28. März 2021 / 18:25 Uhr

Tokio kein Thema: Kanu-Olympiasiegerin Franziska John in der Babypause

Tokio kein Thema: Kanu-Olympiasiegerin Franziska John in der Babypause

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Das zuletzt schwächelnde deutsche Frauen-Kajak-Team muss im Olympiajahr auf Top-Athletin Franziska John verzichten. 
Das zuletzt schwächelnde deutsche Frauen-Kajak-Team muss im Olympiajahr auf Top-Athletin Franziska John verzichten.  © Soeren Stache/dpa
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Es ist ein anderes Doppelglück für die Potsdamerin, die bei den Sommerspielen 2012 und 2016 je zweimal auf dem Podium stand: Nun wird sie nach der Geburt ihrer Zwillinge bei Olympia 2021 nicht dabei sein, hat aber sportliche Zukunftspläne. 

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Franziska John hat das olympische Flair schon ausgekostet. 2012 und 2016 nahm die Kanutin des KC Potsdam im OSC an den Spielen teil und holte unter ihrem Geburtsnamen Weber jeweils zweifach Edelmetall (einmal Gold, dreimal Silber). Olympia in Tokio 2021, sofern es dazu überhaupt kommt, wird sie nun definitiv nicht als Aktive miterleben, erfreut sich aber stattdessen an einem anderen doppelten Glück: Anfang Januar brachte sie ihre Zwillinge Theo und Henri zur Welt. „Beide sind gesund. Wir sind happy“, sagt die Brandenburgerin, die mit dem ehemaligen Weltklasse-Kanuten Peter John verheiratet ist.

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Rückkehr ins Boot: "Schön, aber auch schön anstrengend"

Wenn am Osterwochenende die deutsche Paddelelite bei ihrer ersten von zwei nationalen Sichtungen den Kampf um die Olympiatickets aufnimmt, wird Franziska John, die über Jahre verlässliche Größe im Kajak-Team war, fehlen. Erst in der Vorwoche saß sie erstmals wieder nach der Geburt im Boot. Es sei schön gewesen, sagt die 31-Jährige und fügt lachend hinzu: „Aber auch schön anstrengend.“ Bis Ende Oktober hatte die viermalige Weltmeisterin noch trainiert, auf dem Wasser zuletzt jedoch im August, weil es mit der zusätzlichen Zweier-Fracht an Bord zu kompliziert wurde. „Als junge Familie suchen wir jetzt nach einem Rhythmus, dass mein Mann gut arbeiten und ich regelmäßig Sport machen kann“, sagt die Spitzenathletin, die zudem ein Bauingenieurswesenstudium betreibt.

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Ziemlich genau vor einem Jahr war Olympia in Tokio wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden. Dann sei es zur „glücklichen Fügung“ der Schwangerschaft gekommen, erzählt sie. Anfangs hatte John die Qualifikation für die Sommerspiele im Visier. „Aber ich musste bald einsehen, dass das in diesem Zeitfenster nicht zu machen ist.“ Anders war es einst bei ihrer Vereinskollegin Katrin Wagner-Augustin, die mit einigen Monaten mehr Abstand vor den Spielen 2012 Mutter geworden war und dann unter anderem mit der damaligen Weber im Vierer aufs Podest fuhr. Heute ist Wagner-Augustin als Zweifach-Mama Trainerin am Potsdamer Stützpunkt.

Lachendes und weinendes Auge beim Blick auf Saison

Für Franziska John ist es derzeit nicht das erste Mal, dass sie ihre Prioritäten anders ordnet. Schon in der Saison 2018 hatte die KCP-Paddlerin das Trainingspensum zugunsten des Studiums heruntergeschraubt. Dennoch konnte sie mit ihrer langjährigen Leipziger Bootspartnerin Tina Dietze WM-Gold im nicht-olympischen Zweier über 200 Meter bejubeln. 2019, bei der bisher letzten WM, blieben Deutschlands Kajakfahrerinnen nach anhaltendem Abwärtstrend dann in olympischen Bootsklassen medaillenlos. Und nun müssen sie vorerst auch noch ohne eine ihrer Galionsfiguren auskommen.

Mit dem lachenden Auge einer zufriedenen Mutter und dem weinenden Auge der leidenschaftlichen Leistungssportlerin werde sie jetzt die Saison verfolgen, sagt John. „Bisher weiß man ja auch noch nicht, was man von Olympia in Tokio halten soll. Wenn es stattfindet, wird es auf jeden Fall anders sein“, sagt sie. „Ich bin froh, dass ich die Spiele zweimal in vollem Glanz mitgemacht habe.“ Was nicht heiß, dass sie nicht mit einem dritten Mal liebäugelt. „Ich will mich jetzt erst einmal wieder heranpirschen und möchte dann auch wieder voll dabei sein“, betont John. Paris 2024 hat sie im Blick.