10. November 2020 / 18:07 Uhr

Thorsten Tunkel von der SVG Göttingen: Der Mann für alle Fälle

Thorsten Tunkel von der SVG Göttingen: Der Mann für alle Fälle

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Unermüdlich: Thorsten Tunkel packt beim Aufbau für das Göttinger Hallenfußballturnier mit an – und ist auch noch Hallensprecher.
Unermüdlich: Thorsten Tunkel packt beim Aufbau für das Göttinger Hallenfußballturnier mit an – und ist auch noch Hallensprecher. © Pförtner
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Thorsten Tunkel kann ohne weiteres als Multifunktionär bezeichnet werden: Nicht nur hat der 41-Jährige beim Fußball-Oberligisten SVG Göttingen mehrere Position, neben seiner Arbeit im Bezirksspielausschuss ist er jetzt auch Mitglied des Verbandsspielausschusses.

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Für den Oberligisten SVG Göttingen ist er als Fußball-Abteilungsleiter und stellvertretender Vorsitzender fast schon unentbehrlich, und bereits angesichts seiner Aufgabe im Bezirksspielausschuss könnte Thorsten Tunkel mit Fug und Recht als Multifunktionär bezeichnet werden. Nun kommt noch eine weitere Aufgabe dazu: Zukünftig vertritt der 41-Jährige die Oberliga Niedersachsen im Verbandsspielausschuss – auf der Vorstandssitzung des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) wurde seine Wahl ins Gremium am vergangenen Freitag bestätigt.

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Für Tunkel als zukünftigen Oberligasprecher, eine Funktion, die der Göttinger bereits bis zum unfreiwilligen Ausscheiden durch den Abstieg der SVG 2017 ausgefüllt hat, hatte sich bereits der Staffeltag im Sommer ausgesprochen. Die Bestätigung durch Vorstandbeschluss am vergangenen Freitag war nur noch eine Formalie. Er habe davon vom NFV-Kreisvorsitzenden Hans-Dieter Dethlefs erfahren, berichtet der SVGer.

Zur Person: Thorsten Tunkel

Der 41-jährige Thorsten Tunkel ist ein waschechter Göttinger. Beruflich ist der Fußball-Abteilungsleiter und stellvertretende Vorsitzend der SVG Göttingen als Speditionskaufmann bei der Spedition Zufall tätig und feierte jüngst 25-jähriges Betriebsjubiläum. Seine Lieblingsmannschaft ist Borussia Dortmund: „Mein Vater ist Bayern-Fan und wir haben immer zusammen Fußball geguckt. Da fand’ ich die gelben Trikots so herausstechend“, berichtet Tunkel. Die roten Trikots der Bayern sind für ihn nach wie vor ein rotes Tuch. Am vergangenen Wochenende beim 3:2-Erfolg der Bayern war seiner Meinung nach die individuelle Klasse ausschlaggebend.

Vor eineinhalb Jahren hat er das Radfahren für sich entdeckt und bereits mehrere längere Touren absolviert. „Das hätte ich mir im letzten Jahr noch nicht vorstellen können, da wäre ich nur eineinhalb Kilometer weit gekommen“, sagt Tunkel. „Es ist wichtig, neben Beruf und Fußball etwas für sich zu tun. Man kann sich den Stress wegstrampeln“, findet er. Im vergangenen Jahr hat er sich zwei Räder gekauft, im kommenden Jahr plant er mit seinem Kumpel Utz Göbel, den Alpe Adria Radweg von Salzburg bis ins italienische Grado zu bewältigen. „Man sieht die Welt auf dem Fahrrad mit anderen Augen“, sagt er. 

Der SVG will er aber trotz seiner aufflammenden Fahrrad-Leidenschaft treu bleiben. „Irgendwann wird sicherlich der Tag kommen, an dem ich sage: So, jetzt habe ich genug gemacht. Aber der Verein wird in meinem Leben immer eine große Rolle spielen und immer einen Platz in meinem Herzen haben“, sagt Tunkel. Er fühle sich tief verwurzelt mit dem Klub vom Sandweg.

Nun ist Tunkel im Spielausschuss so etwas wie der Interessenvertreter der Oberligaklubs. „Ich trage etwas in die Sitzungen rein und spiele es wieder zurück“, sagt der Dortmund-Fan. Einmal im Monat geht es für ihn zukünftig zur NFV-Zentrale nach Barsinghausen zur turnusmäßigen Beratung.

Tunkel hat keine Angst, dass ihm die Arbeit zu viel wird

Angst, dass ihm die Aufgaben über den Kopf wachsen, hat er auch im Hinblick auf seine Tätigkeit als Staffelleiter und Schriftführer im Bezirksspielausschuss nicht. „Der Aufwand ist ja heute wegen der technischen Möglichkeiten geringer geworden“, sagt er – Papierkram gehört der Vergangenheit an. In den Monaten Mai und Juni, wenn die Saison geplant wird, müsse er fünf bis zehn Stunden pro Woche für die Tätigkeit im Ausschuss einkalkulieren, ansonsten komme er mit zwei bis drei Stunden aus. „Wenn jetzt wegen Corona viele Spiele ausfallen, ist es natürlich etwas mehr“, sagt er.

Seine Motivation geht auf die Anfangsjahre seiner Tätigkeit bei der SVG zurück. „Viele Leute kritisieren den Spielausschuss für seine Arbeit, so war es bei mir vor einigen Jahren auch. Ich habe mir gedacht: Dann mache ich es doch einfach selbst.“ Wolfgang Reese, seinerzeit Bezirksspielausschussvorsitzender, nahm ihn beim Wort. Tunkel: „Da ist mir meine große Klappe zum Verhängnis geworden.“

Sein Vorteil ist nun, dass er aus der Vereinsarbeit kommt: „Ich habe gemerkt: Die Arbeit eines Spielausschusses ist nicht so einfach. Man muss die Situation der Vereine verstehen, und ich behaupte von mir, dass ich sie verstehe.“ Er fühle sich „ein Stück weit“ als Sprachrohr der Klubs.

Tunkel kann sich mittlerweile ein Leben ohne den Fußball nicht mehr vorstellen, die Tätigkeit bei der SVG, unter anderem auch als Stadionsprecher, sowie für den Verband ist für den Speditionskaufmann fast so etwas wie eine Droge. „Es ist für mich eine Abwechslung von der Arbeit“, sagt er. Sein Engagement für die SVG „hat sich so ergeben“ – geht auf seinen ehemaligen Arbeitskollegen bei der Spedition Zufall, Achim Liehr, zurück, der ihn einfach mal gefragt hatte.

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„Ich hatte keinerlei Berührungspunkte, aber ich habe einfach ja gesagt“, berichtet der 41-Jährige von seinen Anfängen bei den Schwarz-Weißen. Das sei der Tag gewesen, „an dem ich mein Privatleben erst mal ad acta gelegt habe“, ergänzt er schmunzelnd und fügt hinzu: „Aber es ist schon ein Stück weit eine schöne Geschichte, vor allem weil ich so viele nette Leute kennengelernt habe.“

Sie erreichen den Autor unter E-Mail: e.warda@goettinger-tageblatt.de