10. Dezember 2020 / 17:46 Uhr

Gent-Stürmer Tim Kleindienst vor Hoffenheim-Spiel: "Schlechter als gerade kann es nicht laufen"

Gent-Stürmer Tim Kleindienst vor Hoffenheim-Spiel: "Schlechter als gerade kann es nicht laufen"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Tim Kleindienst (r.) erzielte bei der 1:4-Hinspiel-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim um Ryan Sessegnon Gents Tor.
Tim Kleindienst (r.) erzielte bei der 1:4-Hinspiel-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim um Ryan Sessegnon Gents Tor. © imago images/Eibner
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Der ehemalige Stürmer des 1. FC Heidenheim, SC Freiburg und Energie Cottbus spricht im SPORTBUZZER-Interview über die vier Trainerwechsel seines Vereins innerhalb von vier Monaten, den Reiz der Champions-League-Hymne und das Spiel in der Europa League gegen 1899 Hoffenheim.

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 Im vergangenen Sommer erfüllte sich Tim Kleindienst den Traum vom Ausland als Fußballprofi. Vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim, mit dem er kurz zuvor in der Relegation zur Bundesliga an Werder Bremen gescheitert war, wechselte der gebürtige Jüterboger zum belgischen Spitzenclub KAA Gent, der bei Abbruch der Vorsaison auf Platz zwei lag. Doch innerhalb von vier Monaten arbeitete Kleindienst unter vier verschiedenen Trainern, verlor seinen Stammplatz, das Team liegt auf Platz 13. Im Interview spricht der 25-Jährige über das Europa-League-Spiel bei 1899 Hoffenheim am Donnerstag (21 Uhr/DAZN), die vielen Trainerwechsel und Champions-League-Luft.

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Herr Kleindienst, in den vier Monaten bei KAA Gent haben Sie inzwischen ihren vierten Trainer. Erleben Sie gerade die verrückteste Zeit Ihrer Karriere?

Tim Kleindienst: Sowas habe ich in der Form wirklich noch nie erlebt. Ich hatte in Cottbus auch schon mal einen Trainerwechsel, da hatte Stephan Schmidt von neun Spielen acht verloren. Aber danach habe ich in Freiburg und Heidenheim gespielt, wo Christian Streich und Frank Schmidt gefühlt seit einer Ewigkeit Trainer sind – ich hatte hier in Gent in vier Monaten mehr Trainer als in meiner ganzen Profikarriere zuvor.

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Der erste war der Däne Jess Thorup, mit dem Sie vor dem Wechsel von Heidenheim die Gespräche geführt haben und der drei Wochen später entlassen wurde.


Ich hatte mich vor der Saison auch noch einem kleinen Eingriff unterzogen, der Ablauf war mit ihm besprochen. Wir hatten die ersten Gespräche, ich war euphorisiert, dann ist nach drei Wochen der Trainer weg, das ist natürlich suboptimal gewesen. Wir Spieler mochten ihn, für mich war das besonders schwierig.

Danach kamen der Rumäne László Bölöni, der war nur 25 Tage im Amt, und es folgte Wim De Decker, der zuvor Co-Trainer war. Hat sich Ihre Position dadurch verbessert?

Unter Bölöni habe ich zwar gespielt, aber wurde auch als Flügelspieler eingesetzt, was überhaupt nicht meine Position ist, da ist es schwer in den Flow zu kommen. Unter De Decker habe ich dann kaum noch gespielt.

Vergangene Woche kam dann mit Hein Vanhaezebrouck der vierte Trainer und Sie standen im ersten Spiel am Wochenende gar nicht im Kader. Hatten Sie schon ein Gespräch mit ihm?

Er ist erst seit einer knappen Woche da, da konnten wir noch keines führen. Es geht ja jetzt auch nicht um mich, sondern dass wir die Kurve kriegen. Aber klar, war das negativ, wenn dich der neue Coach gleich aus dem Kader raushaut. Schlechter als gerade kann es nicht laufen.

Haben Sie den Wechsel schon einmal bereut?

Das würde ich niemals sagen. Das, was hier passiert, weiß man im Voraus ja nicht, das wusste der Verein ja auch nicht. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es natürlich nicht gemacht. Aber ich würde mich jedes Mal wieder so entscheiden.

Warum sind Sie im vergangenen Sommer von Heidenheim nach Gent gegangen?

Ich habe zuvor noch nie im Ausland gespielt, wollte diese Auslandserfahrung machen, erleben, wie es in anderen Ländern abläuft. Dazu spielen wir international, standen sogar in der Champions-League-Qualifikation und sind erst gegen Dynamo Kiew rausgeflogen. Der Reiz, in Europa zu spielen, das ist schon eine andere Bühne als in der 2. Bundesliga in Deutschland. Und Gent ist in Belgien einer der größten Vereine, spielt um die Meisterschaft mit, da wollte ich ein Teil davon sein.

Gegen Kiew haben Sie in der dritten Qualifikationsrunde auch ein Tor geschossen. Wie war es, einmal Champions-League-Luft zu schnuppern?

Das war auf jeden Fall was ganz Besonderes. In der Runde wird auch mit Champions-League-Bällen gespielt, die Hymne läuft, das hatte schon Flair. Jeder Spieler will dort mal sein.

Wären Sie in Heidenheim geblieben, wenn der FCH gegen Bremen die Relegation gewonnen hätte?

Ja, dann wäre ich wahrscheinlich schon geblieben, die Bundesliga ist ja eine der besten Ligen der Welt.

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Ein paar Tage vor Ihnen ist im Sommer auch Niklas Dorsch von Heidenheim nach Gent gewechselt, hatten Sie sich abgesprochen?

Ich hatte zwar aus den Medien von dem Gerücht gehört, dass „Dorschi“ möglicherweise dahin wechselt. Aber wir wussten nichts voneinander, erst als es bei mir in die finale Phase ging. Dass es dann so kommt, war schon ein bisschen verrückt.

Warum läuft es trotz der Verstärkungen nicht?

Die frühe Trainerentlassung, die für viele Spieler überraschend kam. Dann sind wir mit einer unglücklichen Niederlage gestartet. Und dann war es wie ein Domino-Effekt, wir wurden immer mehr in den Strudel reingezogen, es kommt der nächste Trainerwechsel, wieder kommen die Resultate nicht. Und wir hatten auch international in der Europa League viele Spiele, die wir auch noch alle verloren haben. Da kommen Zweifel auf. Aus diesem Tief musst du erstmal wieder rauskommen.

Am Donnerstag spielen Sie mit Gent im letzten Spiel der Europa League bei 1899 Hoffenheim, wie anstrengend waren die letzten Wochen?

Wenn wir dann mit der Europa League durch sind hört auch dieser Drei-Tages-Rhythmus auf, der war verrückt. Wir mussten so viel reisen, waren in Kiew, Serbien, Tschechien, kamen wieder in Belgien an, haben einen Tag trainiert und dann schon wieder gespielt. Hut ab vor den Spielern von Bayern oder Dortmund, die das jedes Jahr machen, das ist schon sehr anstrengend.

Sind Sie über Weihnachten zu Hause?

Wir haben am 26. Dezember noch ein Ligaspiel, danach würde ich gerne zu meiner Familie nach Jüterbog fahren. Aber es kommt natürlich darauf an, wie bis dahin die Quarantäne-Auflagen geregelt sind.