24. März 2020 / 11:29 Uhr

Tischtennis in Zeiten von Corona: Netze aus Lego, Kontakt per WhatsApp

Tischtennis in Zeiten von Corona: Netze aus Lego, Kontakt per WhatsApp

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Improvisationstalent: Zurzeit darf TTC-Kapitän Thorsten Jung in der Halle nicht an die Platte, also wird der Wohnzimmertisch zur Tischtennis-Platte, Sohn Benjamin wird gleichzeitig bespaßt und gefördert. © Lea Rebuschat/Privat
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Ein paar Legosteine in die Mitte des Tisches als Netz gebaut, dann Schläger und Ball zur Hand. Los geht’s. Das Wohnzimmer wird zur Sportstätte. Thorsten Jung spielt mit seinem Sohn Benjamin (2) Tischtennis, „Naja, eher Ping Pong“, schmunzelt der Kapitän des Landesligisten TTC Gifhorn. Floris, mit acht Monaten der jüngste Spross, macht gerade ein Schläfchen. Trotzdem: Der 44-Jährige und seine Frau Silke sind in Zeiten der Corona-Krise noch mehr als sonst auch als Entertainer für die Kids gefordert.

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Garten sorgt für Abwechslung

„Das hält auf Trab, wir sind mit der Kinderbespaßung gut beschäftigt“, sagt der TTC-Kapitän, der bei Volkswagen Controlling – zurzeit im Homeoffice – arbeitet. Nur gut, dass die Familie vor drei Jahren in Braunschweig gebaut hat. „Wir haben einen Gartenanteil mit Sandkasten, Klettergerüst und Rutsche. Das sorgt natürlich für ein bisschen Abwechslung“, sagt Jung.

Mit seinen Teamkollegen vom TTC hält er Kontakt, über die gemeinsame WhatsApp-Gruppe werden Infos ausgetauscht. Das Wichtigste dabei: „Unseren Spielern und den Familien geht es gut“, berichtet Jung. Aber natürlich ist auch ein Thema, wie es mit der Landesliga-Saison wohl weitergehen wird. In der Tabelle steht das Team zwar auf einem Abstiegsplatz, hat aber weniger Spiele als die Konkurrenz absolviert. Das 9:6 bei der SG Rhume vom 8. März war das letzte Spiel der Staffel vor der Corona-Pause. „Wir sind danach ganz normal auseinandergegangen“, erinnert sich Jung. „Wir hatten uns vorgenommen in dieser spannenden Liga jetzt von Sieg zu Sieg zu eilen. Dann hat uns Corona ausgebremst.“

"Keine Variante ist optimal"

Der Spielbetrieb soll vorerst bis zum 17. April ruhen. „Da wäre die Saison vorbei.“ Was aus der Spielzeit wird, wird auch im Team heiß diskutiert. Verschiedene Szenarien wären möglich. Soll die Halbserie als Endstand gewertet werden? Dann wäre Gifhorn als Tabellensechster weiter Landesligist. Soll der aktuelle Tabellenstand als Endklassement gewertet werden? Dann wäre der TTC abgestiegen. Sollen die Spiele nachgeholt werden? Was ist dann mit der Wechselfrist, die am 30. Mai enden soll? „Keine Variante ist optimal“, sagt Jung. Auch Gifhorn hat natürlich Gespräche mit potenziellen Zugängen geführt, doch solange die Ligen-Zugehörigkeit ungeklärt ist, bleiben Fragen offen.

Trainieren und sich fit halten, bis es Antworten gibt, kann Jung nur bedingt. „Wir hätten zwar im Wohnzimmer Platz für eine Tischtennisplatte, aber dann würde sicherlich auch einiges zu Bruch gehen“, schmunzelt der TTC-Kapitän.

Wunsch nach Normalität

Also dienen Legosteine als Netz auf einem normalen Tisch, seine Jungs sind längst mit dem Lieblingssport des Vaters vertraut. „Ich kann mir auch vorstellen, selbst mal als Trainer zu arbeiten, wenn sie das Alter für den Vereinssport haben“, sagt der 44-Jährige. Um so den Generationenwechsel einzuläuten: „Dann kann ich mich als Spieler zur Ruhe setzen“, sagt Jung mit einem Augenzwinkern. Aber vorerst wünscht er sich, dass wieder Normalität ins Leben einzieht und er selbst mit seinem TTC wieder in einem Punktspiel an der Platte steht.

Jungs Tipps für die Zeit zu Hause

Buchtipp: „Echte Liebe, die Biografie von Borussia-Präsident Hans-Joachim Watzke. Ich bin Fan von Dortmund, kann das Buch nur empfehlen.“

Sporttipp: „Man kann jeden kleinen Tisch zur Tischtennis-Platte umfunktionieren. Notfalls ein paar Bücher als Netz nutzen. So bleibt man fit.“

Erholungstipp: „Füße hochlegen, einfach mal zur Ruhe kommen und entschleunigen. Für ein paar Stunden nicht online gehen und das Handy zur Seite packen. Und dann einfach mal über Dinge nachdenken, für die sonst keine Zeit ist.“

Mehr heimischer Sport

Interview: So ist die Lage im Tischtennis

Der Sport und die Corona-Krise: Viele Probleme betreffen alle Aktiven – und doch hat jeder Verband auch seine eigenen Sorgen. Sportbuzzer-Redakteur Henning Kampen hat mit den Funktionären gesprochen. Den Auftakt macht sein Interview mit Gerhard Henneicke, dem Vorsitzenden des Tischtennis-Regionsverbandes Gifhorn-Wolfsburg.

Wie verhält sich der Regionsverband während der Corona-Pandemie?

"Wir sind die unterste Ebene im Verband und richten uns nach den Landesverbänden, beziehungsweise dem deutschen Tischtennis-Verband. Wie der Spielbetrieb fortgeführt wird, das wird erst festgelegt werden, wenn man weiß, wie es weitergeht. Es ist noch nicht geregelt, wie die Saison überhaupt fortgeführt wird."

Wenn die Saison verlängert werden müsste, könnten beispielsweise die Hallen in den Sommerferien genutzt werden?

"Darüber ist noch nicht gesprochen worden, losgelöst davon wurden Hallen generell geschlossen. Das sollte im Kreis Gifhorn gelöst werden, damit während der Ferien gespielt werden kann. Allerdings würden die Sommerferien im Einzelnen nicht helfen, da Spieler sich ja vorher entschließen, den Verein zu wechseln."

Womit wir beim Thema Transfers wären...

"Am 1. Juli wären die Spieler für einen neuen Verein spielberechtigt. Wenn dann noch Begegnungen der Vorsaison stattfinden sollen, wie kann die Mannschaft dann noch in der Konstellation zusammenspielen?"

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

"Mein persönlicher Wunsch wäre, dass wir so schnell wie möglich wieder spielen können, dass wir den Stichtag einhalten können und die Punktspiele zu Ende bringen können. Es gibt aber einfach zu viele Unbekannten als dass man das heute so sagen kann."

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