20. November 2020 / 17:37 Uhr

Todesfelde-Sturmtank Morten Liebert im SHFV-Podcast: Deshalb würde ich nie wechseln!

Todesfelde-Sturmtank Morten Liebert im SHFV-Podcast: Deshalb würde ich nie wechseln!

Finn Hofmann
Lübecker Nachrichten
Morten Liebert ist der Torgarant beim SV Todesfelde und spricht im SHFV-Podcast über ein ereignisreiches Jahr 2020
Morten Liebert ist der Torgarant beim SV Todesfelde und spricht im SHFV-Podcast über ein ereignisreiches Jahr 2020 © Agentur 54°
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Nach Florian Petzold und Luca Sixtus ist Morten Liebert der dritte Todesfelder, der im Tormöwen-Podcast des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes Rede und Antwort stand. Im Gespräch mit Moderator Finn-Ole Martins spricht Liebert über das turbulente Jahr 2020.

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Vierköpfige Football-Fraktion innerhalb des Teams

Am Anfang des rund 20-minütigen Gesprächs geht es ausnahmsweise mal nicht um Fußball. Weil Liebert seinem Interviewer (virtuell) im Trikot der Pittsburgh Steelers (Amercian Football) gegenübersitzt, erzählt der 28-jährige Todesfelde-Stürmer von seinem Faible für eben jenen amerikanischen Volkssport. Vor allem James Harrison sei „eine Maschine“, von der sich Liebert via Instagram einiges in Sachen „Pumpen“ abschauen könne. Und sollte es mit der Fußballer-Karriere nicht mehr klappen – die Statur zum Football-Spieler bringt Liebert allemal mit. „Blocken und Bälle fangen wäre genau meins“, sagt er. Mit dem Interesse am Football ist Liebert allerdings nicht allein beim SVT. Zusammen mit Kai-Fabian Schulz und Fabian Landvoigt war Liebert zum Super Bowl zu Gast bei Emanuel Bento – inklusive Burger- und Wingsverzehr.

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Brisanter Wechsel von Hartenholm nach Todesfelde

Zurück zum Fußball – das Jahr 2020 war für Todesfelde bekanntermaßen ein sehr erfolgreiches. Im Winter gewannen die Blau-Gelben die Hallenkreismeisterschaft sowie das Hallenmasters in der Kieler Sparkassen-Arena. Auch um überhaupt einmal beim Masters auflaufen zu können, wechselte Liebert 2014 von Hartenholm zum Lokalrivalen nach Todesfelde. Dass seine Ex-Kollegen ein halbes Jahr nach seinem Weggang nicht nur am Masters teilnahmen, sondern den Pott auch gleich nach Hartenholm holten, gehört sicher zu den Geschichten, die wieder einmal nur der Fußball schreibt. „In der Nacht hat mein Handy gebrannt. Trotzdem habe ich das den Jungs natürlich gegönnt und die Party war dementsprechend. Dass wir das Masters dieses Jahr dann gewinnen konnten, war für mich auf jeden Fall eine Genugtuung.“

Rivalität zum TuS Hartenholm zuletzt eingeschlafen

Apropos Hartenholm. In all den Jahren, in denen sich der TuS mit dem SVT in der Oberliga duellierte, wuchs die Rivalität zwischen den zwei Dorfklubs, die lediglich zehn Kilometer trennt. „Das lag natürlich auch daran, dass sich viele Spieler privat kennen. Als ich in Hartenholm war, haben wir das Derby schon sehr ernst genommen und Todesfelde auch. Das wurde jetzt mit den Jahren aber immer weniger und ist nun nicht mehr so präsent wie damals“, so Liebert. 2017 stieg der TuS Hartenholm aus der damaligen Schleswig-Holstein-Liga in die Landesliga ab. Das letzte Aufeinandertreffen gab es im September 2018. Damals gewann Todesfelde im Halbfinale des Kreispokals dank eines Treffers von Sebastian Bruhn mit 1:0.

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Sportlich viele Titel, Zepter intern weitergereicht

Der Sieg beim Hallenmasters im Januar 2020 scheint mit Blick auf die nun schon seit März andauernden Corona-Einschränkungen wie aus einer anderen Welt. „Es kommt einem wie eine Ewigkeit vor“, bestätigt Liebert, der mit „Tofe“ zuletzt zwar viele Titel gewann. Den internen Feierbiest-Titel musste er hingegen abgeben.

Niklas Stehnck neuer Partykönig beim SV Todesfelde

„Da haben mich CJ (Christian Jaacks, Anm. d. Red.) und Niklas Stehnck abgelöst. Gerade Niki hat Fabian Schulz und mich da vom Thron geschubst. Der hat am Tresen noch mehr Gas gegeben und richtig Meter gemacht. Kai und ich waren früher oft zusammen los, gelegentlich auch mal vor dem Spiel. Das würden wir heute aber nicht mehr machen“, schränkt Liebert ein. Seitdem er sich in festen Händen befindet, sei er ruhiger geworden. „Das heißt aber nicht, dass ich nach dem Landespokalfinale nicht gefeiert hätte. Natürlich haben wir in der Kabine einen gehabt. Und danach wurden wir im Dorf mit Feuerwerk empfangen und haben die Nacht zum Tag gemacht. Es ist unglaublich, wie die Jungs aus dem Dorf aus den wenigsten Möglichkeiten das Maximum herausholen“, schlägt er den Bogen zum Vereinsleben im SVT.

SV Todesfelde-Torjäger Morten Liebert: „Das größte, was ich fußballerisch erreicht habe!“

Angesprochen auf die neue LED-Wall und der Aufrüstung des Joda-Sportparks zur Durchführung des DFB-Pokalspiels gegen den VfL Osnabrück (0:1) kommt Liebert ins Schwärmen: „Da mitzuspielen ist das größte, was ich fußballerisch erreicht habe. Es war schon komisch, die ganzen Sky-Kameras zu sehen. Hammer, dass der Verein es hinbekommen hat, dass wir zu Hause spielen durften. Das ist schon ein geileres Feeling als zum Beispiel in Lübeck.“

Anspannung wie vor dem Kindergeburtstag

Auch wenn es am Ende nicht das große Los à la Bayern oder Dortmund werden sollte – die Anspannung auf den Zweitligisten stieg je näher der Anpfiff rückte immer höher. „Ich konnte gut einschlafen, aber nach dem Aufstehen habe ich bei der Gassirunde mit dem Hund gemerkt, dass das Kribbeln im Bauch größer wurde. Seit dem Masters treffen wir uns als Mannschaft morgens, gehen laufen, trainieren und essen noch zusammen. Das dämpft dann die Aufregung. Aber trotzdem ist da diese positive Anspannung wie damals als Kind vorm Geburtstag.“

"Wie soll ich das ansatzweise 90 Minuten durchhalten?“

Liebert begann gegen Osnabrück als einzige Spitze und hatte schon im ersten Durchgang gleich zwei Abschlüsse, die das Tor nur knapp verfehlten. „Das Spiel war anstrengend. Ich bin nicht für meine Laufkünste berühmt, sondern bin eher lauffaul. Das kann ich mir auch ständig von meinem Coach (Sven Tramm, Anm. d. Red.) anhören. Das erste Mal, als ich auf die Uhr guckte, weil ich schon richtig am Pumpen war, war nach ungefähr sieben Minuten. Da habe ich mich gefragt, wie ich das ansatzweise 90 Minute durchhalten soll. Man hat schon gemerkt, dass die Jungs vom VfL nichts anderes machen, als Fußball spielen. Wenn die schon so gut sind, wie gut müssen dann Bayern und Co. sein?“ Der SVT verlor am Ende knapp, jedoch verdient mit 0:1. „Wir haben uns gut verkauft“, stellt Liebert klar.

SVT: Geiler Mix aus leistungsorientiert und Kreisliga

Auf die Frage, was die Mannschaft des SVT so stark macht, schlägt Liebert in die selbe Kerbe wie schon seine Vorredner Petzold und Sixtus: „Wir haben einen geilen Mix aus guten leistungsorientierten Kickern und Kreisliga. Im Training und Spiel haben wir absoluten Fokus, haben aber gleichzeitig auch die Lockerheit und gehen nach dem Spiel los, machen Kabinenpartys oder trinken zusammen ein Bierchen. Das macht richtig Spaß. Deshalb würde für mich auch niemals ein Wechsel in Frage kommen. Und so geht es vielen in der Truppe!“

Fitness-Programm mit Nachbar Fabian Landvoigt

Trotz der vielen Highlights im Vorlauf des Oberliga-Auftakts glaubt Liebert nicht, dass das für einen Spannungsabfall gesorgt hat. „Das war nicht so ein großes Problem. Ich wohne über Fabian Landvoigt, mit dem ich viel zusammen laufen war und Kraftsport gemacht habe. Je länger die Pause dauerte desto mehr haben wir den Fußball vermisst. Wir haben uns riesig auf den Liga-Alltag gefreut und waren heiß. Dementsprechend sind auch die Ergebnisse ausgefallen“, richtet „Mo“ den Blick auf die Tabelle, in der Todesfelde mit 16 Punkten nach sieben Partien von der Spitze grüßt.

Niederlage gegen Oberliga-Kontrahent SV Eichede war „unnötig“

Die einzige Niederlage (1:3) setzte es gegen den SV Eichede, aktuell Tabellenzweiter mit 12 Punkten, jedoch auch zwei gespielten Partien weniger. „Das war unnötig. Das soll keine Ausrede sein, aber wir hatten an dem Tag viele verletzte (unter anderem fehlten die Stammkräfte Stehnck, Pajonk, Schulz, Szymczak, Anm. d. Red.). Da wäre mehr drin gewesen. Im Dezember hätten wir das Rückspiel gehabt und wären heiß gewesen“, sagt Liebert, der in der Mannschaft gemeinsam mit Dennis Studt das Amt des Trikotwartes bekleidet.

Harsche Kritik für DJ Bento

Als obligatorisch gilt im Tormöwen-Podcast die Fütterung der „Kabinensongs“-Playlist auf Spotify, zu der jeder Gast drei Lieder beisteuern kann. Für die Musik in der SVT-Kabine zeichnet Emanuel Bento verantwortlich, mit dessen Arbeit Liebert nicht wirklich einverstanden ist: „So gern ich ihn habe, muss ich ihn da kritisieren. Mit seiner Musik kann ich nichts anfangen“, scherzt Liebert, der folgende Songs in die Playlist packt: Von The Notorious B.I.G. „Hypnotize“ - also jener Song, der im Joda-Sportpark ertönt, wenn die Nummer 11 mal wieder eingenetzt hat. Zudem schaffen es Gzuz und LX mit dem Song „Schnapp“, sowie der Party Mix von PUR in die Playlist.

"Benni Klimmek hat sich legendär gemacht!“

Im Tormöwen-Gekreische geht‘s um schnelle Antworten ohne viel Überlegen und Erklären. Liebert ist ein Warmduscher, entscheidet sich fürs 1:0 statt 5:4, „weil sonst der Trainer sauer ist“, hat früher in HSV-Bettwäsche geschlafen, ist Langschläfer, wäre gerne beim Spiel HSV gegen Arsenal dabei, entscheidet sich für Thierry Henry statt Simon Terrodde. Die Entscheidung ob Westermann oder Diekmeier fordert den Stürmer heraus, er antwortet: „Gar keinen von beiden, weil mir beide zu viel Kummer bereitet haben“. Und auch die Entscheidung zwischen dem Ex-Todesfelder Brüderpaar Sebastian und Benedict Klimmek fällt schwer: „Ich feiere beide, aber am Tresen hat sich Benni beim Oktoberfest legendär gemacht.“ Zu guter Letzt schlägt das Pendel zu Pizza statt Pasta und zum Winter statt zum Sommer…