17. Mai 2020 / 14:26 Uhr

"Mein erstes Wort war Buball": Burgwedeler Tom Kinitz ist nah dran am Traum vom Profifußball

"Mein erstes Wort war Buball": Burgwedeler Tom Kinitz ist nah dran am Traum vom Profifußball

Maximilian Bosse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Aus der 96-Jugend bis ins Junioren-Nationalteam: Tom Kinitz schaffte es mit Talent und Fleiß weit.
Aus der 96-Jugend bis ins Junioren-Nationalteam: Tom Kinitz schaffte es mit Talent und Fleiß weit. © privat
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Bei den Minis vom TSV Isernhagen begann sein Weg, mittlerweile kickt der Burgwedeler Tom Kinitz in der U19-Bundesliga für Holstein Kiel. Auf seinem Weg dorthin hat der 18-Jährige schon einiges erlebt - und das soll es noch nicht gewesen sein.

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Man hätte schon sehr früh ahnen können, wohin die Reise geht. „Mein erstes Wort war Buball“, sagt Tom Kinitz. Schon seit seinem zweiten Lebensjahr spielt der in Großburgwedel geborene 18-Jährige auf Vereinsebene Fußball. „Eigentlich habe ich, seitdem ich laufen konnte, gegen den Ball getreten“, sagt Kinitz.

Und weil er das mit viel Freude, Fleiß und Ehrgeiz gemacht und zudem noch eine große Portion Talent hat, steht er kurz davor, sich seinen Traum vom Profifußball zu erfüllen.

Vom TSV Isernhagen über 96 zum VfL Wolfsburg

Angefangen hat alles bei den Minis vom TSV Isernhagen. Dort verbrachte er die ersten neun Jahre im Verein und überzeugte regelmäßig mit guten Leistungen. Ab 2012 begann die Sichtung zur Auswahl des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV), bei der Kinitz von Anfang an dabei war. Bereits ein Jahr später lud ihn Hannover 96 zum Probetraining ein. Er überzeugte und wechselte als Elfjähriger zum Bundesligisten. Das war der Startschuss, der erste große Schritt in seiner Fußballkarriere.

Anfangs brachte der Wechsel kaum Umstellungen mit sich. „Ich war viel Training und gleichzeitig Schule ja gewohnt. Daher war es für mich nichts Neues. Nur der Fußball an sich wurde nun deutlich ernster genommen“, sagt Kinitz. Die nächsten zwei Jahre kickte er erfolgreich beim 96-Nachwuchs, dann war es Zeit für die nächste Veränderung.

"Es gab viele Anfragen von nationalen Topklubs"

„Es gab viele Anfragen von nationalen Topklubs“, erinnert sich der Linksfuß. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich für einen Wechsel zum VfL Wolfsburg. Kinitz tauschte sein Kinderzimmer gegen einen Internatsplatz in einer fremden Stadt. „Meine Eltern haben seitdem bei fast jedem meiner Spiele zugeschaut. Da muss schon eine Menge passieren, damit sie nicht am Rand stehen“, sagt der Nachwuchsspieler.

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Frühreif: Kinitz überspringt einen Jahrgang

Im ersten Jahr als Wolfsburger lief alles wie am Schnürchen. Mit Kinitz wurde die U15 des VfL Meister, der Verteidiger übersprang daraufhin die nächste Jugendklasse und mischte den Kader der U17 auf. „Für mich war das der ideale Vertrauensbeweis. So etwas pusht dich extrem, und ich wollte meinem neuen Trainer das Vertrauen zurückgeben“, sagt Kinitz. Gesagt, getan: Unter allen Spielern seiner Mannschaft hatte er am Ende der Saison mit am meisten Einsatzzeit und wurde zum Kapitän gewählt.

Auch für die Jugendnationalmannschaft konnte er sich empfehlen, setzte sich gegen 150 Konkurrenten durch und schaffte es in den Kader des deutschen U15-Nationalteams. Im neu geformten Team debütierte er vor 3.365 Zuschauern in Leer gegen die Niederlande beim 1:0-Sieg als Innenverteidiger. „Ich bin glücklich, dass ich so etwas miterleben durfte. Es war unser erstes Spiel mit mehr als tausend Zuschauern. Man singt die Nationalhymne mit, es kamen Freunde und Familie zur Unterstützung von zu Hause – und gewonnen haben wir auch noch. Perfekt.“

Acht Einsätze im DFB-Trikot

Bis zur U17 absolvierte Kinitz acht Spiele und viele Lehrgänge im Trikot der DFB-Junioren und machte auch weiterhin eine gute Figur im Team der NFV-Auswahl. Cheftrainer Martin Mohs, der auch den Landesligisten Heeßeler SV trainiert, war und ist überzeugt von Kinitz’ Können: „Nicht ohne Grund war er mehr als fünf Jahre der Kapitän unseres Teams. Dinge, die das Trainerteam umsetzen wollte, hat Tom als verlängerter Arm vorbildlich vorgelebt und in die Mannschaft hineingetragen. So war er für uns stets eine zuverlässige Größe“, sagt Mohs.

Vor zwei Jahren führte Kinitz die NFV-Elf zum Triumph im Länderpokal mit einem 2:0-Sieg gegen den Mittelrhein. Besser hätte es nicht laufen können, ein krönender Abschluss für seine NFV-Jugendzeit.

Wechsel von Wolfsburg nach Kiel

Und auch in Wolfsburg, wo er neben dem Leistungssport bei VW seine Ausbildung zur Fachkraft für Dialogmarketing abgeschlossen hatte, brach Kinitz seine Zelte ab. Aufgrund seines auslaufenden Vertrages und der „besseren sportlichen Perspektive“ entschied er sich im Mai 2019 für einen Wechsel zu den A-Junioren von Holstein Kiel, die in der Bundesliga spielen. „Ich wollte den nächsten Schritt machen, es wurden viele Gespräche geführt. Bei so einer Entscheidung spielt mein Bauchgefühl auch eine sehr große Rolle“, sagt der Verteidiger.

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Harte Landung: Sarstedts Torschütze zum 3:1, Christian Schäfer, prallt hart auf den Boden.  ©

VfL-Abschiedstour nach China

Das Ende bei den Wölfen war das aber noch nicht. Kurz vor seinem Abschied bekam Kinitz die Möglichkeit, mit dem Profiteam nach China zu fliegen. Höhepunkt der PR-Tour war ein Test gegen die Männer von Eintracht Frankfurt im Rahmen des Foshan-Pokals. Zur Pause ersetzte der 18-Jährige den heutigen 96-Profi Sebastian Jung auf der linken Abwehrseite. Ein Profieinsatz beim Bundesligisten aus Niedersachsen – das hatte zuvor noch kein Spieler des Jahrgangs 2001 geschafft. „Mit den Leuten auf dem Platz zu stehen, die das erreicht haben, was ich selbst hoffentlich noch vor mir habe, war eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens“, sagt der Burgwedeler.

Im Sommer wechselt der Verteidiger in die U23 der Störche und wird in der Zweitligareserve der Kieler in der Regionalliga auflaufen. Der nächste Schritt auf einem Weg, der noch lange nicht zu Ende ist.