01. September 2020 / 15:07 Uhr

Nachwuchs-Schiedsrichter Janis Tim Paulenz: „Die Aufregung hielt sich in Grenzen“

Nachwuchs-Schiedsrichter Janis Tim Paulenz: „Die Aufregung hielt sich in Grenzen“

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Feuertaufe bestanden: Janis Tim Paulenz (r.) mit Schiedsrichter-Ansetzer Justin Weigt.
Feuertaufe bestanden: Janis Tim Paulenz (r.) mit Schiedsrichter-Ansetzer Justin Weigt. © privat
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Kreisoberliga Dahme/Fläming: Nachwuchsreferee aus Mittenwalde über einen ungewöhnlichen Einsatz am Wochenende und seine Idole.

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Von der Außenlinie in den Mittelpunkt: Für Janis Tim Paulenz hielt die Fußball-Kreisoberliga-Partie zwischen Blau-Weiß Schenkendorf und dem SC Eintracht Miersdorf/Zeuthen am Sonntag eine ganz besondere Aufgabe bereit. Der 16 Jahre alte Nachwuchsreferee aus Mittenwalde, der als Assistent ins Spiel gegangen war, musste nach einer Verletzung des Schiedsrichter-Kollegen Silvio Redlich die Partie in der zweiten Halbzeit leiten. Im Interview spricht er über den Unterschied zwischen Jugend- und Männerfußball und die kniffligen Situationen bei seinem ersten Einsatz als spielleitender Schiri im Erwachsenenbereich.

Herr Paulenz, Sie sind völlig unerwartet in die Chefrolle gerutscht. Waren Sie sehr nervös, als Sie auf dem Spielfeld standen?

Janis Tim Paulenz: Zu einem Spiel gehören immer ein bisschen Anspannung und eine gute Vorbereitung dazu. Wir waren gut eingestellt auf die Partie, weil Silvio Redlich mit uns vorher in der Kabine alles besprochen hatte – die Aufregung hielt sich insofern in Grenzen, zumal ich schon Spiele im Nachwuchsbereich geleitet habe.

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Das klingt etwas nach Understatement: Es ist sicher ein Unterschied, ob man gestandene Männer oder Nachwuchsspieler vor sich hat.

Klar ist das ein Unterschied. Das Spiel bei den Männern ist im Gegensatz zum Jugendbereich viel körperbetonter, schneller und insofern auch gefährlicher, weil bei höherem Tempo auch die Verletzungen schwerer ausfallen können.

Wie ist es zu dem Einsatz gekommen?

Bis zur 37. Minute verlief alles ganz normal und übrigens auch sehr sportlich und fair. Dann sah ich Silvio Redlich auf Höhe des Mittelkreises liegen. Er war beim Rückwärtsgehen im Rasen hängen geblieben, mit dem rechten Bein umgeknickt und gerade noch im Stande, das Spiel zu unterbrechen. Im Mittelkreis angekommen, sah es auch nicht sonderlich gut aus. Wir probierten, seinen Fuß zu kühlen. Nach einigen Minuten konnte er erstmal weitermachen und das Spiel ging in die Halbzeit. Dort angekommen meinte er, dass es für ihn nicht mehr weiter gehe. Nach kurzer Absprache mit dem zweiten Assistenten Torsten Wilke übernahm ich dann die Partie für die zweite Halbzeit.

Wie ist die Nachfolge in solch einem Fall denn in den Spielstatuten geregelt?

Normalerweise muss bei einem Ausfall des Schiedsrichters einer der beiden Assistenten das Spiel übernehmen. Torsten Wilke und ich pfeifen in der gleichen Spielklasse, nach Rücksprache haben wir entschieden, dass ich das Spiel weiterführen werde.

Haben Sie überlegt, nicht zu pfeifen?

Nein. Ich hatte keine Bedenken, das Spiel weiter zu pfeifen, da ich schon seit drei Jahren als Schiedsrichter Spiele leite, schon oft als Assistent bei erfahrenen Schiedsrichtern mitgefahren bin und mir von diesen viel abgucken konnte. Auch im Jugendbereich, wo ich oft eingesetzt werde, hatte ich schon schwierige Entscheidungen zu treffen und auch hitzige Spiele zu leiten. Deshalb konnte ich auch mit einem angespannten, aber positiven Gefühl in die zweite Hälfte gehen.

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Was war die kniffligste Situation?

Da das Spiel zwischen beiden Mannschaften in der ersten Halbzeit sehr fair ablief und das auch weitestgehend im zweiten Spielabschnitt der Fall war, gab es eigentlich wenige knifflige Entscheidungen. Im Nachgang betrachtet, hätte ich aus meiner persönlichen Sicht noch ein bis zwei gelbe Karten mehr verteilen können, bin aber mit meiner Linie letztendlich doch sehr zufrieden gewesen. Abseits des Feldes bekam ich sehr viel Zuspruch, auch die Spieler und Trainer beiderseits waren doch recht zufrieden. Für mich persönlich war es eine super Chance, weiterzukommen, um auch neue Erfahrungen zu sammeln.

Haben Sie ein Vorbild?

Auf Schiedsrichterebene Deniz Aytekin. Ich finde seine Ansprachen bei mündlichen Verwarnungen gut. Dadurch kommt er auch mit weniger Karte als andere Schiedsrichter aus.

Wie sah Ihre Laufbahn als Unparteiischer bisher aus?

Persönlich pfeife ich noch im Juniorenbereich. Meistens A-, B- und C-Jugendspiele auf Kreis- und Landesebene. Als Assistent werde ich oft im Männerbereich in der Landesklasse und der Kreisoberliga angesetzt. Mein persönlicher Höhepunkt war bisher die Landesliga-Partie 1. FC Guben gegen SV Frankonia Wernsdorf im vergangenen Jahr, die ich als Assistent von Schiedsrichter Andreas Donhauser und Benjamin Eberst bestreiten durfte. Zudem erhielt ich das Pokalfinalspiel der E-Junioren zwischen dem SV Grün Weiß Großbeeren und der SpG Rangsdorf/Groß Machnow im Jahr 2019, wo ich damals auch positive Rückmeldungen erhielt.

Das Amt als Schiri ist nicht immer einfach, man bewegt sich 90 Minuten lang zwischen den Fronten. Was motiviert Sie, trotzdem auf dem Spielfeld zu stehen?

Da gibt es vieles, unter anderem, dass man viel herum kommt und viele echt gute Fußballspiele und Spieler und Spielerinnen sieht. Ob es als Assistent in der Brandenburgliga der Junioren, bei den Frauen oder auch wie letztes Wochenende in der Dahme/Fläming-Liga der Männer ist, man sieht einfach super viel von Brandenburg und seinem Fußball.

Dann hat die bestandene Feuertaufe für viel Rückenwind gesorgt und Sie bestärkt, eine Laufbahn als Referee einzuschlagen?

Klar war der Einsatz was Besonderes für mich, wo ich mich auch noch in ein paar Jahren gerne zurück erinnern werde. Trotzdem ändert dieses Spiel erstmal nichts an der Situation. Ich gucke Schritt für Schritt, was die Zukunft für mich bereithält. Ich stehe noch ganz am Anfang meiner jungen Karriere. Der Männerbereich wird irgendwann noch einmal eine ganz andere Herausforderung werden. Dort muss ich auch ganz unten anfangen und mich mit guten Leistungen hocharbeiten – daran wird das Spiel vom Wochenende nichts ändern. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben und bin mir sicher, dass ich noch viele schöne Jahre in der Rolle des Unparteiischen haben werde.