26. April 2020 / 11:44 Uhr

Nach 17 Jahren ist Schluss: Regionalligist SV Bolzum meldet Mannschaft ab

Nach 17 Jahren ist Schluss: Regionalligist SV Bolzum meldet Mannschaft ab

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sven Hielscher konzentriert sich fortan auf Job, Familie - und die Seniorentour. 
Sven Hielscher konzentriert sich fortan auf Job, Familie - und die Seniorentour.  © Michael Plümer
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Beim SV Bolzum geht nach dem Abstieg aus der Regionalliga eine kleine Ära zu Ende: Die erste Mannschaft wird abgemeldet, die Reserve rückt auf, geht aber künftig in der Bezirksliga an die Tische. Kapitän Sven Hielscher wird wohl pausieren, Vincent Senkbeil und Lukas Brinkop etwa wechseln nach Celle.

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Das war’s. Nach 17 Jahren endet beim SV Bolzum nicht nur die Regionalliga-Ära, sondern auch die des leistungsorientierten Sports. „Höherklassig ist hier erst mal Schluss“, sagt Sven Hielscher. Nach dem Abstieg in die Oberliga – als Tabellenvorletzter mit 6:20 Punkten – zeigen sich Auflösungserscheinungen. „Wären wir dringeblieben, hätte noch eine kleine Chance bestanden, weil man interessierten Spielern eine bessere Perspektive hätte bieten können“, sagt der Kapitän.

Als 26-Jähriger nach Bolzum gekommen

Er selbst kam vor 17 Jahren unmittelbar nach dem Aufstieg vom TTC Finow Eberswalde nach Bolzum. „Hier wird versucht, mit jungen Spielern eine gute Mannschaft aufzubauen, das reizt mich“, wurde der damals 26-Jährige am 19. Juli 2003 anlässlich seiner Verpflichtung zitiert.

Der Reiz hielt mehr als anderthalb Jahrzehnte, doch nun zieht es Hielscher fort. Obwohl er noch gar nicht weiß, wohin. „Bis Ende Mai habe ich ja noch Zeit, aber voraussichtlich werde ich pausieren“, sagt der Münderaner. Das Team bricht auseinander, die bisherige Reserve wird nach Ende der Corona-Pause als Erstvertretung in der Bezirksliga an die Tische gehen. Selbst regelmäßig dort – fünf Klassen tiefer als bisher – zu spielen, schließt Hielscher für sich aus.

So ging es beim SV Bolzum los: Sven Hielscher vor 17 Jahren.
So ging es beim SV Bolzum los: Sven Hielscher vor 17 Jahren. © Debbie Jayne Kinsey
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Jens Klingspon, seit 2009 in Bolzum und neben dem Mannschaftsführer die zweite Konstante, zieht es wieder zu seinem Heimatverein TTC Schwarz-Rot Gifhorn, dessen erste Mannschaft die Saison in der Landesliga Braunschweig auf einem Abstiegsplatz beendet hat.

Senkbeil und Brinkop im Paket nach Celle

Während Juan Carlos Luperdi noch kein neues Ziel benannt hat – er wird wohl nach Sachsen oder Sachsen-Anhalt zurückkehren –, wechseln Vincent Senkbeil und Lukas Brinkop im Paket zum TuS Celle, der sein Team aus der 2. Bundesliga in die Regionalliga zurückziehen wird. Andres Oetken schließt sich einem Verein im Raum Gütersloh an, wo er im Herbst eine Arbeitsstelle gefunden hat. Daniel Ringleb war ohnehin nur noch zu einem einzigen Einsatz gekommen und sieht seine sportliche Zukunft eher im Triathlon als im Tischtennis.

Und, was bleibt von 17 Jahren Bolzum? „Absolutes Highlight war die erste Meisterschaft“, sagt der Kapitän. „Klar freut man sich über jeden Titel, aber der erste ist schon was Besonderes.“ Viermal (2011 bis 2013 sowie 2016) kamen die Bolzumer als Erster ins Ziel; den Sprung in die 3. Bundesliga wagten sie dennoch nie. „Und ein Doppelspiel in Hamburg ist mir noch sehr präsent“, sagt Hielscher.

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Am 1. November 2008 ging es an der Elbe an die Tische. Zunächst um 14 Uhr beim Hamburger SV, anschließend um 19 Uhr bei den Tischtennisfreunden BVM Hamburg. „Beide Partien gingen über die volle Distanz“, sagt Hielscher. Insgesamt sieben Stunden und 45 Minuten lang, plus vorheriger Anreise, Hallenwechsel zwischen den Partien und nächtlichem Heimweg. „Das war körperlich eine ziemliche Tortur. Allerdings haben wir 8:8 gespielt und 9:7 gewonnen. Dann vergisst man schnell, dass man komplett am Limit war“, sagt Hielscher lachend.

Verabschiedung wird nachgeholt

Der Dauerbrenner bedauert, dass es für die abwandernden Akteure keine echte Verabschiedung geben konnte, die anlässlich eines Einladungsturniers zum 70-jährigen Bestehen der Sparte geplant war. „Aber das werden wir nachholen“, sagt Hielscher, der nicht verschweigt, dass er bei aller Wehmut über das Ende auch ein wenig Erleichterung verspürt. „Es war schon immer eine große Verantwortung für mich, weil ich wusste, dass es an mir hängt, ob es hier weitergeht“, sagt er.

Jetzt seien Job und Familie dran. Und internationale Turniere auf der Seniorentour. Mit seinem belgischen Doppelpartner Cédric Merchez – EM-Titelträger im Einzel der Senioren 40 – wollte der 42-jährige Hielscher heuer die Weltmeisterschaft in Bordeaux spielen. Das Turnier wurde verschoben. Doch 2021 wird Hielscher einer der 5700 Teilnehmer sein.