02. März 2021 / 07:27 Uhr

Tom Gröschel: Über Afrika und Hamburg nach Tokio

Tom Gröschel: Über Afrika und Hamburg nach Tokio

Christian Lüsch
Ostsee-Zeitung
Tom Gröschel (2. v.l.), hier beim Halbmarathon in Frankfurt/Main im September 2020, bringt sich in Kenia in Form, um doch noch die Normzeit für die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu knacken
Tom Gröschel (2. v.l.), hier beim Halbmarathon in Frankfurt/Main im September 2020, bringt sich in Kenia in Form, um doch noch die Normzeit für die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu knacken © imago images/Jan Huebner
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Am 11. April will der Rostocker Leichtathlet beim Marathon in Hamburg die Olympia-Norm doch noch erfüllen. Am Dienstag (2. März) startet für ihn eine weitere wichtige Etappe: Zum zweiten Mal in diesem Jahr reist Tom Gröschel ins Höhencamp nach Afrika.

Am Dienstag, 2. März, hebt Tom Gröschel ab. Zum zweiten Mal in diesem Jahr macht sich der Rostocker auf den Weg nach Afrika – ins Höhentrainingslager in Kenia. Der Langstreckenläufer feilt an seiner Form. Am 11. April will er in Bestform sein. „Beim Marathon in Hamburg habe ich die Chance, die Olympianorm zu erfüllen. Das ist mein Ziel“, erzählt der 29-Jährige. Spätestens nach zwei Stunden, elf Minuten und dreißig Sekunden muss Gröschel das Ziel erreichen, um eine Chance auf die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio zu bekommen.

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Dafür hat er sich im Januar beim ersten Trainingsaufenthalt im kenianischen Iten und im Februar in Bochum nicht geschont. „Das Programm hatte es in sich. In den vergangenen beiden Wochen bin ich jeweils 180 Kilometer gelaufen. Das hat ganz schön geschlaucht“, berichtet Gröschel. Die Umstellung auf das Wetter in Europa war extrem. „Ich bin genau zu dem Zeitpunkt aus Afrika heimgekehrt, als hier der Winter so richtig begann. Das war schon krass“, erzählt Gröschel von mehr als 30 Grad Temperaturunterschied. „An Laufen war zunächst aufgrund des vielen Schnees nicht zu denken.“ Dennoch sei er fleißig gewesen, sagt er.

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Trotz widriger Trainingsbedingungen gab es für den Polizisten Grund zur Freude. „Ich bin zum Polizeiobermeister befördert worden. Das war natürlich ein schöner Moment“, erzählt der Läufer, der in seiner beruflichen Karriere eines Tages gern zum Kommissar aufsteigen würde.

In den nächsten vier Wochen will er in Kenia im Trainingscamp auf 2400 Metern Höhe die Grundlage für seinen Angriff auf die Olympia-Normzeit, die zugleich eine Verbesserung seiner persönlichen Bestzeit (2:13,49) bedeuten würde, schaffen. Zwölf Tage bevor das Rennen in Hamburg startet, kehrt Gröschel dann nach Deutschland zurück.

Schwimmerinnen, Wasserspringer, Ruderer, Boxerinnen, Radsportler, Segler, Judoka, Goalballer, Leichtathleten, Fechter und Reiter: das sind die Kandidatinnen und Kandidaten aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich Hoffnungen machen, im Sommer 2021 bei den Olympischen Spielen beziehungsweise den Paralympics in Tokio dabei zu sein.

Tom Gröschel lief 2018 und 2019 zum deutschen Marathon-Meistertitel. Der Mann vom TC Fiko Rostock hat sich 2018 einen Fersensporn operativ  entfernen lassen. Er plant seinen Formaufbau akribisch. Mit dem Ziel: Start beim Olympia-Marathon in Tokio. Zur Galerie
Tom Gröschel lief 2018 und 2019 zum deutschen Marathon-Meistertitel. Der Mann vom TC Fiko Rostock hat sich 2018 einen Fersensporn operativ  entfernen lassen. Er plant seinen Formaufbau akribisch. Mit dem Ziel: Start beim Olympia-Marathon in Tokio. ©

Dass er beim Rennen auf dem 10,5 Kilometer langen Rundkurs im Hamburg überhaupt dabei sein kann, verdankt Gröschel der Saisonplanung von Amanal Petros. Der 25-jährige Deutsche mit eritreischen Wurzeln hat das Tokio-Ticket sicher und setzt in seiner Olympia-Vorbereitung auf einen Halbmarathon. So wird Gröschel in Hamburg gemeinsam mit Arne Gabius und Philipp Pflieger die beiden anderen Deutschen herausfordern können, die die Tokio-Norm ebenfalls schon geknackt haben: Hendrik Pfeiffer und Richard Ringer.

„Ich freue mich, dass ich überhaupt noch die Chance habe, mich in diesem Rennen zu präsentieren, denn nur fünf Deutsche dürfen starten.“ In Hamburg habe er nichts zu verlieren, versichert der deutsche Meister von 2018 und 2019. Sein Motto lautet „Alles oder nichts.“


Dem Erfolgs- und Erwartungsdruck versucht der Mann vom TC Fiko Rostock mit Lockerheit und Gelassenheit zu begegnen. Und mit Vorfreude: „Wenn ich mit Kipchoge in Hamburg an die Startlinie gehe, erfüllt sich ein ganz großer Kindheitstraum. Er ist mein ganz großes Idol. Mit ihm gemeinsam zu laufen, ist großartig“, schwärmt Gröschel, der sein Idol 2013 in Hamburg als Zuschauer laufen sah. Eliud Kipchoge ist der Marathon-Überflieger. Der 36-jährige Kenianer hält den offiziellen Marathon-Weltrekord (2:01,39 Stunden). Bei einem speziell auf ihn zugeschnittenen Lauf blieb er im Jahr 2019 als bislang einziger Mensch über die 42,195 Kilometer lange Distanz unter der magischen Zwei-Stunden-Marke (1:59,40). „Es ist geil und ein großes Privileg, mit ihm gemeinsam in einem Feld zu laufen“, betont Gröschel.

Unabhängig von der weiteren Entwicklung seiner Leistung und dem Ausgang seiner Olympia-Anstrengungen stellt Tom Gröschel neben seiner Gesundheit vor allem eines in den Mittelpunkt: seinen Spaß, zu rennen.