27. Mai 2021 / 11:14 Uhr

Thomas von Heesen: Was Arminia Bielefeld besser macht als der HSV

Thomas von Heesen: Was Arminia Bielefeld besser macht als der HSV

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
HSV-Legende Thomas von Heesen hat sich im Interview mit dem SPORTBUZZER zur Situation in Hamburg und bei seinem anderen Ex-Klub Arminia Bielefeld geäußert.
HSV-Legende Thomas von Heesen hat sich im Interview mit dem SPORTBUZZER zur Situation in Hamburg und bei seinem anderen Ex-Klub Arminia Bielefeld geäußert. © IMAGO / Revierfoto (Montage)
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Er kennt beide Klubs aus dem Effeff: Thomas von Heesen arbeitete sowohl als Spieler als auch nach seiner aktiven Karriere beim Hamburger SV und bei Arminia Bielefeld. Im SPORTBUZZER-Interview hat der 59-Jährige nun die konträren Entwicklungen seiner früheren Vereine analysiert.

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Thomas von Heesen schnürte als Profi für zwei Klubs die Fußballschuhe: für den HSV und Arminia Bielefeld. Die längste Zeit verbrachte der frühere Mittelfeldspieler bei den Hanseaten, denen er von 1980 bis 1994 die Treue hielt, ehe er seine Laufbahn bis 1997 in Ostwestfalen ausklingen ließ. Von Heesen feierte mit Hamburg 1983 den Gewinn des Europapokals der Landesmeister. Von derlei glorreichen Erfolgen ist der HSV inzwischen weit entfernt und fristet - im Gegensatz zu der Arminia - auch in der kommenden Saison sein Dasein in der Zweitklassigkeit. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), spricht der frühere Bielefeld-Trainer und spätere HSV-Berater über die unterschiedlichen Entwicklungen bei seinen Ex-Vereinen.

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SPORTBUZZER: Herr von Hessen, die längste Zeit Ihrer Karriere haben Sie bei Arminia Bielefeld und dem Hamburger SV verbracht. Der DSC ist weiter Bundesligist, der HSV wieder einmal am Aufstieg gescheitert. Was macht die Arminia besser als der HSV?

Thomas von Heesen (59): Sie setzen auf Kontinuität. Da muss man sich nur die Trainer-Historie der vergangenen Jahre anschauen. Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus war seit 2018 im Amt, beim HSV gab es seit 2018 bereits sieben Trainer – und jetzt den achten. Im Hamburg herrscht einfach ein ganz anderer Anspruch. Der Verein gehört in die erste Liga und versucht es immer wieder auf Teufel komm raus. Dabei vergessen sie aber, dass eine Saison sehr lang sein kann.



Warum bricht der HSV am Saisonende immer so ein?

Alle Leute kommen jetzt aus den Löchern und geben schlaue Kommentare ab. Ich kann das schlecht bewerten, da ich die Arbeit nicht so intensiv verfolge. Aber es ist wichtig, dass man sich von der Öffentlichkeit oder den Diskussionen nicht verrückt machen lässt. In dieser Saison waren Bochum und Fürth einfach stabiler und hatten die Mentalität, auch Spiele noch zu drehen. Und diese Mentalität vermisst man beim HSV.

Sie fiebern noch ganz schön mit Ihrem Ex-Klub mit …

Es ist doch einfach so: Der HSV gehört wie Schalke 04 oder der 1. FC Köln einfach in die erste Bundesliga. Aber der Verein muss es sich einfach verdienen. Auch Horst Hrubesch hat immer wieder gesagt, dass man es sich alles hart erarbeiten muss. Man muss zeigen, dass man besser ist als alle anderen und es jeden Tag wieder einfordern.

War die Entlassung von Daniel Thioune am Ende ein Fehler?

Es war eine Entscheidung der Vereinsführung. Gegen Nürnberg und am Ende gegen Braunschweig lief es ja auch. Dann gab es aber dieses Spiel in Osnabrück, wo man mit 2:3 verliert. Da fehlte selbst Horst eine Erklärung. Und genau solche Leistungen gilt es zu hinterfragen.

Jetzt kommt mit Tim Walter der nächste Trainer, der den Aufstieg schaffen soll. Wie sehen Sie diese Entscheidung?

Damit habe ich mich gar nicht beschäftigt. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Horst so viel Spaß an der Aufgabe hat, dass er weitermacht. Das hätte mir auch persönlich sehr gut gefallen. Er hätte weiter für den richtigen Push sorgen können. Über Tim Walter möchte ich keine Beurteilung abgeben. Wichtig ist, dass der HSV frühzeitig eine gemeinsame Entscheidung in der Trainerfrage getroffen hat.

Am Ende reicht allein ein Trainerwechsel oft nicht aus. Was muss noch passieren?

Die Verantwortlichen müssen jetzt die Schlüsse aus der letzten Saison ziehen. Dabei stellt sich vor allem die Frage, mit welchen Spielern man weitermachen und welche man verpflichten möchte. Wer bringt die nötige Qualität und Mentalität mit? Das muss jetzt analysiert werden. Die fachliche Kompetenz hat der HSV, die Ressourcen auch. Horst muss bei den Entscheidungen mit eingebunden werden. Er hat die meiste Erfahrung.

Besteht die Gefahr, dass der HSV für die nächsten Jahre ein Zweitligist bleibt?

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Viele denken, dass es in der 2. Bundesliga mit den Absteigern Schalke 04 und Werder Bremen schwieriger für den HSV wird. Aber ich sehe es eher als Chance, da man nicht mehr, wie in den vergangenen Jahren, der absolute Top-Favorit ist. Man ist jetzt ein Favorit von vielen. Die Qualität der Mannschaften, die um den Aufstieg spielen werden, ist sehr hoch. Der 2. Bundesliga droht eine Zweiteilung.

Mit der 2. Bundesliga muss sich Arminia Bielefeld nicht beschäftigen. Wie sehen Sie die Leistung des DSC in der vergangenen Saison?

Sie haben es einfach alles super hinbekommen und die richtigen Entscheidungen getroffen – auch mit dem Trainerwechsel. Es war schon stark, wie die Spieler unter diesem enormen Druck abgeliefert haben. Da kann man allen nur ein riesiges Kompliment machen.

Bielefeld bleibt aber sicherlich ein Abstiegskandidat …

Für die Arminia wird es natürlich auch in der nächsten Saison nur darum gehen, die Liga zu halten. Die ganzen Voraussetzungen ändern sich auch nicht. Der Klub kann weiterhin nicht in Spieler investieren und muss eher auf Leihspieler setzen. Und das ist für Bielefeld ein gutes Modell.

Über die Zukunft des HSV und DSC haben wir bereits gesprochen. Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Bei Wikipedia ist zu lesen, dass Sie für den iranischen Zweitligisten F.C. Rayka Babol arbeiten.

Das ist totaler Quatsch. Ich habe im Iran mal einen Trainerkollegen besucht, mehr nicht. Ich werde in Zukunft nicht mehr als Trainer arbeiten, bleibe dem Fußball aber weiter verbunden. Ich tausche mich viel aus und bin beispielsweise mit Wolfgang Rolff ständig in Kontakt. Ich spreche mit verschieden Leuten viel über Themen und Projekte. Aktuell bin ich auch viel mit der Fußballschule "Hollyvent" unterwegs.

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