22. Mai 2019 / 18:25 Uhr

Tom Persich erlebte mit Union Berlin das Drama von Osnabrück

Tom Persich erlebte mit Union Berlin das Drama von Osnabrück

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Bildnummer: 00861425  Datum: 09.07.2003  Copyright: imago/Contrast
Tom Persich (Union) am Ball; Vdig, hoch, Freisteller, Saisonvorbereitung 2003/2004, Anklam - 1. FC Union Berlin 0:1, Test, Testspiel Anklam Fußball 2. BL Herren Mannschaft Deutschland Einzelbild Aktion Personen
Tom Persich spielte von 1994 bis 2006 für Union und schaffte 2001 den Aufstieg in die 2. Bundesliga. © imago
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Bundesliga-Relegation: Die Berliner sind schon oft in Entscheidungsspielen um den Aufstieg gescheitert.

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Der Gedanke an den 1. Juni 2000 bereitet so manchem Fan des 1. FC Union Berlin bis heute Bauchschmerzen. Damals verpasste der Club im Elfmeterschießen beim VfL Osnabrück den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Union hatte die damals drittklassige Regionalliga Nordost gewonnen, musste aber mit dem Nord-Meister Osnabrück einen Aufstiegsplatz ausfechten. Das Hinspiel in Berlin war 1:1 ausgegangen. Auch im Rückspiel stand es nach Verlängerung 1:1.

Verteidiger Tom Persich verwandelte damals seinen Elfmeter, musste aber mit ansehen, wie Steffen Menze und Torhüter Kay Wehner vergaben. Am Ende jubelte Osnabrück nach dem 9:8 nach Elfmeterschießen. „Innerhalb von fünf Minuten haben wir die ganze Saison verspielt“, sagt Persich. „Das hat wehgetan.“ Er gehört dennoch zu den Union-Legenden. Bis auf einen kurzen Seitensprung zu Babelsberg 03 spielte der gebürtige Weißenfelser von 1994 bis 2006 für die Köpenicker.

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Simon Terodde: 25 Tore in 93 Spielen schoss Simon Terodde für "Eisern" Union. Mittlerweile spielt er beim 1. FC Köln. ©
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Bis heute spielt der 47-jährige Persich für die Traditionsmannschaft der Eisernen. Freilich drückt er seinem Ex-Verein die Daumen für die Relegation zur Bundesliga gegen den VfB Stuttgart. Das Hinspiel in Stuttgart steigt am Donnerstag (20.30 Uhr, Eurosport Player, Zusammenfassung ab 23.15 Uhr im ZDF).

Das Kribbeln in den Beinen

Tom Persich kann sich in die Lage der Polter, Trimmel und Co. versetzen. „Das sind schon besondere Spiele. Es wird den Jungs in den Beinen kribbeln. Wichtig ist, die Nerven zu behalten. Das ist nur eine Kopfsache.“ Persich spricht aus Erfahrung. Denn nach dem Scheitern hatte Union 2000 eine zweite Chance in der Aufstiegsrunde gegen Pfullendorf und Ahlen.

Nach der Enttäuschung in Osnabrück habe damals jedoch die Zeit gefehlt, sich moralisch neu zu sortieren. So verpassten die Unioner – nicht zum ersten Mal – den Aufstieg in die 2. Bundesliga. „Nach zwei, drei Tagen hatte sich das für mich erledigt“, erinnert sich Persich. „Wir haben Gas gegeben und sind besser geworden.“ So gelang ein Jahr später der Aufstieg in die zweite Liga und der Einzug ins Pokalfinale.

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Der Aufstieg in die Bundesliga wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. „Deshalb hat Union einen positiven Druck“, sagt Persich. Ein weitaus höherer Druck laste jedoch auf dem VfB Stuttgart. Persich erwartet, dass die Schwaben auf dem Platz cooler und abgeklärter auftreten. Dennoch habe Union eine Chance. „Das ist wie in einem Pokalspiel.“

Rückzug vom Fußball

Zweimal im Jahr besucht Persich noch Union-Spiele im Stadion An der Alten Försterei. Bis 2016 war er Trainer beim Verbandsligisten VfB Merseburg in Sachsen-Anhalt. Danach hat sich Wirtschaftswissenschaftler Persich, der für eine Krankenkasse arbeitet, vom Fußball verabschiedet. „Ich genieße es, dass es ein Wochenende gibt.“

Der Keiler jagt also nicht mehr. Unter diesem kuriosen Spitznamen kannten ihn die Fans. „Wir haben einmal im Trainingslager rumgealbert und uns sinnlose Tiernamen gegeben“, erzählt Persich mit einem Lächeln. „Das hatte aber nichts mit meiner Spielweise zu tun.“

Schlechte Union-Bilanz in Aufstiegsspielen

Union Berlin hat schon mehrfach einen Aufstieg in den entscheidenden Spielen verpasst. Neun mal nahmen die Köpenicker an Aufstiegsrunden oder Entscheidungsspielen teil – nur zweimal mit dem glücklichen Ende. 1974, 1975 und 1981 scheiterten die Köpenicker jeweils in der Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga.

In den Spielzeiten 1975/76 und 1981/82 gelang in der Aufstiegsrunde jeweils als Zweiter von fünf Bewerbern der Sprung in die Oberliga. Nach der Wende scheiterte Union 1990/91 und 1991/92 in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. 1993 gewann der Club die Aufstiegsrunde, erhielt wegen einer gefälschten Bankbürgschaft aber keine Lizenz. 1999/2000 scheiterte Union zunächst am VfL Osnabrück (8:9 nach Elfmeterschießen) und in der folgenden Aufstiegsrunde.

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