein schweres Erbe für Tuchel, der während seines "Sabbaticals" Engagements beim Hamburger SV und dem damaligen Zweitligisten RB Leipzig ablehnte. Mit dem BVB spielte er auf Anhieb die nach Punkten zweitbeste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte - bitter aus BVB-Sicht, dass die Bayern im letzten Guardola-Jahr noch zehn Punkte mehr holten.

Auch die zweite BVB-Saison von "TT" war erfolgreich: Die Dortmunder wurden Dritter und gewannen den DFB-Pokal - es war Tuchels erster Titel eines Profiteams. Da war indes schon längst offensichtlich, dass er seinen bis 2018 laufenden Vertrag in Dortmund nicht erfüllen würde. Es gab Differenzen mit der Vereinsführung, die nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB-Bus vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen die AS Monaco offen zutage getreten waren. Tuchel hatte es abgelehnt, die Partie nur einen Tag nach dem Vorfall auszutragen, bei dem der Spieler Marc Bartra verletzt worden und die Mannschaft wohl nur knapp einer noch größeren Katastrophe entkommen war. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach später von einem "Dissens" mit Tuchel, dessen Verhältnis zum Team nicht mehr intakt war.

Paris Saint-Germain (2018 bis Ende 2020)

Es war an der Zeit, sich von Klopp zu befreien, der im Oktober 2015 in die englische Premier League gewechselt war und den strauchelnden FC Liverpool übernommen hatte. Auch Tuchel zog es ins Ausland. Für ein Engagement beim finanzstarken französischen Superklub Paris Saint-Germain sagte er sogar dem FC Bayern ab. "Ici c'est Paris" twitterte der gebürtige Krumbacher, der es bei PSG als Nachfolger von Unai Emery schaffte, sich auch auf der internationalen Bühne einen Namen zu machen. Beim aus Katar alimentierten Scheich-Klub war das Beste gerade gut genug, Tuchel konnte sich mit Transfer-Weltrekordler Neymar und Supertalent Kylian Mbappé auf zwei der talentiertesten Spieler der Welt verlassen - und musste anders als beim BVB nicht fürchten, dass Leistungsträger verkauft werden mussten.

Tuchel offenbarte keine Anlaufschwierigkeiten, in der Ligue 1 stellte er mit 14 Siegen in 14 Spielen einen neuen Startrekord auf, gewann in seinen zwei kompletten Spielzeiten stets die Meisterschaft. Sein Vertrag wurde prompt um ein Jahr verlängert, auch wenn der hochambitionierte Klub Verein bereits im Achtelfinale aus der Champions League ausschied. Die Königsklasse ist seit dem Einstieg von Katar das erklärte Ziel der Investoren - und Tuchel kam dem Traum so nahe wie kein Trainer vor ihm: Im folgenden Jahr schaffte es Tuchel in einer von der Corona-Krise überschatteten Saison mit seiner Mannschaft bis ins Endspiel - wo er ausgerechnet vom FC Bayern und Ex-PSG-Talent Kingsley Coman gestoppt wurde. Für den Trainer war es ein herber Rückschlag einer ansonsten zufriedenstellenden Saison, die in Frankreich wegen Corona allerdings bereits nach 27 von 38 Spielen abgebrochen worden war.

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Niemand scheitert in der Champions League so spektakulär wie PSG - das musste auch Ex-Coach Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Der SPORTBUZZER blickt auf die heftigsten Niederlagen in der Königsklasse zurück.  ©

Schleppend verlief indes der Start in die Anschluss-Spielzeit. PSG verlor gleich die ersten beiden Spiele. Zwar gewann der Edel-Kader die folgenden acht Partien, anschließend kehrten die Formschwankungen jedoch zurück. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel wurde Tuchel entlassen - auf Platz 3 in der Ligue 1. Vorausgangen war ein jahrelanger Machtkampf Tuchels mit den Sportdirektoren Antero Henrique (bis Juni 2019) und dessen Nachfolger Leonardo, der sich vor allem an der aus Tuchels Sicht unzureichenden Kaderplanung entzündet hatte. "Wir haben einen sehr klaren und geraden Kurs verfolgt. Und wenn ein Mann von dieser Linie abweicht, ist es unsere Pflicht, schnell zu unserer Linie zurückzukehren. Entweder passt sich die Person an oder wir ändern die Person", sagte Leonardo nach der Trennung vom deutschen Trainer.