05. Dezember 2019 / 11:44 Uhr

Titel-Triple: Ein goldenes Jahr für Hannovers Thai-Box-Weltmeisterin Acelya Akpinar

Titel-Triple: Ein goldenes Jahr für Hannovers Thai-Box-Weltmeisterin Acelya Akpinar

Jens Strube
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gewann in diesem Jahr drei Titel: Acelya Akpinar.
Gewann in diesem Jahr drei Titel: Acelya Akpinar. © Petrow
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Die NP-Sportlerwahl 2019 – am 21. Januar küren wir unsere Top-Athleten bei der Sportgala im Theater am Aegi. Sie bestimmen mit Ihrer Wahl, wer oben steht. Wir stellen täglich einen Kandidaten vor. Diesmal: Hannovers Thai-Box-Weltmeisterin Acelya Akpinar (16).

Acelya Akpinar, wie fühlen Sie sich nach dem sportlichen Jahr 2019?

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Mir geht es sehr gut. Für mich war das Jahr sehr, sehr erfolgreich. Ich habe meine drei Titel gewonnen – das erste Mal. Ich fühle mich richtig gut, dass ich jetzt endlich alle Titel in der Tasche habe.

Welcher Titel hat Ihnen in diesem Jahr am meisten bedeutet?

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Eindeutig der WM-Titel. Davor die Jahre bin ich zweimal Vize-Weltmeisterin geworden. Beim dritten Versuch habe ich jetzt endlich gewonnen. Das hat mich richtig glücklich gemacht. Aber die Kombi aus allen Titeln ist toll. Es war Bombe, die WM zu gewinnen. Danach aber auch noch die Europameisterschaft zu gewinnen, war natürlich noch geiler.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Kämpfe vor?

Ich höre Musik vor den Kämpfen. Das motiviert mich immer. Es macht auch mehr Spaß. Am liebsten mag ich da Deutsch-Rap und amerikanischen Rap. Drake zum Beispiel oder Travis Scott.

Haben Sie sonst noch Rituale vor einem Fight?

Eigentlich nicht. Ich versuche abzuschalten und nur an den Kampf zu denken. Da mache ich mir Gedanken, wie ich den Kampf im Ring angehen möchte. Da lasse ich mich auch nicht von meinen Gegnerinnen ablenken. Ich konzentriere mich voll auf mich.

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Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©

Als dreifache Titelträgerin gehen Sie jetzt immer als Favoritin in die Kämpfe. Sind Sie trotzdem nervös vor den Fights?

Ja, sehr. Da hat sich noch nichts geändert, auch wenn ich schon so viele Kämpfe gewonnen habe. Trotzdem bin ich, wie beim ersten Mal, noch immer nervös. Aber das gehört dazu. Man darf nur keine Angst haben. Das ist ein bisschen schwer einzuschränken, aber irgendwie geht das schon.

Sie sind noch Schülerin. Werden Sie dort verständnisvoll gefördert?

Meine Lehrer unterstützen mich sehr. Ich bekomme auch immer schulfrei vom Direktor, um die Meisterschaften bestreiten zu können. Das ist mir auch sehr wichtig, weil es gibt viele Kämpferinnen, die nicht mitfahren können, weil es ihre Schule nicht mitmacht. Und dafür bin ich sehr dankbar, dass ich wirklich – wenn ich nett frage – auch frei bekomme.

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Für den Sport sind Sie viel unterwegs. Wie stecken Sie das viele Reisen weg?

Das mit dem Reisen geht eigentlich, es macht sogar Spaß. Ich sehe dadurch viele Länder – Thailand und Weißrussland zum Beispiel. Man lernt dadurch viele Kulturen kennen. Unterricht verpasse ich auch nicht so viel, und wenn ich doch unterwegs bin, dann hole ich das alles nach. Das ist alles gut geplant.


Muay-Thai: Ist das ein brutaler oder ein fairer Sport?

Bei Muay-Thai werden Ellenbogen, Knie und so genutzt. Aber es ist alles fair geregelt. Es gibt Regeln im Ring, dass man zum Beispiel auf dem Boden nicht weiterschlagen darf. Die Schiedsrichter brechen auch Kämpfe ab, wenn sie denken, da wird es langsam gefährlich oder wenn sich eine Person nicht mehr gut fühlt. Dann werden die Leute auch im Ring angezählt. Bis jetzt ist mir aber noch nichts Schlimmes passiert, außer dass mir einmal die Nase gebrochen wurde. Da habe ich aber auch weitergekämpft.

Haben Sie Angst vor bleibenden Schäden durch den harten Sport?

Ich habe schon Sportler gesehen, die auch querschnittsgelähmt sind und im Rollstuhl sitzen. Aber Angst habe ich nicht davor. Wenn es passiert, dann passiert es halt, kann man nicht ändern. Ich mache trotzdem weiter, weil es einfach meine Leidenschaft ist.

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Was bedeutet Ihnen der Sport generell?

Mir bedeutet der Sport sehr viel. Ich könnte mir ein Leben ohne den Sport schon gar nicht mehr vorstellen, vor allem ohne das Kämpfen. Natürlich weiß ich, dass ich nach einem bestimmten Zeitpunkt irgendwann aufhören werde, wenn ich älter bin. Aber bis dahin ist ja noch lange Zeit und bis dahin sammele ich weiter Erfahrungen und hoffentlich noch mehrere Titel.

Haben die Familie und Freunde Einfluss?

Auf jeden Fall. Meine Familie unterstützt mich sehr. Mein Vater kommt überall mit hin, in die Länder, in die ich reise. Meine Mama muss wegen meinen Geschwistern zu Hause bleiben, aber sie unterstützt tatkräftig von dort aus.

Was sind die Ziele für das nächste Jahr und darüber hinaus?

Erstmal die deutsche Meisterschaft gewinnen, damit ich danach auch zur WM nach Malaysia fliegen kann. Die will ich natürlich auch gewinnen. Und sonst will ich auch gerne noch mal zur Europameisterschaft fahren. Langfristig möchte ich bei den Olympischen Spielen kämpfen. Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Ich werde in zwei Jahren auch 18, dann muss ich zur Erwachsenen-WM. Wenn man bei der Junioren-WM nichts erreicht hat, wird es schon schwer, bei den Senioren zu kämpfen.

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Zur Person

Die 16-jährige Acelya Akpinar ist gebürtige Hannoveranerin und besucht die 10. Klasse der IGS Bothfeld. Sie hat vor vier Jahren mit Muay Thai (Thai-Boxen) im Powerhouse Gym am Steintor angefangen und wird seitdem von Reza Zahirinasab trainiert. 2019 war sie die erfolgreichste Kampfsportlerin im Juniorenbereich (16 bis 17 Jahre).

In der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm gewann sie neben der deutschen Meisterschaft auch die Europa- und Weltmeisterschaft. In den Jahren 2017 und 2018 wurde sie bereits Vize-Weltmeisterin. Die Erfolgsathletin hat noch zwei jüngere Geschwister – eine Schwester (10) und einen Bruder (2).