19. Februar 2021 / 10:29 Uhr

Tobias Rau: „Fußball kann den Alltag für viele Leute erhellen"

Tobias Rau: „Fußball kann den Alltag für viele Leute erhellen"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Von 2001 bis 2003 spielte Rau für den VfL Wolfsburg (r.) von 2005 bis 2008 für Arminia Bielefeld (M.)
Von 2001 bis 2003 spielte Rau für den VfL Wolfsburg (r.) von 2005 bis 2008 für Arminia Bielefeld (M.) © imago images/Christian Schroedter
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Vorm Duell seiner Ex-Klubs spricht Tobias Rau im SPORTBUZZER-Interview über Arminia Bielefeld, den VfL Wolfsburg und seinen Job als Lehrer in Corona-Zeiten.

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Seine Bundesliga-Karriere begann in Wolfsburg, führte ihn zum FC Bayern und endete beim heutigen VfL-Gastgeber Arminia Bielefeld. Inzwischen ist Tobias Rau Lehrer für Sport- und Biologie an der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule in Werther vor den Toren Bielefelds. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 39-Jährige über seine Ex-Klubs und über seinen Schul-Alttag.

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Herr Rau, mussten Sie in dieser Woche mit Ihren Schülern das 3:3 der Arminia bei Bayern München durchkauen? Oder gibt es bei Ihnen an der Schule gar nicht so viele Arminia-Fans?

Doch, Arminia ist hier der Klub vor der Haustür, 15 Autominuten von Werther entfernt. Da gibt‘s schon viele Fans – aber es gibt natürlich auch die, die sich eher eine Mannschaft aussuchen, die häufiger gewinnt. Und das 3:3 wäre unter normalen Umständen auch in der Schule ein großes Thema gewesen. Aber auch bei uns findet der Unterricht gerade rein digital statt, da ergibt sich das dann nicht immer so.

Wie muss ich mir Ihren digitalen Lehrer-Alltag vorstellen?

Ich unterrichte meinen kompletten Stundenplan wie sonst auch - nur eben von mir zu Hause aus am Computer, die Schüler und Schülerinnen können mich hören und sehen.

Und Sie haben dann 20 kleine Videofenster mit Ihren Schülerinnen und Schülern auf dem Schirm?

Nur, wenn sie wollen. Man kann sie nicht zwingen, die Kamera anzumachen.

Bio-Unterricht kann man sich auf die Art noch vorstellen, aber Sport...

Klar, man stößt an seine Grenzen. Praxis-Elemente im Sport sind schwierig. Aber ich sage mir immer: Man kann es nur dann so gut wie möglich machen, wenn man nicht allzu viel darüber nachdenkt, was einem im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit fehlt.

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Denken Sie da manchmal, dass statt des Profi-Fußballs in Deutschland doch lieber der Schul-Alltag mit viel Aufwand am Leben gehalten werden sollte?

Nein. Natürlich sollte man den Fußball nicht wichtiger nehmen als andere gesellschaftliche Themen. Aber der Profisport hat nun einmal die Möglichkeit, ein sehr gutes Hygienekonzept umzusetzen. Ein Konzept, das meiner Meinung nach tatsächlich für größtmögliche Sicherheit sorgt. Und ich finde auch, dass der Fußball den Alltag für ganz viele Leute ein bisschen erhellen kann - was in dieser Zeit enorm wichtig ist.

Sollten Lehrer und Lehrerinnen bevorzugt geimpft und getestet werden?

Das sehe ich nicht. Testen lasse ich mich regelmäßig, aus eigenem Interesse. Man sollte da die Themenbereiche Schule und Fußball auch nicht vergleichen oder gegeneinander ausspielen, das eine hat ja mit dem anderem gar nichts zu tun. Es ist ja nicht so, dass man einfach Ressourcen aus dem Profifußball rausziehen und dann beispielsweise in der Schule nutzen könnte. Und was die Organisation der Impfungen angeht, vertraue ich denen, die das zu entscheiden haben.

Sie sind als Aufsichtsratsmitglied bei der Eintracht regelmäßig bei den Spielen in Braunschweig dabei?

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Ja, ich fahre zu jedem Heimspiel.

Macht die Eintracht gerade viel Arbeit?

Die sportliche Situation ist schwierig im Moment, ich versuche, mich da einzubringen. Aber ich sehe das nicht als Arbeit.

Sondern als anstrengendes Hobby?

Nicht anstrengend. Eher fordernd.

Die Stadien sind leer – ist das vor allem für Aufsteiger wie Bielefeld und Braunschweig ein Nachteil?

Ja, das tut Vereinen wie der Arminia, die ja endlich wieder in der Bundesliga spielt, besonders weh. Die Fans sind für die Teams, die eher als Außenseiter in die Spiele gehen, immer ein wichtiger Faktor. Und der fällt jetzt weg.

Wie sehen Sie die Arminia gerade?

Sie macht das Bestmögliche aus ihrer Situation. Wenn man die wirtschaftlichen Voraussetzungen sieht, dann sind die 18 Punkte mehr als man zu diesem Zeitpunkt erwarten konnte. Aber die Saison wird noch extrem lang, und der Schlüssel für den Klassenerhalt wird sein, dass die Mannschaft komplett ans Limit geht, in jedem Spiel. Und das ist extrem anstrengend, bisher haben sie es geschafft, aber sie müssen es durchziehen, um am Ende den Relegationsplatz zu erreichen.

Schlug beim Spiel am Montag eher Ihr altes Arminia-Herz oder Ihr altes Bayern-Herz?

Ehrlich gesagt, hätte ich mich in dem Moment echt über einen Sieg der Arminia gefreut - weil eine Sensation im Fußball immer ein bisschen interessanter ist als ein erwarteter Ausgang. Ich hatte vorher geahnt, dass die Bayern sich schwertun, aber nicht geglaubt, dass es so krass wird.

Und gegen Wolfsburg…

...wird es für die Arminia schwerer als es das Spiel gegen Bayern war. Der VfL macht es gerade sehr gut, hat auf allen Positionen eine gute Qualität. Und er hat Spieler, die den Unterschied ausmachen, die sich aber dabei nicht als Stars über die Mannschaft stellen. Das war in Wolfsburg ja nicht immer so. Und mir gefällt es auch, wie sich die sportliche Führung präsentiert. Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer, das sind zwei unterschiedliche Generationen, die sich mit ihrem unterschiedlichen Blick auf Fußball ergänzen. Das tut dem VfL gut.