03. April 2020 / 15:05 Uhr

Tischtennissaison vorzeitig beendet: Bolzum steigt ab, Langreder und Barsinghausen auf 

Tischtennissaison vorzeitig beendet: Bolzum steigt ab, Langreder und Barsinghausen auf 

Ole Rottmann und Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Für Juan Carlos Luperdi vom SV Bolzum (links) und Harald Fiedler vom TSV Langreder (rechts) ist die Saison vorzeitig gelaufen.
Für Juan Carlos Luperdi vom SV Bolzum (links) und Harald Fiedler vom TSV Langreder (rechts) ist die Saison vorzeitig gelaufen. © Michael Plümer / Uwe Serreck
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Nachdem der Deutsche Tischtennis-Bund am Mittwoch den Abbruch der Spielzeit 2019/20 verkündet hatte, zog auch der niedersächsische Verband nach. Auf- und Absteiger werden anhand der aktuellen Tabellenstände ermittelt - von einer Sonderregelung profitieren der TSV Barsinghausen und der TSV Langreder.

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Die Zusatzinformation des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen (TTVN) hat nicht lange auf sich warten lassen. Nachdem der Deutsche Tischtennis-Bund am Mittwochnachmittag erklärt hatte, dass die Spielzeit 2019/2020 ab sofort beendet sei und die Auf- und Absteiger sowie Meister anhand der Tabellenstände zum Tag des Abbruchs – dem 13. März – ermittelt würden, zog der TTVN nur wenige Stunden später nach.

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In einer eigenen Stellungnahme bestätigte der niedersächsische Dachverband die Ausführungen des DTTB und regelte zugleich den einzigen offenen Punkt aus dem Infoschreiben des großen Bruders: „Da es keine Relegationen geben kann, werden alle potenziellen Relegationsteilnehmer zu Siegern der Relegation erklärt. Das bedeutet, dass alle Tabellenzweiten die höhere Spielklasse angeboten bekommen und alle Tabellenachten in ihrer bisherigen Gruppe bleiben können.“

Bolzum steigt trotzdem aus Regionalliga ab

Im Tischtennis ist diese Lösung deshalb so überraschend, da die Teams während der laufenden Spielzeit (und damit auch zum Zeitpunkt des Abbruchs) oft eine unterschiedliche Anzahl an Spielen in ihrer Bilanz aufweisen. Dadurch ergeben sich mitunter kuriose Konstellationen. So steht zum Beispiel die TTG Hönnersum in der 1. Bezirksklasse 1 mit 29:5 Punkten nun als Meister fest, während dem SV Teutonia Sorsum II, der mit 28:0 Zählern eigentlich souveräneren Mannschaft, nur Platz zwei bleibt.

Klar hätten wir uns die Chance gewünscht"

„Die Verbände haben sich für die Lösung entschieden, die rechtlich am wenigsten angreifbar ist“, vermutet Sven Hielscher. Der Kapitän des SV Bolzum gehört mit seiner Mannschaft zwar nicht zu den „Verlierern“ dieser Regelung, als nun feststehender Absteiger aus der Regionalliga Nord aber zumindest zu den Teams, die sich mit Siegen noch hätten retten können, nun aber tatenlos den Gang in die niedrigere Spielklasse antreten müssen. „Klar hätten wir uns gewünscht, noch die Chance zu bekommen, uns gegen den Abstieg zu wehren“, sagt Hielscher. „Denn jede andere Wertung, die zuletzt im Gespräch war, hätte für uns auch zum Abstieg geführt.“

„85 Prozent aller Spiele bereits durchgeführt“

Die Saison komplett zu annullieren, hatte der DTTB verworfen, da „im Durchschnitt bereits circa 85 Prozent aller Spiele in den einzelnen Gruppen sportlich einwandfrei durchgeführt worden sind und diese große Anzahl an Ergebnissen bei der Wertung berücksichtigt werden sollte“, wie TTVN-Vizepräsident Dieter Benen in der Stellungnahme zitiert wird.

Viele andere Varianten wären mit der Wettspielordnung nicht in Einklang zu bringen gewesen, sagt Hielscher. Allerdings hätte man vielleicht demokratisch über einen außerordentlichen Verbandstag dort eine Änderung erwirken können, sinniert der SVB-Kapitän. „Aber letztlich ist es müßig, darüber zu diskutieren.“

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"Zusammensetzen funktioniert derzeit ja nicht"

Wie es in Bolzum – auch für ihn persönlich – nach dem Ende der ­17-jährigen Regionalligazugehörigkeit weitergeht, darauf weiß Hielscher momentan noch keine Antwort. „Wir haben ja nun früher als sonst Planungssicherheit“, sagt er mit etwas Galgenhumor. „Wir werden das jetzt erst mal sacken lassen und dann alles in Ruhe besprechen. Zusammensetzen funktioniert ja derzeit sowieso nicht.“

Langreder und Barsinghausen profitieren

Als Zweiter der Bezirksliga 4 hätte der TSV Langreder in die Relegation gemusst. Fraglich, ob dort der Aufstieg in die Bezirksoberliga geklappt hätte. Jetzt darf das Team ohne Entscheidungsspiele hoch. Sportwart Harald Fiedler macht keinen Hehl daraus, dass er es lieber sportlich geschafft hätte: „Es fühlt sich unbefriedigend an, und ich finde die Lösung nicht fair.“

Der TSV Barsinghausen ist mit 10:2 Punkten zwar die beste Rückrundenmannschaft der 2. Bezirksklasse 13, hätte bei regulärer Beendigung der Saison wegen des schlechteren Spielverhältnisses vermutlich aber nicht einmal die Relegation erreicht. Weil man ein Spiel mehr absolviert hat als der TSV Langreder II, dürfen die Barsinghäuser nun trotzdem in die 1. Bezirksklasse aufsteigen. „Das ist richtig super“, jubelt Kapitän Jan Bunzel, gibt aber zu: „Ich hätte nicht erwartet, dass die Entscheidung so fällt.“

Erst Meldungen für neue Saison bringen Klarheit

Beim TTV 2015 Seelze konnte man – zumindest was die Erstvertretungen der Männer und Frauen angeht – gelassen abwarten. Für beide Teams war vorher klar, dass es in der Verbandsliga Süd weitergehen wird. „Für mich ist es so die fairste Lösung“, sagt Kapitän Nils Lohmann. „Ich war kein Fan der Halbjahrestabelle.“ Auch diese Möglichkeit – den Stand im Winter als Saisonabschluss zu werten – stand schließlich zur Diskussion. „Ich vertraue aber darauf, dass es in manchen Fällen vielleicht doch noch flexibel gehandhabt wird“, sagt der Seelzer.

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Erst bei den Meldungen für die Saison 2020/2021 wird sich zeigen, welche Teams die für sie möglichen Spielklassen wirklich in Anspruch nehmen – und ob sich für andere doch noch Hintertürchen öffnet. In einem Punkt sind sich aber die meisten einig: Es gibt Wichtigeres als Tischtennis. Heiß diskutiert werden die neuen Entwicklungen dennoch.