04. Juni 2022 / 17:13 Uhr

Aufpäppeln für den Alltag: Warum Länderspiele unter Hansi Flick für Timo Werner Seelenbalsam sind

Aufpäppeln für den Alltag: Warum Länderspiele unter Hansi Flick für Timo Werner Seelenbalsam sind

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Vertrauen einander: Stürmer Timo Werner und Bundestrainer Hansi Flick.
Vertrauen einander: Stürmer Timo Werner und Bundestrainer Hansi Flick. © IMAGO/Sven Simon (Montage)
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Beim FC Chelsea kam Timo Werner in der vergangenen Saison weiterhin nicht recht in Tritt. Auch für seine Auftritte im DFB-Trikot erntet der Stürmer immer wieder Kritik. Aber: Unter Bundestrainer Hansi Flick zeigte Werner zuletzt immer wieder seine Treffsicherheit. Der Coach redet den Torjäger stark.

Sein erster Auftritt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft endete für Timo Werner unschön. Im Länderspiel gegen England (1:0) im März 2017 zog sich der damalige RB-Stürmer einen Muskelfaserriss zu und musste in der 77. Minute ausgewechselt werden. Werner, damals 21 Jahre alt, war dennoch glücklich über seinen ersten Auftritt. "Es war ein tolles erstes Spiel und hat mir großen Spaß gemacht", sagte er nach der Partie: "Hoffentlich darf ich noch oft wiederkommen." Durfte er.

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Gegen Europameister Italien wird der inzwischen 26-jährige wohl sein 50. Länderspiel im DFB-Dress absolvieren. "Ich habe ihn sehr engagiert und konzentriert erlebt. Was bei ihm wichtig ist, dass er in einem physisch guten Zustand ist. Er ist da und aktiv", lobte Bundestrainer Hansi Flick den Angreifer nach den Trainingseindrücken in Marbella und Herzogenaurach.

Es war auch Balsam für Werners Seele. Der gebürtige Stuttgarter hat bei seinem Arbeitgeber, dem FC Chelsea aus der englischen Premier League, keine einfache Saison hinter sich. In 37 Pflichtspielen gelangen ihm bei 24 Startelfeinsätzen überschaubare elf Treffer. Werner verpasste aufgrund einer Muskelverletzung und der Infektion mit dem Coronavirus mehrere Spiele. Auch anhand der Zahlen entbrennt nicht das erste Mal die Diskussion sowohl um das Leistungsvermögen des Stürmers, der im Sommer 2020 für über 50 Millionen Euro aus Leipzig nach England wechselte, als auch darüber, ob Deutschland nicht wieder eine klassische Neun bräuchte. Wie Miroslav Klose oder Mario Gomez.

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Zudem wird Werner oft als Chancentod verspottet. Und das, obwohl seine Quote im DFB-Dress stimmt: In bisher 49 Spielen gelangen ihm 22 Treffer. Und seit Flick Bundestrainer ist, spielt und trifft der Stürmer regelmäßig. In seinen sieben Einsätzen unter Flick erzielte Werner sechs Tore, keiner traf häufiger. "Klar, man kann sagen, die Gegner waren dabei nicht immer in der Weltspitze angesiedelt", sagte Mittelfeldspieler Leon Goretzka mit Blick auf Armenien, Nordmazedonien oder Israel: "Trotzdem muss man auch in den Spielen erst mal Tore machen. Timo fühlt sich hier bei uns sehr wohl, kann Topleistungen bringen und Tore schießen für uns."

Der Bundestrainer stärkte den Turbokicker in der Vorbereitung auf die Härtetests zum Saisonende wieder auffällig. "Wir müssen Timo noch mehr in unser Spiel einbinden", forderte Flick etwa. Ihm gefallen Werners Tempo und dessen Laufwege im Sturmzentrum. Pikanterweise wäre ausgerechnet sein Londoner Teamkollege Kai Havertz einer der ersten Ersatzkandidaten für den Platz als Angreifer. In London standen die beiden in der vergangenen Saison in der Liga in nur sieben Partien gemeinsam in der Startelf. Das ist unter Flick anders: In neun Spielen liefen Havertz und Werner gemeinsam aufs Feld.

Aber Flicks Offensivmöglichkeiten sind riesig. Es gibt neben Serge Gnabry, Leroy Sané, Marco Reus, Karim Adeyemi oder Julian Brandt noch Thomas Müller, der sowohl in der Zentrale als auch als Sturmspitze agieren kann, und den Wolfsburger Lukas Nmecha. "Ich glaube, dass wir uns nicht verstecken brauchen. Wir als Trainerteam können da sehr happy sein. In vielen Spielen ist das ein Vorteil, so eine Flexibilität und Variabilität zu haben", so der DFB-Coach.

Es wird im Hinblick auf die WM in Katar auch vom Gegner abhängen, welchen Spielertyp Flick im Zentrum bevorzugt: Den Tempostürmer Werner oder den etwas größeren Havertz. Noch spricht vor allem die Quote für Werner. Vielleicht kann er diese in seinem Jubiläumsspiel gegen Italien noch steigern.