30. Juni 2020 / 16:24 Uhr

Thorsten Margis wechselt das Sportgerät – für die Ehre und eine Kugel Eis

Thorsten Margis wechselt das Sportgerät – für die Ehre und eine Kugel Eis

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Gruppe mit Thorsten Margis und Miriam Welte (Mitte).
Die Gruppe mit Thorsten Margis und Miriam Welte (Mitte). © privat
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Der in Adenstedt aufgewachsene Thorsten Margis ist als Bob-Anschieber Weltmeister. Aufgrund einer Wette mit seiner Ehefrau Inken wechselte er jetzt das Sportgerät und strampelte auf dem Rad nach Alpe d’Huez hoch – unterstützt von Zeitfahr-Weltmeisterin Miriam Welte. 

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Im Sport geht es für ihn immer bergab. Das ist Thorsten Margis gewohnt, schließlich hat er schon fünfmal in Folge den WM-Titel im Zweierbob zusammen mit Pilot Francesco Friedrich gewonnen. Zur Abwechslung ging es jetzt für ihn mal bergauf: Der in Adenstedt aufgewachsene Ausnahme-Athlet strampelte den legendären Tour-de-France-Aufstieg nach Alpe d’Huez (1850 Meter) hoch. Zusammen mit seinem Vater Rainer, Miriam Welte (mehrfache Weltmeisterin im Zeitfahren und Teamsprint) und einigen Freunden.

„Da kommt man als Otto-Normalverbraucher auch hinauf. Nur langsamer“, hatte Thorsten Margis vor dem Fernseher behauptet, als die Etappe der Tour de France gezeigt wurde. Seine Frau Inken glaubte das nicht – und schon war die Wette abgemacht. „Es ging um die Ehre und eine Kugel Eis“, sagt Margis schmunzelnd. Sein Ehrgeiz war aber geweckt, und dann holte er sich auch noch professionelle Hilfe von Bahnrad-Weltmeisterin und -Olypiasiegerin Miriam Welte. „Ich hatte sie im ’Club der Besten’ kennengelernt und gefragt, ob sie mir zutraut, nach Alpe d’Huez hochzufahren.“

Die Antwort: „Klar schaffst Du das, und wenn Du das durchziehst, komm ich mit.“ Welte und ihr Lebensgefährte verbanden die Tour mit einem Urlaub. Thorsten Margis fuhr von seinem Wohnort Halle gemeinsam mit seinem Vater in die französischen Alpen. Auf einem Campingplatz am Fuß des Anstiegs traf sich die Gruppe. „Wir sind dann noch mit dem Auto die Strecke hochgefahren, um zu sehen, was uns erwartet. Da war es sehr ruhig im Wagen“, beschreibt Thorsten Margis.

Start um 9 Uhr

Nach dem Frühstück war um 9 Uhr Start. Die Strecke ist „nur“ 14 Kilometer lang, dabei sind aber 1130 Meter Höhe zu erklimmen. Die durchschnittliche Steigung beträgt knapp 8 Prozent, wobei die ersten Kilometer die steilsten sind. „Wir hatten abgemacht, dass jeder sein eigenes Tempo fährt“, sagt Margis. Schnell stellte sich heraus, dass er und Welte dasselbe Tempo fuhren. Beide hatten sich auch – dem Anlass entsprechend – gepunktete Trikots angezogen. Der beste Bergfahrer bei der Tour de France ist schließlich auch „gepunktet“ unterwegs.

Der Schnellste der Gruppe war in 1:16 Stunden auf dem Gipfel, die beiden Olympioniken Thorsten Margis und Miriam Welte schafften es in 1:32. Rainer Margis – immerhin 61 Jahre alt – brauchte keine zwei Stunden bis Alpe d’Huez. „Wir hatten überlegt, an dem Tag auch noch den Col du Galabier hochzufahren. Aber in Alpe haben wir sehr schnell entschieden, dass das heute nichts wird“, sagt Margis. Denn der Anstieg steckte durchaus in den Beinen. Die Gruppe entschied sich aber, eine andere Route für den Rückweg zu wählen, der noch auf 2000 Meter Höhe hinaufführte. „Am Nachmittag waren wir zurück und hatten 60 Kilometer zurückgelegt. Ich war stehend k.o., aber zufrieden.“ Und auch die Zeitfahr-Weltmeisterin strahlte: „Es hat großen Spaß gemacht und war sicher nicht der letzte Pass für mich.“

Thorsten Margis mit Vater Rainer
Thorsten Margis mit Vater Rainer ©
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Thorsten Margis hatte sich vorgenommen, beim Anstieg nach Alpe d’Huez nicht vom Rad abzusteigen. „Das habe ich geschafft“, sagt er. Trainingsmäßig war die Tour aber „eher kontraproduktiv“ für den Bob-Anschieber. Die Bewegung war zu langsam, für die demnächst beginnende Saison kommt es auf Schnellkraft an. „Beim ersten Training war ich jedenfalls ziemlich kaputt“, sagt Margis, der wieder mit Pilot Francesco Friedrich starten wird. „So genau wissen wir allerdings noch nicht, wann es weitergeht. Im September steht der erste Test auf dem Plan. Ende Oktober sollen wir die Bahn in Peking abnehmen. Ob das dort aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen möglich ist, ist offen. Ich hoffe jedenfalls, dass wir hinfliegen können.“

Von Matthias Press