12. Februar 2021 / 11:15 Uhr

Tom Mickel im SPORTBUZZER-Interview: "Der HSV ist immer Gesprächsthema"

Tom Mickel im SPORTBUZZER-Interview: "Der HSV ist immer Gesprächsthema"

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
HSV-Ersatzkeeper Tom Mickel fällt für mehrere Wochen aus.
Trainingsweltmeister: Für den HSV springt Tom Mickel meist nur auf den Nebenplätzen des Volksparkstadions den Bällen hinterher. © imago images/Michael Schwarz
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Der Ersatztorwart Tom Mickel gilt beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV als treue Seele – vor dem Topspiel gegen Greuther Fürth erklärt der frühere Cottbuser, warum ihn die ewige Rolle als Nummer zwei nicht stört.

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SPORTBUZZER: Herr Mickel, wissen Sie eigentlich, wie viele Trainer Sie beim HSV hatten?
Tom Mickel (31): (lacht) Ich könnte sie alle nacheinander nennen und zählen, aber damit habe ich aufgehört.

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Was schätzen Sie denn, wie viele es gewesen sein könnten?
Zehn waren es bestimmt, oder?

DURCHKLICKEN: Der tolle Fight des FC Erzgebirge gegen den HSV

Trainer Dirk Schuster klatscht vor dem Spiel seines FC Erzgebirge Aue gegen den Hamburger SV in die Hände. Zur Galerie
Trainer Dirk Schuster klatscht vor dem Spiel seines FC Erzgebirge Aue gegen den Hamburger SV in die Hände. © Robert Michael/dpa

15.
Auf der Position hatten wir, wie andere Vereine auch, leider wenig Kontinuität.



Was spricht dafür, dass es unter Daniel Thioune nun besser läuft?
Wir als Mannschaft haben auch eine Verantwortung, die haben wir vielleicht in den letzten zwei Jahren zum Schluss der Saison nicht mehr zu 100 Prozent getragen. Aber wir haben alle daraus gelernt. Deswegen bin ich positiv gestimmt, dass wir unser Ding machen werden.

Nun kommt das Spitzenspiel gegen Fürth. Weiß die Mannschaft um die Bedeutung der Partie?
Wir haben das Hinspiel in Unterzahl gewonnen. Und wir wissen, dass es danach hieß, wir hätten nicht verdient gewonnen. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir Fürth auch verdient schlagen können und zu Recht da oben stehen.

Sie haben von 2013 bis 2015 für Fürth gespielt – wie groß sind die Unterschiede zum HSV?
In Fürth waren nur ein oder zwei Zeitungen beim Training, in Hamburg ist das mediale Echo natürlich deutlich größer. Ins Stadion passen 57.000, in Fürth 17.000. Der Verein ist einfach ein großer Traditionsverein. Fürth steht dagegen immer ein bisschen im Schatten vom 1. FC Nürnberg, was eigentlich gar nicht sein müsste, weil dort wirklich gute Arbeit geleistet wird. Der Verein ist eben ein bisschen familiärer, ich habe da jedenfalls gerne gespielt.

Was ist das Schöne an Hamburg, dass Sie Ihren Vertrag verlängert haben?
Ich habe mich in die Stadt und den Verein verliebt. Wenn man sieht, wie viele Menschen mit dem HSV mitfiebern wollen, ist das beeindruckend. Der HSV ist immer Gesprächsthema, es gibt überall Fans. Das ist geil, hier zu sein, darüber freue ich mich jeden Tag.

Sie sind beim HSV aber auch zum Inbegriff der Nummer zwei geworden. Stellt Sie das zufrieden?
Zufriedenheit ist für einen Torhüter ein schwieriger Begriff, weil man immer an sich arbeiten will. Ich versuche einfach, jede Woche zu zeigen, dass ich ein richtig guter Torwart bin. Das ist mein Antrieb. Der Trainer stellt mich dann auf – oder eben nicht.

Vor der Saison hat der Trainer den Kampf um den Stammplatz im Tor neu eröffnet – bis Bayerns Sven Ulreich kam. Wie haben Sie das erlebt?
Als Sven kam, hat mir der Trainer seine Sicht der Dinge klar und deutlich mitgeteilt; dass Sven die Nummer eins wird. Ich hatte trotzdem ein gutes Gefühl, weil ich mein Bestes gegeben habe und der Trainer mir die Entscheidung in einem ehrlichen Gespräch erläutert hat.

Sind Sie ein sehr geduldiger Mensch, wenn Sie so lange auf Pflichtspiel-Einsätze warten können?
Was heißt geduldig? Vielleicht ist das dann auch einfach der Lohn für die Arbeit, die ich investiert habe. Ich durfte Bundesliga spielen, 2. Liga, DFB-Pokal. Ich bin schon stolz auf das, was ich geschafft habe.

Oder ist es in Hamburg als Nummer zwei oder drei angenehmer als, sagen wir mal, 3. Liga in Meppen zu spielen?
Das hat ja nichts damit zu tun, dass man als Sportler sagt, ich ziehe mich ins zweite oder dritte Glied zurück und warte einfach ab. Dann würde das nicht funktionieren. Viele denken, wenn man lange bei einem Verein wie dem HSV ist und in dieser Position, dann macht man da ein bisschen Training, geht nach Hause und hat nichts zu tun. Aber man bleibt nur solange bei einem Verein wie dem HSV, wenn man auch etwas leistet – gerade, wenn man keine Spielzeit hat und öffentlich nicht wahrgenommen wird.

Wie wichtig war Energie für Sie?
Ich bin mit 13 Jahren auf die Sportschule gegangen und zu Energie gewechselt. Das war natürlich der Grundstein dafür, dass ich es in den Profifußball geschafft habe. Für mich war Cottbus das perfekte Umfeld, um als Sportler zu reifen.

Nur bei den Profis kamen Sie nie an.
Cottbus spielte damals Bundesliga. Die Durchlässigkeit in die erste Mannschaft war nicht so gegeben, weil der Erfolgsdruck natürlich hoch war und man mit aller Kraft in der Bundesliga bleiben wollte. Aber ich bin dankbar, dass ich dort meine Jugend verbringen durfte. Ich habe dort Abitur gemacht, habe meine Frau – mit der ich heute zwei Kinder habe – kennengelernt. Das ist schon die Basis meines Lebens.

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Welche Menschen haben Sie in dieser Zeit sportlich besonders geprägt?
Jens Melzig hat mich damals entdeckt; durch ihn bin ich in das Programm gekommen, habe unter ihm Probespiele für die Brandenburg-Auswahl bestritten. Er hat gesagt: Aus dem Jungen kann was werden. Jens Melzig hat mich sehr gefördert, auch Ronny Zeiß, mein damaliger Torwarttrainer, war wichtig. Mit Martin Männel, Sebastian Mielitz und mir hat er drei Torhüter auf ein sehr gutes Niveau gebracht.

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Ihr größter Traum: Nochmal ein Derbysieg gegen St. Pauli oder ein Ligaspiel gegen den FC Bayern?
Ein Aufstieg gekoppelt mit einem Derbysieg, das wäre das, wonach jeder HSV-Fan lechzt. Am 1. März ist es ja wieder soweit. Wenn wir einen Dreier holen würden, hätten wir nochmal richtig Euphorie.

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