28. Mai 2022 / 14:35 Uhr

Mensch, Titelsammler, Kritiker: Was Real-Madrid-Star Toni Kroos so besonders macht

Mensch, Titelsammler, Kritiker: Was Real-Madrid-Star Toni Kroos so besonders macht

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Toni Kroos besitzt schon jetzt Legendenstatus im Weltfußball. Gewinnt er am Samstag seinen 28. Karrieretitel?
Toni Kroos besitzt schon jetzt Legendenstatus im Weltfußball. Gewinnt er am Samstag seinen 28. Karrieretitel? © IMAGO/Shutterstock
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27 Titel hat Ex-Nationalspieler Toni Kroos bereits gewonnen. Im Champions-League-Finale gegen den FC Liverpool könnte für den Strategen von Real Madrid ein weiterer hinzukommen. Doch der 32-Jährige ist mehr als nur Titelsammler.

Wer das sportliche Wirken von Toni Kroos beleuchten will, muss sich eigentlich nur ein paar Zahlen anschauen: 27 (in Worten: siebenundzwanzig) Titel hat der deutsche Mittelfeldstar in seiner Karriere bislang gesammelt. Für Real Madrid stand er inzwischen in 363 Spielen auf dem Platz, war dabei an 107 Treffern beteiligt und kann an diesem Samstag (21 Uhr, ZDF und bei DAZN sehen / [Anzeige]) im Finale von Paris mit Cristiano Ronaldo gleichziehen – dem bislang ersten und einzigen Profi, der fünfmal die Champions League gewann.

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Wer den Menschen Toni Kroos beleuchten will, sollte aber einen Blick hinter diese unglaublichen Erfolge und Statistiken werfen. Wer sah, mit welcher Freude er nach hochemotionalen Partien wie den K.-o.-Spielen der Champions League gegen Paris St.-Germain oder Manchester City mit seinem siebenjährigen Sohn Leon in Badelatschen auf dem heiligen Rasen des Santiago Bernabeu kickte, bekam einen Eindruck des Familienmenschen, der sich mit seiner Stiftung seit sieben Jahren um gesundheitlich stark beeinträchtigte Kinder kümmert. Dazu hat er jüngst die „Toni Kroos Academy“ ins Leben gerufen – eine weltweite digitale Fußballschule. Im Sommer wird sich der Weltmeister von 2014 die Zeit nehmen, als Nachwuchscoach einige Talente in Köln zu trainieren, überhaupt ist er dort ähnlich omnipräsent wie auf dem Platz und managt am liebsten alles selbst.

Kroos: Deutliche Kritik an WM-Vergabe nach Katar

Im wöchentlichen Podcast „Einfach mal Luppen“ dagegen teilt sich Toni die Hauptrolle mit seinem Bruder Felix – natürlich ist er auch hier ganz vorne dabei: Es gibt kein erfolgreicheres deutschsprachiges Sportaudioformat. Regelmäßig platziert Kroos hierüber seine Botschaften, unter anderem kritisierte er die WM-Vergabe nach Katar so deutlich wie kaum ein anderer Nationalspieler („Ich halte das für falsch“), bezeichnete die dortigen Arbeitsbedingungen als „inakzeptabel“. Außerdem positionierte er sich mehrfach gegen die AfD („braucht niemand“), kämpft gegen Homophobie und Rassismus. Auch die Gründe für den Rücktritt aus der DFB-Elf nach 106 Einsätzen gab er via Podcast bekannt: „Das ist eine Entscheidung für die Familie und für mich, weil es mir auch guttut, dass ich mehr bei der Familie bin. Ich will auch als Ehemann und Papa da sein und gebraucht werden.“

Auch für Toni Kroos hat der Tag nur 24 Stunden und mit Real Madrid will der 32-Jährige seine eindrückliche Titelsammlung noch weiter ausbauen – am liebsten schon am Samstag gegen den FC Liverpool. „Mir geht es weniger darum, der wievielte Titel es für mich persönlich ist. Es geht darum, dass wir uns als Mannschaft für diese Saison belohnen“, sagte er im Vorfeld der Partie.

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Real-Abschied für Kroos kein Thema

Sein Stellenwert bei Trainer Carlo Ancelotti zeigte sich indes im Halbfinale gegen Manchester City, als der Trainer an der Seitenlinie sich mit seinem gerade ausgewechselten Taktgeber beriet. „Er hatte ein paar Zweifel, wen er noch bringen soll und wen nicht“, verriet Kroos später. „Ich habe auch schon ein paar Fußballspiele gesehen. Dann kann man sich ein bisschen austauschen.“ Der eingewechselte Rodrygo sorgte per Doppelpack übrigens für die Wende, Real siegte mit 3:1 nach Verlängerung.

Natürlich wird Kroos auch im Endspiel in der Startelf stehen, als einziger Deutscher. Unabhängig vom Ausgang des Finales will er noch mindestens ein weiteres Jahr dranhängen, sein Vertrag bei den Königlichen endet im Sommer 2023. Ein Vereinswechsel war, ist und bleibt trotz unzähliger Angebote übrigens nie ein ernsthaftes Thema. Der „ewige Toni“ ist seit 2014 dort, wo er sich am wohlsten fühlt – beim größten Fußballklub des Planeten.

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