09. Januar 2021 / 14:54 Uhr

"Wir können nicht zaubern": TKH-Teamchef Rodger Battersby im Interview

"Wir können nicht zaubern": TKH-Teamchef Rodger Battersby im Interview

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Zum Haare-Raufen: TKH-Teamchef Rodger Battersby weiß um die schwierige Situation des Bundesligisten
Zum "Haare"-Raufen: TKH-Teamchef Rodger Battersby weiß um die schwierige Situation des Bundesligisten © Florian Petrow
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Die Basketballdamen vom TK Hannover stecken im Tief. Im SPORTBUZZER-Interview spricht TKH-Teamchef Rodger Battersby über die Niederlagenserie in einer speziellen Bundesligasaison, die Position von Trainerin Juliane Höhne und korrigiert das Saisonziel.

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Die Basketballfrauen des TK Hannover stecken in der Krise. In der ersten Bundesliga setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge. Wir sprachen mit Teamchef Rodger Battersby über die schwierige Lage.

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Herr Battersby, sechs Pleiten am Stück: Sind Sie beunruhigt?

Beunruhigung ist nicht das richtige Wort. Wir müssen einfach mit den Tatsachen leben.

Die da wären?

Wir haben eine Gruppe von Centerspielerinnen im Kader. Davon sind zwei wichtige derzeit verletzt. Marleen Peek dauerhaft. Teja Gorsic seit Wochen mit einem Bänderriss. Dazu kam Morgan Pullins, die auch die ganze Zeit verletzt war und jetzt nicht mehr bei uns ist, weil sie sich nicht mit der Trainerin verstanden hat. Am Ende der letzten Saison hatte ich mit allen Spielerinnen im Kader gesprochen. Weil wir so eine homogene Mannschaft waren, war ich bereit, mit allen weiterzumachen. Alle haben zugestimmt. Dann erfährst du im Sommer, dass Birte Thimm geht und es sich auch Janne Pulk anders überlegt hat. Es war nicht ohne Weiteres möglich, sofort Ersatz zu bekommen auf diesen Schlüsselpositionen. Uns ist es nicht gelungen, diese Abgänge gleichwertig zu ersetzen.

Bilder vom Basketball-Spiel der Bundesliga zwischen den Damen des TK Hannover und Royals Saarlouis

Stephanie Gardner (rechts) hat mit ihren Mannschaftskolleginnen gegen Saarlouis keinen Sahnetag erwischt.   Zur Galerie
Stephanie Gardner (rechts) hat mit ihren Mannschaftskolleginnen gegen Saarlouis keinen Sahnetag erwischt.   ©

Das Transferfenster ist noch bis Ende Januar geöffnet.

Wir schauen uns jetzt um, ob wir auf der Centerposition noch jemanden bekommen. Es gibt nicht so viele Spielerinnen. Nicht in der EU und schon gar nicht in Deutschland. Das ist das Dilemma, in dem wir uns befinden.

Abgesehen vom Personal: Die Schwachstelle ist offenbar die Verteidigung?

Ja. Die Offense klappt einigermaßen. Aber die Abstimmung in der Verteidigung leider nicht so. Die etablierten Strukturen, wer hilft wo, wer organisiert das Spiel, gerade in der Verteidigung – das hat noch nicht funktioniert. Das muss man leider sagen. Wenn die Mannschaft 80 Punkte erzielt, nützt es nichts, wenn sie selbst 85 reinbekommt. Daran arbeiten wir mit der Trainerin, aber wir können nicht zaubern. Wir müssen mit dem leben, was wir haben.

Wie stehen Sie im Austausch mit der Trainerin?

Wir sprechen regelmäßig, ein- bis zweimal die Woche, vor allem nach den Spielen.

Bei einer solchen Pleiten­serie steht normalerweise der Coach zur Debatte. Hat Juliane Höhne Ihr Vertrauen?

Es ist eine Ausnahmesituation. Wir haben wie erwähnt Abgänge, die wir nicht gleichwertig ersetzen konnten. Wir haben eine Situation mit vielen Verletzten. Das tut uns weh. Das jetzt der Trainerin anzulasten ist eine Einstellung, die es in der ersten Fußball-Bundesliga gibt. Wir machen das hier nicht. Ich sehe keinerlei Handlungsbedarf, die Trainerin hat mein Vertrauen. Wir machen nach der Saison eine Analyse, was war gut, was kann man besser machen. Dann sehen wir weiter.

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Muss der TKH die Saisonziele korrigieren?

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Was kann man unter diesen Bedingungen für Saisonziele ausgeben? Die letzte Saison wurde abgebrochen. Wir haben auch jetzt ständig Spielausfälle. Es ist illusorisch zu glauben, dass das vor März anders sein wird. Wir müssen irgendwie versuchen, das Ding zu Ende zu bringen. Ich habe schon am Anfang der Saison spekuliert, ob die Saison unter den jetzigen Bedingungen pro­blem­los zu Ende geht.

Und was glauben Sie heute?

Wir haben nicht einmal die Hinserie erledigt. Die Unsicherheit bleibt. Klar, wir hatten immer das Minimalziel Play-offs. Und eigentlich auch den Wunsch, die obere Hälfte für die Play-offs zu erreichen. Das sehe ich aufgrund der ganzen Umstände gerade sicher nicht. Der Klassenerhalt wäre wünschenswert, keine Frage.

Also klare Sache: Abstiegskampf statt Play-offs?

Ja. Und warum sollte ich jetzt das Motto Play-offs ausgeben? Ich halte es für absurd und abwegig, diese Runde überhaupt Play-offs auszuspielen. Dass wir jetzt die Hauptrunde spielen, ist schon ein Aufwand, der schwierig genug zu bewerkstelligen ist. Wir operieren am Rande dessen, was sinnvoll und machbar ist.

Wie sehr fehlen die Fans?

Wir spielen in einer seltsamen Pandemiesituation. Wir spielen ohne Zuschauer. Niemand guckt zu, hinterher steht vielleicht ein netter Bericht in der Zeitung. Es ist schon schwierig, die Motivation aufrechtzuerhalten, bei allen Beteiligen.

Denken wir kurzfristig. Was geht für den TKH am Sonntag im Heimspiel gegen Freiburg?

Jede Serie muss irgendwann mal reißen. Wenn die Mannschaft es tatsächlich mal schafft, vier Viertel konstant durchzuspielen, und die Vorgaben umsetzt, dann ist das eine durchaus lösbare Aufgabe. Das waren die vorherigen auch, aber es gab immer diese Durchhänger zwischendurch. Das Potenzial hat die Mannschaft, sie muss es nur durchgängig abrufen.

Selbst wenn das Team erneut verliert, gibt es keine kurzfristigen Entscheidungen?

Auf keinen Fall.