17. Mai 2020 / 19:33 Uhr

Tim Wieggrebe und Gabriel Müller sind die neuen Schaumburger Regelhüter

Tim Wieggrebe und Gabriel Müller sind die neuen Schaumburger Regelhüter

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Schwung in der Lehrarbeit
Gabriel Müller (im Vordergrund) und Tim Wieggrebe (kleines Bild oben ) stellen bei einer Videokonferenz mit dem Sportbuzzer ihr Konzept vor. © Uwe Kläfker
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Algesdorfer Duo übernimmt im Fußballkreis die Lehrarbeit bei den Fußballschiedsrichtern. Die Freunde Wieggrebe und Müller haben viele Gemeinsamkeiten, sind in einem Fall aber auch Konkurrenten. Anwärter-Lehrgang soll fortgeführt werden, Neueinsteiger sind willkommen.

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Tim Wieggrebe und Gabriel Müller haben viele Schnittmengen. Beide sind 21 Jahre alt, spielten beim TSV Algesdorf in der Jugend Fußball, ehe gemeinsam der Umschwung zur „Schiedsrichterei“ eingeleitet wurde.

Beide studieren, und nun haben sie auch noch ein anspruchsvolles Ehrenamt zu bewältigen. Wieggrebe und Müller sind die neuen Schiedsrichter-Lehrwarte im Fußballkreis Schaumburg und beerben Mike Lenz, der aus persönlichen Gründen seinen lange angekündigten Rückzug angetreten hat.

„Beide sind unsere am höchsten pfeifenden Schiedsrichter und als Assistenten auch im DFB-Bereich tätig. Ich bin froh, dass sie als Zugpferde für unsere Lehrarbeit Teil des Schiedsrichterausschusses werden“, sagt Wilhelm Kläfker als Vorsitzender des Gremiums. Die Neulinge seien hoch motiviert und „können in der Lehrarbeit etwas erreichen“. Voraussetzung sei aber, dass „unsere Schiedsrichter die jungen Leute nicht hängenlassen und mitziehen“, so Kläfker.

Da nur einer den Titel des Lehrwartes tragen darf, haben sich die beiden Algesdorfer darauf verständigt, dass Wieggrebe offiziell den Hut auf hat und Müller der zweite Mann ist. Die Konstellation ist aber alles andere als eine klassische Vertreterregelung, denn die anfallende Lehrarbeit wollen beide auf Augenhöhe angehen. „Es war von vornherein klar, dass wir es gemeinsam machen wollen, damit wir unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden, was Angebote, Fördermöglichkeiten und Gestaltung der Lehrarbeit angeht“, erklärt Müller.

Wir wollen den Kontakt nicht verlieren

Nun kollidiert der neue Aufgabenbereich der beiden Landesliga-Schiedsrichter mit der Corona-Pandemie. Vor den Einschränkungen haben sich die Schaumburger Unparteiischen einmal im Monat in Stadthagen, neuerdings im Vereinshaus Enzen, zum gemeinsamen Lehrabend getroffen. Das Duo hat aber bereits eine Teillösung parat. „Wir planen, demnächst einen Lehrabend online durchzuführen, weil sich der Zeitraum schon lange streckt und wir den Kontakt zu den Schiedsrichtern nicht verlieren wollen“, erklärt Müller. Auch Kläfker (80) steht den Neuerungen aufgeschlossen gegenüber, hat jüngst zum ersten Mal an einer Video-Konferenz mit Teilen seiner Ausschussmitglieder teilgenommen. „Die jungen Leute kommen aus einer anderen Welt, sind technisch sehr gut aufgestellt.“

Gabriel Müller (links) und Tim Wieggrebe wollen als Schiedsrichter möglichst hoch hinaus.
Gabriel Müller (links) und Tim Wieggrebe sind Freunde, in der Schiedsrichterei aber auch Konkurrenten. © jö

Dazu gehört auch, Regelfragen online zu beanworten. „Das gab es aber auch schon vor Corona“, sagt Müller, der dazu sogar eine App mitentwickelt hat. Man habe vor der Pandemie 15 Regelfragen herumgeschickt, „die wir am Lehrabend auswerten wollten“. Die Resonanz darauf sei bislang positiv, freut sich Wieggrebe, „sowohl Jung als auch Alt haben mitgemacht und das angenommen.“ Grundsätzlich sei die Lehrarbeit frei gestaltbar, so der Lehrwart, „aber es gibt Empfehlungen und Orientierungen seitens des DFB, die wir im Internet abrufen können“.

Die neuen Lehrwarte haben den Schaumburger Referees bereits ihre Ideen vorgestellt, dazu gehört ein Fünf-Stufen-Plan. „Das Spektrum bei uns ist sehr breit“, sagt Müller und erklärt: „Manche Schiedsrichter wollen nur wenige Spiele leiten, andere sind noch sehr ehrgeizig – und es gibt auch noch etwas in der Mitte.“ Dazu soll es drei Kader geben, in die sich jeder Unparteiische den eigenen Ansprüchen nach selbst einsortieren kann. „Wir versuchen dann, die Kader mit Angeboten entsprechend zu bedienen“, sagt Müller.

Für die neuen Aufgaben stehen die Freunde ständig in Kontakt. Ein gemeinsames Ziel gibt es auch noch – der Aufstieg in die Oberliga. „Da sind wir ausnahmsweise mal Konkurrenten“, sagt Wieggrebe.

Schiedsrichter-Anwärter-Lehrgang

Zu den vielen Aufgaben der neuen Lehrwarte gehört auch, Nachwuchs zu gewinnen. „Sonst wird es in ein paar Jahren richtig eng“, weiß Tim Wieggrebe. Vor der Corona-Krise wurde ein vielversprechender Anwärter-Lehrgang gestartet, der kurz vor der Prüfung unterbrochen werden musste. „Die Anwärter warten jetzt schon recht lange, und es passiert mehr oder weniger nichts“, sagte Gabriel Müller. Mithilfe einer App können die Anwärter aber am Ball bleiben und sich regeltechnisch weiterbilden. „Wir wollen jetzt online in Kontakt bleiben, um die aktuellen Anwärter beschäftigen zu können“, sagt Müller. Auch für neue Interessenten sei die Tür noch nicht zu.

„Wer möchte, kann sich noch anmelden“, sagt Obmann Wilhelm Kläfker – und mit ihm per E-Mail an wilhelm.klaefker@t-online.de in Kontakt treten. Alles zur interessanten Schiedsrichter-App ist im Netz auf der Seite online-schiedsrichter-schule.de zu finden. Auch hier sollen Anmeldungen möglich sein.