13. Dezember 2017 / 16:53 Uhr

Tomas „Shorty“ Seyler vor der Darts-WM: „Wir können Darts zum Breitensport machen“

Tomas „Shorty“ Seyler vor der Darts-WM: „Wir können Darts zum Breitensport machen“

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Darts-Experte bei <i>Sport1</i>: Tomas „Shorty“ Seyler.
Darts-Experte bei Sport1: Tomas „Shorty“ Seyler. © SPORT1
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Am Donnerstag beginnt die Darts-WM im berühmten Londoner Ally Pally. Der SPORTBUZZER sprach vor dem Start des Turniers mit SPORT1-Experte „Shorty“ Seyler über Favoriten, die Begeisterung für Darts und die Deutschen.

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Wenn am Donnerstag (ab 20 Uhr bei Sport1) die Darts-WM beginnt und bis ins neue Jahr hinein gespielt wird, wird das Sport1-Kommentatorenduo Elmar Paulke und Tomas „Shorty“ Seyler den deutschen Fans das Turnier wieder ins Wohnzimmer übertragen. Der SPORTBUZZER sprach vor Beginn des Turniers mit Sport1-Experte Seyler über die Darts-Begeisterung in Deutschland, die Favoriten bei der WM und die Darts-Legende Phil Taylor.

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Herr Seyler, Hand aufs Herz: Sind Sie heutzutage Darts-Spieler oder Darts-Experte im TV?

Ich bin beides. Darts ist meine Leidenschaft. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass ich das eine oder andere gute Spiel im Arm habe, und werde versuchen, mich 2018 noch für die Tour zu qualifizieren. Unser Sport ist einer ohne Ablaufdatum. Wenn ich aber an meine Leistungsgrenze nicht herankomme, kann ich den Sport wenigstens als TV-Experte und Co-Kommentator begleiten.

Was macht Ihnen denn mehr Spaß?

Früher hat mich das Spielen voll ausgefüllt. Seitdem ich aber die Höchstleistungen der Topstars kenne, hat mich das ein bisschen demütig gemacht. Da habe ich gemerkt: Das ist eher durchschnittlich, was ich so hinbekomme. Da hat die PDC (Professional Darts Corporation; d. Red.) mir noch einmal die Augen geöffnet. Jetzt weiß ich, was ich leisten muss.

Die gesetzten Teilnehmer der Darts-WM 2019

1. Michael van Gerwen (Niederlande): Der 29-Jährige spielt seit 2007 in der PDC. 2014 und 2017 wurde er im Ally Pally bereits Weltmeister und ist 2018 der große Favorit. Zur Galerie
1. Michael van Gerwen (Niederlande): Der 29-Jährige spielt seit 2007 in der PDC. 2014 und 2017 wurde er im Ally Pally bereits Weltmeister und ist 2018 der große Favorit. © imago/Getty

Sie kommentieren die WM bei Sport1 an der Seite von Elmar Paulke. Sie gehören unweigerlich mit zur Erfolgsgeschichte des Darts. Macht es den Erfolg aus, dass Sie sich nicht immer ganz ernst nehmen?

Ja. Wir sind als Randsportart gestartet und immer weiter gewachsen, weil wir alle Typen zum Anfassen sind. Der Sport erfindet sich immer wieder neu, und wir beide haben die Leidenschaft am Mikrofon anscheinend ganz gut rübergebracht. Elmar macht einen Riesenjob. Ich bin froh, mit ihm kommentieren zu dürfen, weil wir uns sehr gut verstehen. Ich habe nicht von der Pike auf gelernt, wie ich mich in den Medien zu verhalten habe. Deshalb sage ich auch mal was frei Schnauze. Das scheinen die Leute zu mögen.

​Ernst nehmen sich auch die Fans nicht.

Das stimmt. Wo hat man sonst schon mal den Ex-Fußball-Nationalspieler Steffen Freund als Teletubby verkleidet gesehen. (lacht) Beim Darts herrschen einfach eine unglaubliche Stimmung und ein buntes Miteinander.

Sie spielen seit über 30 Jahre Darts. Was braucht es, um erfolgreich zu sein?

Alle Darts-Spieler müssen zunächst mal gut rechnen können. Das ist das A und O. Jeder muss wissen, wie er die 501 am besten runterspielen kann und welche Würfe er wann braucht. Auch sollte sich jeder eine Taktik überlegen, wie er auschecken will. Es gibt so viele Möglichkeiten. Michael van Gerwen hat in den vergangenen Jahren so viel geändert und hat den Sport auf ein völlig neues Niveau gehoben. Das ist beeindruckend, was er spielt.

Das ist aber nicht alles, oder?

Nein. Die mentale Stärke ist unglaublich wichtig. 80, 90 Prozent des Spiels werden zwischen den Ohren entschieden. Den Rest lernst du. Mit der Zeit kommt der richtige Wurfstil. Dann geht es im Kopf los: Habe ich Respekt vor den großen Namen oder nicht? Wir haben in Deutschland noch kaum Mentaltrainer, die sich mit der Präzisionssportart Darts beschäftigen. Während eines Spiels durchlaufe ich viele Phasen. Mal läuft es gut, mal treffe ich nichts. Damit muss jeder klarkommen. Michael van Gerwen hat das perfektioniert.

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Warum bekommt das kein Deutscher so gut hin wie beispielsweise die vielen Niederländer?

Wir haben in Deutschland die Entwicklung verpasst. Wir haben hier zugeschaut, wie die anderen Verbände wachsen. Wir haben zudem lange das negative Kneipenimage gehabt. Heute ist Darts als Präzisionssportart beliebt – und natürlich auch wegen der Party. Die Fans sind immer fröhlich und feiern friedlich. Im Fernsehen bei Sport1 ist der Hype riesig. Wir sind ohne deutsche Zugpferde so weit gekommen. Wenn wir einen haben, der auch richtig gut Darts spielt, dann wird das in Deutschland durch die Decke gehen.

Sie sprechen den TV-Erfolg an. Warum ist das so gelungen?

Das liegt auch an den Spielern. Das sind keine Adonisse. Das sind die Jungs, die in ihrer Freizeit auch mal ein Pint Bier trinken und trotzdem die 180 werfen und sich wie Kinder freuen. Die legen so viel Leidenschaft in den Sport. Deshalb werden die Stars wie Popstars verehrt. Auch in Deutschland kommen wir langsam dahin. In diesem Jahr haben bei der PDC Europe über 300.000 Fans die Hallen gefüllt. Wir stehen in Deutschland vor einer Revolution. Wir müssen uns nur geschickt aufstellen, dann können wir Darts zum Breitensport machen – auch weil der Sport so günstig ist. Du kaufst deinem Kind drei Pfeile und eine Scheibe. Dein Kind lernt, sich zu fokussieren. Vielleicht hat es keine Lust, sich im Winter den Hintern abzufrieren oder ist etwas stabiler. Dann kann es im Darts trotzdem viel erreichen.

Bei der Darts-WM werden wieder über 10.000 Leute feiern, wenn die Profis auf der Bühne stehen. Wie konzentrieren Sie sich als Spieler dann auf die Pfeile?

Wir versuchen, alle Geräusche auszublenden. Als ich das erste Mal bei einer WM auf der Bühne stand, haben wir noch im Circus Tavern gespielt. Da standen die Zuschauer einen halben Meter vor der Bühne. Ich habe jeden Luftzug vom Klatschen gespürt. Da gab es noch viel mehr Kontakt als jetzt. Aber ich habe mich davon nie beeindrucken lassen. Die Leute haben alle Eintritt bezahlt, um uns Spieler zu sehen. Mit der Zeit habe ich mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Das Gefühl auf der Bühne ist euphorisierend, aber auch beängstigend.

Einer, der das über Jahre perfektioniert hat, ist Phil Taylor, der sein letztes Turnier spielt. Wird er das genießen können?

Ja. Aber ich glaube nicht, dass er das noch gewinnen kann. Dafür wird ihm die Puste fehlen. Taylor ist schlagbar, und alle anderen wittern ihre Chance. Sie haben ihren Respekt vor dem Altmeister verloren. Aber es ist faszinierend, welche großartige Saison er noch einmal gespielt hat. Für ihn war es eine große Umstellung, dass er innerhalb von fünf Jahren gegen immer mehr Leute verloren hat. Das hat er inzwischen abgelegt und genießt seine Auftritte.

Der Superstar der neuen Generation ist Michael van Gerwen. Kann er eine ähnliche Ära prägen?

Ja, aber er ist nicht so unangreifbar wie Taylor in den vergangenen Jahrzehnten. Die neue Generation ist frecher, hat keinen Respekt vor den großen Namen. Aus dem Sport ist schließlich eine Gelddruckmaschine geworden, wenn man erfolgreich ist. Van Gerwen hat gesagt, dass er nur spielen will, bis er 40 Jahre alt ist. Aber die Frage ist doch: Kann er Rekorde einstellen und bleibt er dann noch länger auf der Tour? Oder was passiert, wenn Daryl Gurney sich weiter so schnell steigert. Er ist zum Beispiel einer, der van Gerwen schon jetzt gefährlich werden kann.

Auch schon bei der WM?

Ja. Aber van Gerwen ist natürlich der große WM-Favorit. Er hat den stärksten Endspurt und ist mental so stark. Aber Peter Wright, Gary Anderson oder Raymond van Barneveld können das auch. Auch Gurney ist richtig gut, und wenn der erst einmal in Schwung kommt, weiß keiner, wie es weitergeht.

Game On für die Darts-WM auf Sport1:

Am Donnerstag, 14. Dezember, startet live ab 20 Uhr auf Sport1 die Darts-Weltmeisterschaft 2018 im legendären Alexandra Palace in London. Sport1 ist beim Darts-Highlight des Jahres mittendrin und präsentiert die Darts-WM mit der größten Berichterstattung, die es bislang im deutschen TV gegeben hat: Erstmals sind alle Sessions des Turniers in rund 100 Livestunden im Free-TV zu sehen. Als Kommentator ist die deutsche Darts-Stimme Elmar Paulke zusammen mit Experte Tomas „Shorty“ Seyler im Einsatz. Moderator Sascha Bandermann liefert über das komplette Turnier Interviews und Eindrücke aus dem „Ally Pally“. Im weiteren Turnierverlauf ist auch der deutsche Darts-Profi Max Hopp als Experte am Mikrofon im Einsatz. Neben den Liveübertragungen zeigt Sport1 zum WM-Start am Donnerstag, 14. Dezember, ab 19 Uhr die exklusive Reportage „Road to Ally Pally – Phil Taylors letzte WM“ sowie regelmäßige Zusammenfassungen – insgesamt stehen 21 Tage Darts am Stück auf dem Programm. Als führende 360-Grad-Sportplattform in Deutschland bildet Sport1 die Darts-WM über sämtliche digitale Plattformen ab: Auf Sport1.de, in der Sport1 Darts App und auf den sozialen Kanälen von Sport1 gibt es Videos, Interviews, Vorschauberichte und vieles mehr. Dazu werden alle WM-Sessions parallel zum TV auch als Livestream auf Facebook und Youtube angeboten.

Was trauen Sie Ihren deutschen Kollegen Kevin Münch und Martin Schindler zu?

Kevin ist ein sehr talentierter deutscher Spieler, der aufgrund seiner Arbeit den Sport nicht immer so verfolgen konnte. Jetzt genießt er das richtig. Wenn er sein Vorrundenspiel übersteht, hat er mit Adrian Lewis aber einen sehr schweren Gegner. Ich traue ihm zu, dass er bei der WM überraschen kann. Martin ist ein sehr junger, aber abgeklärter Spieler. Er hat auf jeden Fall die Chance, gegen Simon Whitlock die erste Runde zu gewinnen.

Warum müssen die Fans die WM-Übertragung sehen?

Darts-WM: Die verrücktesten Kostüme der Fans im Ally Pally

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Die verrücktesten Kostüme der Fans im Ally Pally © Getty

Wir haben im Fernsehen die Darts-Übertragung perfektioniert. Du kannst dem Sport nicht entkommen. Es gibt immer wieder neue Spiele, immer wieder neue Bilder. Es gibt so viele Dinge, die die Fans faszinieren.