22. Mai 2022 / 15:11 Uhr

Titel-Entscheidung zwischen Klopp und Guardiola: Wie sich die beiden Trainer zu Höchstleistungen antreiben

Titel-Entscheidung zwischen Klopp und Guardiola: Wie sich die beiden Trainer zu Höchstleistungen antreiben

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Auch dieses Jahr liefern sich Jürgen Klopp und der FC Liverpool mit Pep Guardiola und Manchester City ein enges Verfolgerduell um die englische Meisterschaft.
Auch dieses Jahr liefern sich Jürgen Klopp und der FC Liverpool mit Pep Guardiola und Manchester City ein enges Verfolgerduell um die englische Meisterschaft. © IMAGO/Sebastian Frej/ PA Images (Montage)
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Die Premier League ist so spannend wie lange nicht mehr: Tabellenführer Manchester City und Verfolger FC Liverpool trennt nur ein Punkt. Das Trainer-Duell zwischen "Reds"-Coach Jürgen Klopp und City-Trainer Pep Guardiola spitzt sich wieder einmal zu.

Jürgen Klopp hatte gerade Europas Fußball-Olymp erklommen, als ihn eine vertraute Stimme überraschte. Der Trainer des FC Liverpool absolvierte seine Interviews nach dem 2:0-Erfolg im Champions-League-Finale 2019 gegen Tottenham Hotspur in Madrid, da reichte ihm Physiotherapeut Lee Nobes ein Handy. Nobes hatte elf Jahre bei Manchester City gearbeitet und verfügte bei dem Klub immer noch über beste Kontakte. Klopp nahm das Handy und hörte am anderen Ende der Leitung Pep Guardiola. Der Spanier gratulierte seinem deutschen Kollegen, und dann sagten sie sich wieder den Kampf an. Oder, wie Klopp es formulierte: “Wir haben uns versprochen, dass wir uns in der kommenden Saison wieder gegenseitig in den Hintern treten werden."

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Das tun sie schon länger. Der Beginn des Duells liegt in der Zeit, als Guardiola den FC Bayern betreute und Klopp Borussia Dortmund. Seit rund fünf Jahren dominieren die Trainer mit Manchester City und Liverpool die Premier League. An diesem Sonntag kommt es am letzten Spieltag wieder einmal zum Showdown(17.00 Uhr, live bei Sky Ticket sehen [Anzeige]). Manchester City ist Tabellenführer und würde mit einem Heimsieg gegen Aston Villa die vierte Meisterschaft unter Guardiola sicherstellen. Liverpool muss zuhause die Wolverhampton Wanderers schlagen und hoffen, dass der Rivale Punkte lässt. Trainer von Manchester Citys Gegner Aston Villa ist übrigens Liverpool-Ikone Steven Gerrard. Er könnte seinem Herzensklub zur zweiten Meisterschaft der Klopp-Ära nach 2020 verhelfen.

Für Guardiola ist Klopp und der FC Liverpool ein “pain in the ass”

Es ist die Zuspitzung einer Saison, in der ein echtes Titelrennen eigentlich schon abgesagt war. Manchester City hatte zwischenzeitlich 14 Punkte Vorsprung und stand um den Jahreswechsel fast schon als Meister fest. Allerdings war die Tabelle ein Zerrbild, weil Klopps Mannschaft noch mehrere Nachholspiele hatte. Guardiola warnte stets davor, den Konkurrenten schon abzuschreiben. Ein “pain in the ass” sei Liverpool, ein hartnäckiger, nerviger Verfolger. Der Spanier wusste, wovon er sprach. Auf dem Weg zu seinen Zielen in England und Europa stand Liverpool immer wieder im Weg in den vergangenen Jahren.

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2018 wurde Guardiola zum ersten Mal mit Manchester City Meister, und das mit 100 Punkten – Rekord. In der Champions League scheiterte der Verein aber im Viertelfinale an Liverpool. Ein Jahr später lieferten sich die Klubs ein Titelrennen für die Ewigkeit. Liverpool verlor nur eine einzige Partie und wurde trotzdem nur Vizemeister, gewann als Trostpreis aber die Champions League, wozu Guardiola am Handy gratulierte. 2020 holte Klopps Klub die erste Meisterschaft seit 30 Jahren. In der vergangenen Saison eroberte Guardiolas Mannschaft den Thron zurück. Liverpool konnte, geplagt von Verletzungen, nicht Schritt halten. Anders als in der laufenden Spielzeit. Der Verein könnte sogar Einmaliges schaffen, nämlich das “Quadruple” mit dem Gewinn von vier Titeln.

Englands Fußball-Publikum ist überzeugt, dass Guardiolas Manchester City und Klopps Liverpool zu den besten Mannschaften gehören, die es jemals gab. Es gilt auch als belegt, dass die Kontrahenten ihr Niveau nur wegen des jeweils anderen erreicht haben. “Wir haben einander in den vergangenen Jahren zu wahnsinnigen Leistungen getrieben”, sagt Klopp. Er bezeichnet Guardiola regelmäßig als den besten Trainer der Welt, dieser gibt die Komplimente zurück. Das Verhältnis der Trainer ist geprägt von Hochachtung und Herzlichkeit. Das ist neu für die Beobachter in England, die es gewohnt sind, dass auf dem Gipfel ein raues Klima herrscht. Sir Alex Ferguson und Arsène Wenger, die um die Jahrtausendwende mit Manchester United und dem FC Arsenal um die Vormachtstellung in der Premier League rangen, waren sich in tiefer Abneigung verbunden.

Zwischen Guardiola und Klopp fliegen auch schon mal Giftpfeile

Bei aller Wertschätzung fliegen auch zwischen Guardiola und Klopp gelegentlich Giftpfeile. Klopp hat in den vergangenen Jahren immer wieder die üppigen Transferausgaben von Manchester City kritisiert und damit Verwunderung beim Konkurrenten ausgelöst. Guardiola ließ zuletzt mit dünnhäutigen Kommentaren erkennen, wie sehr ihm das nervenaufreibende Titelrennen zusetzt. “Das ganze Land” würde Liverpool die Meisterschaft gönnen, klagte er. Damit bezog er sich wohl auf die Tatsache, dass alte Liverpool-Helden wie Jamie Carragher oder Steve McManaman mächtige Stimmen in der Welt der TV-Experten und Zeitungskolumnisten sind.

Das epische Duell der Trainer dürfte die Premier League noch länger prägen. Klopp hat seinen Vertrag gerade bis 2026 verlängert. Es verdichten sich die Anzeichen, dass auch Guardiola über das Ablaufdatum seines aktuellen Kontrakts im kommenden Jahr in England bleibt. Er hat seine Mission noch nicht erfüllt, nämlich den Gewinn der Champions League mit Manchester City. Klopp könnte das in diesen Tagen mit Liverpool schon zum zweiten Mal nach 2019 schaffen. Kommende Woche Samstag geht es im Finale in Paris gegen Real Madrid. Im Erfolgsfall würde Guardiola vermutlich wieder zu den ersten Gratulanten gehören.