19. April 2021 / 18:00 Uhr

Tom Gröschel glückt der Marathon-Neustart

Tom Gröschel glückt der Marathon-Neustart

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Tom Gröschel (r.) posiert nach dem Marathon in Enschede mit Weltrekordhalter Eluid Kipchoge
Tom Gröschel (r.) posiert nach dem Marathon in Enschede mit Idol und Weltrekordhalter Eluid Kipchoge © privat
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Ein Erinnerungsfoto mit dem Idol und Marathon-Star Eluid Kipchoge versüßte Tom Gröschel das Renn-Comeback nach zwei Jahren ohne Zielzeit über 42,195 Kilometer. Der Mecklenburger quälte sich nach seinem zweiten Deutschen Meistertitel im Marathon lange von Reha zu Reha. Am Sonntag kam er beschwerdefrei zurück. Mit neuem Rekord und Selbstvertrauen.

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Die Uhr, die auf seiner eigenen Internetseite seine Marathon-Bestzeit anzeigt, muss Tom Gröschel noch stellen. 2:13:49 Stunden prangert dort noch. Seit Sonntag darf der Läufer des TC Fiko Rostock den Chronometer ordentlich zurückdrehen. Beim Elite-Rennen NN Mission Marathon auf dem Flugfeld von Enschede/Niederlande verbesserte Gröschel seinen Rekord auf 2:12:45 Stunden. „Ich habe viel investiert, viel riskiert und viel gewonnen!“, kommentierte der 29-Jährige das Rennen. Gröschels Marathon-Neustart ist geglückt.

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Vor fast genau zwei Jahren verteidigte Gröschel seinen Deutschen Marathon-Meistertitel in Düsseldorf in 2:13:49 Stunden. Der vorläufige Höhepunkt war zugleich sein bis Sonntag letztes Rennen über 42,195 Kilometer. Immer wieder Verletzungen und Reha. Fersensporn. Haarriss im Becken. Ödem am Kreuzbein. Immer wieder kämpfte er sich zurück. Vor dem Elite-Rennen in Valencia vergangenen Dezember habe er so viel trainiert wie nie zuvor. Doch in Spanien folgte der nächste Dämpfer. Gröschel musste vorzeitig aufgeben. Zudem liefen immer mehr nationale Konkurrenten unter Olympia-Norm. Mittlerweile haben vier deutsche Läufer die geforderten 2:11:30 Stunden für Tokio geknackt. Deutschland hat aber nur drei Startplätze. Gröschels großer Traum von den Olympischen Spielen, der nach dem Titel im Mai 2019 richtig Fahrt aufgenommen hatte, wird sich nicht erfüllen.

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Daher setzt sich der Polizist neue Ziele. Den Marathon in Enschede wollte er unbedingt beenden. „Es ging gut los. Ich musste ziemlich schnell anlaufen, weil meine Gruppe genau die 2:11:30 Stunden angepeilt hatte. So waren wir auf den Punkt bei der anvisierten Halbmarathon-Marke (1:05:30 Stunde)“, berichtet Gröschel. Die letzten zwei Flughafenrunden vorbei an den riesigen Boeing 747 wetzte Gröschel dann allein. „Wer zig Mal von seinem Trainer auf einer kurzen Strecke durch den Barnstorfer Wald in Rostock gescheucht wird, den schockt eine einsame Runde auf dem Flughafen nicht mehr“, sagt Gröschel mit einem Augenzwinkern Richtung Ex-Trainer Klaus-Peter Weippert.

Stattdessen bereiteten ihm die Muskeln Sorgen. „Die waren am Ende brutal fest. Ich hab gespürt: Wenn ich jetzt meinen Schritt zwei Zentimeter länger mache, dann zerreißt alles.“ Im Ziel war nicht nur Gröschel platt. „Als wir in den Reisebus einstiegen, um vom Flughafen runterzukommen, haben sich die Leute an allem hochgezogen, was da war. Selbst Eluid Kipchoge. Ihm ist nach einem Foto ein Handtuch von seinen Schultern auf den Boden geflogen. Er hat dreimal überlegt, ob er es aufhebt“, erzählt Gröschel lachend. Ein Foto mit seinem Idol, dem Weltrekordhalter und souveränen Sieger von Enschede, hat der Mecklenburger trotzdem bekommen. Als Andenken an den Rekordlauf.

„Ich habe neues Vertrauen in meinen Körper und neuen Mut, es immer und immer wieder zu probieren!“, lässt Gröschel via Instagram wissen. Und er wird es weiter probieren. Die EM in München und WM in Eugene/USA stehen 2022 an. Jetzt entspannt der Läufer aber erst einmal in der Heimat nahe Güstrow. Da bleibt Zeit, um die persönliche Rekorduhr neu zu stellen.