24. Juli 2020 / 14:18 Uhr

Keine Nummer 11 mehr bei RB Leipzig? Wie das Netz auf eine Twitter-Ente hereinfiel

Keine Nummer 11 mehr bei RB Leipzig? Wie das Netz auf eine Twitter-Ente hereinfiel

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzig vergibt die Nummer 11 zu Ehren von Timo Werner nicht mehr? Einige User auf Twitter sind dieser Ente auf den Leim gegangen.
RB Leipzig vergibt die Nummer 11 zu Ehren von Timo Werner nicht mehr? Einige User auf Twitter sind dieser Ente auf den Leim gegangen. © Alexander Hassenstein/Getty Images/Twitter@kai_rheuma/Montage
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Timo Werner wechselte nach vier Jahren als RB-Rekordtorschütze und größter Spieler der Vereinsgeschichte zum FC Chelsea. Um den 24-Jährigen zu ehren, wolle RB Leipzig die Nummer 11 nie wieder vergeben, hieß es auf Twitter. Eine Falschmeldung und ihre Nachwehen.

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Leipzig. Im US-Sport ist es üblich, dass Sportvereine die Rückennummern von zurückgetretenen Vereinslegenden nie wieder vergeben. Das Trikot wird in einer offiziellen Zeremonie unter die Hallendecke gezogen, Präsident oder Trainer halten eine Ansprache, der Sportler vergießt ein paar Tränchen. So zogen die Chicago Bulls nach dem Rücktritt von Michael Jordan die 23 aus dem Verkehr. Die Boston Celtics haben sogar mehr als 20 Nummern gesperrt.

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„Der Begriff Legende wird sehr inflationär verwendet“

In Europa ist diese Praxis eher unüblich - erst recht bei noch aktiven Sportlern. Nichtsdestotrotz verbreitete Twitter-Nutzer „Rheuma Kai“ am Donnerstag die Meldung, dass RB Leipzig die Rückennummer 11 „aus Dankbarkeit für Timo Werner“ nicht mehr vergeben wird. Garniert wurde der Tweet mit einem Zitat von Oliver Mintzlaff: „Timo ist hier zu einer absoluten Legende geworden. Er wird immer einen Platz in unseren Herzen haben und er wird immer ein echter Leipziger sein.“ Hinter der Nachricht stand in eckigen Klammern die vermeintliche Quelle „Sport 1“. Die Meldung sei auch im Radio bestätigt worden, kommentierte der User später, offenbar um dem Ganzen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Die Resonanz war enorm. 222 Nutzer kommentierten oder teilten die Nachricht bis Freitagmittag. Mehr als 500 versahen sie mit einem Herzchen. RB-Fans freuten sich über die tolle Geste, RB-Kritiker schrieben hämische Kommentare. Nur wenige zweifelten. „Der Begriff Legende wird sehr inflationär verwendet“, spottete „Saxone1953“, dem Bild nach ein Fan von Dynamo Dresden. „Legende? Oliver Kahn, Paolo Maldini, Bastian Schweinsteiger, Steven Gerrard, Zinedine Zidane usw. ...Timo Werner?“, schrieb Twitter-Nutzer „Oliver Ve“. Tatsächlich: Werner ist 24 und hat in Leipzig keinen Titel gewonnen.

Auch der Journalist Thomas Dudek, der unter anderem für das Magazin Cicero schreibt, teilte die Meldung und schrieb süffisant: „#RBLeipzig, oder wie sich ein Marketingkonstrukt Legenden erschafft“. Schließlich war sogar ein gefälschter Tweet im Umlauf, der nahe legte, dass die Meldung vom offiziellen Twitter-Account des Fußball-Bundesligisten bestätigt wurde.

Als immer mehr User Zweifel an Authentizität anmeldeten, ahnte auch Dudek, dass er Opfer einer Ente geworden war. „Den #RBLeipzig-Timo Werner-Tweet habe ich gelöscht. Bin da ziemlich schnell auf einen gut gemachten Gag reingefallen“, schrieb er. „Was aber an meiner Meinung über RBL nichts ändert. Das ist ein verlogenes Marketingprodukt, nichts mehr und nichts weniger.“

„Hwang hat die 11“

Dass ausgerechnet der RB-Kritiker eine Falschmeldung verbreitet hatte, sorgte wiederum für Spott unter Leipziger Anhängern. Der Reporter sei „sich scheinbar zu fein für 30 Sekunden Recherche, aber nicht für bissige Bemerkungen“, schrieben die „RB-Fans“ auf Twitter.

Und was sagt RB Leipzig zum vermeintlichen Rückzug von Timo Werners Rückennummer ? Mit Bitte um eine Stellungnahme hieß es aus der Medienabteilung knapp: „Hwang hat die 11“. Gemeint ist Salzburg-Neuzugang Hee-chan Hwang, der Werners Nummer vor ein paar Wochen übernommen hat. Das hätten Dudek und Co. mit ein paar Klicks auch selbst herausfinden können.