23. November 2021 / 09:46 Uhr

Tischfußball als Sport: Wie Fifa, aber in echt

Tischfußball als Sport: Wie Fifa, aber in echt

Bruno Tschoner
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Konzentration, Technik, Taktik und gute Nerven: Darauf kommt es beim Sport Tischfußball an.
Konzentration, Technik, Taktik und gute Nerven: Darauf kommt es beim Sport Tischfußball an. © SxD Bildersturm
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Kickern oder krökeln: Die Meisten kennen das wohl vor allem als Spiel in der Kneipe oder dem Vereinsheim. Doch eine wachsende Community betreibt Tischfußball als ernsthaften Sport. Vor allem mit dem E-Fußball gibt es viele Gemeinsamkeiten.

Das Runde muss ins Eckige. Dieses einfache Spielprinzip gilt auch beim Tischfußball, der als Sport gerade einen Aufschwung erlebt und olympisch werden soll. Dabei erinnert „Kickern“ etwas an E-Sport. Am Tisch wird man wie in der Fußballsimulation zum Dirigenten seiner elf Figuren, die man koordiniert und steuert. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass diese beim Tischfußball aus Plastik und an Stangen fest am Tisch montiert sind. Goalie, Verteidigung (2er-Reihe), Mittelfeld (5er-Reihe) und Sturm (3er-Reihe) werden analog per Hand bewegt.

Ziel: Tischfußball bei Olympia

Tatsächlich ist die Parallele zum E-Sport interessant, denn der Tischfußball ist immer wieder mit einer ähnlichen Frage konfrontiert: „Ist das denn überhaupt Sport?“ Der E-Sport hat mit dieser Frage nahezu aufgeräumt, zu populär ist er in den letzten Jahren geworden. Verbände wie der Deutsche Tischfußballbund (DTFB), Vereine und Aktive betreiben viel Arbeit, damit die Entwicklung des Kickerns ähnliche Formen annimmt. Er soll der breiten Masse als Sport aufgezeigt und vor allem zugänglich gemacht werden. Das Ziel: Tischfußball als olympische Sportart. 

Doch worauf kommt es eigentlich beim Spiel, das man gemeinhin eher aus der Kneipe, dem Jugendzentrum oder der Firma kennt? Wer schon mal an einem Kicker stand weiß, dass allemal Auge-Hand-Koordination eine Rolle spielen. Reflexe, gute Intuition und ein gewisses Ballgefühl schaden nicht. Wer dann noch schnell und hart abziehen kann, der braucht nur noch etwas Glück, dass die Bälle reinspringen und hat damit schon gute Karten. Das mag fürs Kneipen-Kickern stimmen. Für ambitionierte Spieler ist es aber deutlich zu wenig.

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Je besser die Spielenden, desto weniger spielt der Faktor Glück eine Rolle. Ligaspieler und -spielerinnen (Bundesliga bis Bezirksliga gibt es) versuchen, mit ausgeklügelten Techniken das Spiel zu kontrollieren. Sie passen vom Mittelfeld in den Angriff, schießen nach bestimmten Mustern. Pass- und Schusssysteme heißt es im Tischfußball.

Jet: Erst klemmen, dann schießen

Eines der beliebtesten Schusssysteme ist der „Jet“. Der Ball wird unter der Puppe eingeklemmt. Aus dieser Startposition kann bei Geübten nun die ganze Bandbreite des Tores bedient werden. Mitten rein, in die lange Ecke oder schräg zwischen die Verteidigerpuppen, nichts ist unmöglich. In einer Geschwindigkeit, die das menschliche Auge kaum erfassen kann. Der technische Kniff ist, den Griff der Stange am Handgelenk anzusetzen und durch eine Kurbelbewegung nach oben den Schuss auszulösen. Die Puppe dreht sich genau um die erlaubten 360 Grad und trifft wuchtig auf den Ball. 

Für den Gegner kommt der Schuss ansatzlos ohne Vorankündigung, das macht ihn so schwer zu verteidigen und deshalb zu einem effektiven Mittel. Und darauf kommt es im Sport Tischfußball an. Die Quoten müssen stimmen. Die eigenen Pässe anbringen, die Schüsse versenken und immer wieder in der Defensive gut stehen.


Tischfußball: Eindrücke einer temporeichen Sportart

Technik-Training alleine am Tisch

Topspieler- und Spielerinnen versenken an guten Tagen 75 Prozent ihrer Schüsse im Tor, und das gegen Gleichwertige und vor allem unter höchstem Druck. Darauf bereiten sie sich akribisch, oft stundenlang alleine am Tisch vor. Hundertfach werden technische Abläufe wiederholt und erprobt, Drucksituationen werden simuliert.

Mehr zu Tischfußball

Das sind nur ein paar Facetten, des komplexen Sportes Tischfußball, über den der SPORTBUZZER auf seiner Themenseite Tischfußball berichtet. Das grundsätzlich Schöne am Kickern ist, dass es jede und jeder spielen kann. Es gibt so gut wie keine körperlichen Voraussetzungen dafür. Und es lassen sich bereits mit kleinen Tipps und Kniffen am Tisch schnell Erfolge erzielen, sodass der Verliererschnaps beim nächsten Spiel in der Kneipe garantiert auf dem Zettel des Gegners landet.