10. März 2017 / 14:00 Uhr

Thore Jacobsen - der Geduldige

Thore Jacobsen - der Geduldige

Stefan Freye
Weser-Kurier
Thore Jacobsen
Thore Jacobsen will mit Werders U23 drei wichtige Punkte aus Mainz mitnehmen. © hansepixx.de (Oliver Baumgart)
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Werders U23 ist am Samstagmittag beim 3. Liga-Schlusslicht FSV Mainz 05 II zu Gast

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Der Gegner ist Tabellenletzter. Aber was heißt das schon? „Sie sind auch auf einem Top-Niveau“, sagt Thore Jacobsen. Er tritt an diesem Sonnabend (14 Uhr) mit Werders U 23 bei Mainz 05 II an. Es ist das Duell der beiden Nachwuchsteams in der 3. Liga. Lauter gute Fußballer, denen es allenfalls noch an Erfahrung mangelt. „Sie sind wie wir eine spielstarke Mannschaft“, findet der Außenverteidiger.

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Jacobsen findet, dass es keinen Grund gibt, die Mainzer zu unterschätzen. Die Qualität sei vorhanden, und in der 3. Liga müsse es nichts bedeuten, wenn man die Rote Laterne trage – dafür ginge es viel zu eng zu in dieser Spielklasse. Wobei man im Fall der Mainzer hinzufügen muss: mittlerweile. Denn eigentlich schien Mainz II bereits abgeschlagen, galt zum Jahreswechsel als Abstiegskandidat Nummer eins. Die knappen 0:1-Niederlagen in Zwickau und gegen Paderborn schienen den Trend zu bestätigen. Doch in den vergangenen vier Partien gelangen 05 drei Siege. Lediglich das Duell gegen den Spitzenreiter aus Duisburg endete mit 0:2.

Vor allem, dass die Mainzer auch in Osnabrück und Magdeburg gewannen, nötigt Thore Jacobsen Respekt ab: „Sie haben auf dem letzten Platz nichts zu suchen.“ Aus dem sicheren Absteiger wurde in jüngster Vergangenheit jedenfalls eine Mannschaft, die nur noch fünf Punkte von einem Nichtabstiegsplatz entfernt steht. Da kann es nur ein Vorteil sein, dass die Werderaner U 23 zuletzt sieben Punkte aus drei Spielen gewann und deshalb selbstbewusst antreten dürfte. „Wir haben uns stabilisiert“, sagt Jacobsen.

Das gilt für die eigene Mannschaft, aber auch für ihn persönlich. In 23 der 25 Spiele dieser Saison stand der Verteidiger auf dem Platz, in der Regel bereits zum Anpfiff. Lediglich Innenverteidiger Jesper Verlaat absolvierte einen Einsatz mehr. Diese Bilanz ist gut. Sie ist sogar bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass Thore Jacobsen sein erstes Jahr im Herrenbereich absolviert. Er war zwar bereits in der vergangenen Spielzeit oft dabei. Damals hatten sich die Einsätze in der U 19 (12 Spiele) und U 23 (12) aber aufgeteilt. „Und da habe ich noch viel auf der Bank gesessen“, sagt Jacobsen.

Er teilt den Eindruck einer positiven Entwicklung: „Das sehe ich auch so.“ Es läuft also gut für den 19-Jährigen. Er tritt heute viel präsenter auf, übernimmt Verantwortung auf dem Platz und ist eine feste Größe. Zudem bringt Jacobsen offenbar eine Gabe mit, die nicht allen Kickern seines Alters gegeben ist: Geduld. Ein paar Mal hat er bereits mittrainiert im Bundesligakader, das ein oder andere Testspiel absolvierte er auch schon im Team von Alexander Nouri. Doch der Linksfuß leitet daraus keine Erwartungen ab. „Ich mache mir keinen Druck, denn ich habe noch so viele Jahre.“

Diese Einstellung hat allerdings nichts zu tun mit mangelnden Ambitionen. Auch Thore Jacobsen, 2015 vom Hamburger SV zu Werder gewechselt, möchte mal einen Profivertrag unterschreiben. Das ist Traum und Ziel zugleich. Nur soll sein Weg eben ein wenig entspannter verlaufen, frei sein von falschen Erwartungen, die so oft in Frustration münden. Denn dass es noch etwas aufzuholen gibt, steht für Thore Jacobsen fest: „Bei den Profis geht alles ein bisschen schneller, sie sind technisch noch etwas besser und insgesamt cleverer.“

Es gibt also eine ganze Menge zu lernen, und während Thore Jacobsen fleißig Erfahrungen sammelt, gibt er sein eigenes Wissen schon mal weiter. Denn er ist jeden Donnerstag beim Training von Werders U 13, nennt sich „Co-Trainer“ dieser Mannschaft. „Ich habe noch nicht die größte Erfahrung, aber ich kann schon ein paar Sachen erklären“, sagt Jacobsen. Womöglich schildert er den jüngeren Kollegen in der kommenden Woche, wie es der U 23 gelang, auch in Mainz zu punkten. Vielleicht berichtet er aber auch von den Gründen für eine Niederlage. In diesem Fall wären die Bremer wieder mittendrin im Abstiegskampf.