09. Januar 2022 / 18:44 Uhr

Leider ohne Zuschauer: Kolbermoor feiert souveränen Pokalsieg in Misburg

Leider ohne Zuschauer: Kolbermoor feiert souveränen Pokalsieg in Misburg

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Pokaljubel: Das Team aus Kolbermoor feiert in Misburg.
Pokaljubel: Das Team aus Kolbermoor feiert in Misburg. © Florian Petrow
Anzeige

Die Damen des SV Kolbermoor haben sich durch ein 3:0 gegen Langstadt den deutschen Pokal gesichert. Beim Final Four in Misburg gab es hochklassiges Tischtennis zusehen. "Es tut nur weh, dass wir ohne Zuschauer spielen mussten", so Organisator Uwe Rehbein.

Allzu lange kann Uwe Rehbein vom TTC Helga Hannover nicht stillsitzen in der Misburger Sporthalle. Der Organisator der großen Tischtennis-Pokalendrunde hat alle Hände voll zu tun – nicht zuletzt mit Klatschen. Und auch als der letzte Ballwechsel gespielt ist und der SV Kolbermoor als Pokalsieger feststeht, fällt der Druck noch nicht von ihm ab.

Anzeige

Wegen des Schulbeginns muss schnell alles abgebaut werden. „Aber es war wieder traumhaft, alle sind glücklich“, sagt Rehbein. Derweil feiern die Spielerinnen von Kolbermoor ihren 3:0-Finalsieg über den TSV Langstadt mit der deutschen Europameisterin Petrissa Solja. „Es tut nur weh, dass wir ohne Zuschauer spielen mussten“, so Rehbein.

Bilder vom Final Four um die deutsche Tischtennis-Pokalmeisterschaft der Damen

Bilder vom Final Four um die deutsche Tischtennis-Pokalmeisterschaft der Damen Zur Galerie
Bilder vom Final Four um die deutsche Tischtennis-Pokalmeisterschaft der Damen © Florian Petrow

Etwas Publikum gibt es aber doch, einige Teams und Trainer schauen zu und sorgen für etwas Stimmung, zudem sind 40 ehrenamtliche Helfer dabei. Die bekommen im Finale ein denkwürdiges erstes Einzel zu sehen, als Solja, die arge Rückenprobleme plagen, nach 5:0-Führung den letzten Satz mit 5:11 entnervt gegen Svetlana Ganina verliert. Das sei wie ein Break gewesen, so Kolbermoors Coach Michael Fuchs.

Anzeige

Und da­mit vorentscheidend. Dann gewinnen Kolbermoors Kristin Lang und Georgina Pota ebenfalls. „Auch wenn das hier mit 3:0 ausgeht, waren alle Spiele eng und gefühlt auf Messers Schneide“, so Fuchs, der es kurz nach dem Ende noch gar nicht glauben kann und ein Tänzchen mit dem Team auf die rote Matte legt, die eigens für das Turnier ausgelegt worden ist.

Champions-League-Sieger fliegt raus

Die spannendste Partie wurde jedoch im Halbfinale geboten. Da schlug Langstadt, eine Gemeinde mit 1400 Einwohnern in Hessen, den Triple- und Champions-League-Sieger TTC Eastside Berlin überraschend mit 3:2. Für die Berlinerinnen unterlag die deutsche Meisterin Nina Mittelham gegen Solja mit 0:3, dann setzte sich das Langstadt-Duo Chantal Mantz/Tanja Krämer in pa­cken­den fünf Sätzen mit spektakulären Ballwechseln durch.

„Wir haben jetzt so viel gewonnen, irgendwann muss­te es uns erwischen. Wir haben nicht am Limit ge­spielt, Langstadt hat verdient gewonnen“, sagt Mittelham. Ex-Nationalspieler Peter Franz, früher auch für den TTC Helga in der 2. Liga am Schläger und Europa-Geschäftsführer von Ausrüster Victas, ist dennoch begeistert: „Das war Weltklasse-Tischtennis – und wie immer alles super organisiert.“

Mehr Berichte aus der Region

Das sieht auch Claudia Herweg so, Präsidentin des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Sie ist überzeugt vom in Hannover erstmals getesteten neuen Format mit insgesamt zwölf Mannschaften nebst Qualifikationsrunde an einem Wochenende. „Das ist eine Chance für die Zweit- und Drittligisten und für die jüngeren Spielerinnen, sich einmal mit den Großen zu messen.“

Dass die ganz Großen des Tischtennis wieder in Hannover spielen, das würde sich Uwe Rehbein sehr wünschen. In zwei Jahren zu seinem 80. Geburtstag würde er gern mit den Partnern der SG Misburg und dem Badenstedter SC auch die deutsche Meisterschaft ausrichten – zuletzt war das vor 45 Jahren der Fall gewesen.

„Es wäre ein Traum, womöglich in der Swiss-Life-Hall mit Dimitrij Ovtcharov und Ruwen Filus“, sagt Rehbein. Dass Hannover den Zu­schlag bekommt, ist denkbar, stellt DTTB-Chefin Herweg fest: „Diese Pokalendrunde ist jedenfalls superschön und mit sehr viel Liebe organisiert worden. Aber Hannover müsste sich bald bewerben, die Planungen bis 2024 laufen bereits.“