09. August 2022 / 21:08 Uhr

Kommentar zum Transfer von Timo Werner nach Leipzig: Das RB-Trikot allein verleiht noch keine Flügel

Kommentar zum Transfer von Timo Werner nach Leipzig: Das RB-Trikot allein verleiht noch keine Flügel

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Timo Werner kehrt zurück zu RB Leipzig.
Timo Werner kehrt zurück zu RB Leipzig. © IMAGO/PA Images (Montage)
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Die Rückkehr von Timo Werner zu RB Leipzig birgt Risiken. Die Mannschaft hat sich seit dem Abschied des Stürmers verändert. Trainer, System, Konkurrenzsituation & Co. sind neu. Dass Werner in alter Umgebung sofort wieder funktioniert, ist somit nicht garantiert, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

Auf den ersten Blick wirkt alles perfekt. Timo Werner spielt ab sofort wieder für RB Leipzig. Also dort, wo er es in der Saison 2019/2020 auf bärenstarke 28 Bundesliga-Tore brachte und den FC Chelsea damit dazu veranlasste, über 50 Millionen Euro Ablöse an die Sachsen zu überweisen. Werner gehörte damals zum Tafelsilber des deutschen Fußballs. Nach zwei oft freudlosen Jahren in London kommt er nun aber mit einigen Kratzern versehen zurück. Und: Nur weil Werner künftig wieder mit zwei roten Bullen auf dem Trikot aufläuft, verleiht ihm dies nicht zwangsläufig wieder Flügel. Es ist ein Deal mit Risiko.

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Seit Werners Abschied von RB ist bei den Leipzigern so manches nicht mehr wie es einst war. Statt von Julian Nagelsmann wird die Mannschaft von Domenico Tedesco trainiert. Die Spielweise hat sich entsprechend verändert. Man setzt häufiger auf Kombinationen als auf den Steilpass, den der pfeilschnelle Werner so liebt. Aus einstigen Top-Talenten wie Dani Olmo und vor allem Christopher Nkunku sind mittlerweile Top-Stars geworden. André Silva meldet ebenfalls Ansprüche auf einen Platz in der erstklassig besetzten RB-Offensive an. Der derzeit verletzte Yussuf Poulsen ist auch noch da. Der einst als Werners Nachfolger verpflichtete Alexander Sörloth will seine Chance im zweiten Anlauf nutzen. Kurz: Definitiv gesetzt scheint Werner nicht.

Es spricht allerdings für ihn, dass er sich dieser Herausforderung stellt – und offenbar im Vergleich zu seinem glänzend dotierten Chelsea-Vertrag auf die eine oder andere Gehaltsmillion verzichtet. Der 26-Jährige wird aber auch wissen: Er steht nun noch mehr als auf der Insel im Fokus. Viele werden den Werner von 2020 erwarten. Mit einer Torquote, die Erfolge garantiert. Ein holpriger Start wäre zwar verständlich, da Werner keine Sekunde der Saisonvorbereitung absolvierte, sich an System, Trainer und Kollegen gewöhnen muss. Doch wie viel Geduld bringt das Umfeld auf? Schon bei der Nationalmannschaft gerät Werner bei manchem Kritiker schneller in den Fokus als andere Spieler.

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Der Stürmer steht also gehörig unter Druck. Einfacher als in London ist die Aufgabe in Leipzig nicht. Aber sie ist auch eine Chance: Sollte Werner die Erwartungen erfüllen, würde er es allen Zweiflern beweisen. Und wohl plötzlich wieder zu einem Hoffnungsträger für die gesamte Fußball-Nation werden. Wenn es in der DFB-Auswahl irgendwo hapert, dann im Angriff. Dort, wo Werner zuletzt fast immer spielte – mit spürbar angekratztem Selbstvertrauen. Eine neuerliche Erfolgsgeschichte bei RB würde auch die Aussichten der Nationalmannschaft in Katar erheblich erhöhen. Dann wäre auch auf den zweiten Blick alles perfekt.