11. Juni 2021 / 08:35 Uhr

DFB-Taktgeber Toni Kroos über den Traum vom EM-Titel, die Matthäus-Kritik und seine Zukunftspläne

DFB-Taktgeber Toni Kroos über den Traum vom EM-Titel, die Matthäus-Kritik und seine Zukunftspläne

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der 102-malige deutsche Nationalspieler Toni Kroos spricht über seine EM-Ziele und Zukunftspläne.
Der 102-malige deutsche Nationalspieler Toni Kroos spricht über seine EM-Ziele und Zukunftspläne. © IMAGO/Uwe Kraft
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Nationalspieler Toni Kroos nimmt bei der EM 2021 seinen 26. Karriere-Titel ins Visier. Der SPORTBUZZER hat den Real-Star im RND-Fußball-Podcast "Eine Halbzeit mit ..." unter anderem zu den Ambitionen der DFB-Elf, das Phänomen Löw und die von Lothar Matthäus initiierte Startelf-Debatte befragt.

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Die EM ist das sechste Turnier für Deutschlands Taktgeber Toni Kroos. 102 Länderspiele hat der 31-Jährige auf dem Buckel und macht sich als dreifacher Familienvater Gedanken darüber, ob es nach der Endrunde noch weitergehen soll. 25 Titel hat er in seiner Karriere eingesammelt – mehr als jeder andere. Nur der EM-Titel fehlt in seiner Sammlung. In „Eine Halbzeit mit  …“, dem Fußball-Podcast des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), sagte Kroos: „Wenn ich ein Turnier spiele, will ich es auch gewinnen. Das wird sich auch nie ändern. Aber es ist nicht so, dass, wenn in 20 Jahren in meiner Vita dieser Titel fehlt, ich mir überlegen muss, ob ich das psychisch hinbekomme.“ Außerdem sprach er über …

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… die EM in elf Ländern während der Pandemie:

„Ich kann die Sorgen verstehen, da man nicht genau weiß, wie überall der Impfstand ist, wie viele Zuschauer wo zugelassen werden und warum. Und wenn man dann von den ersten Fällen hört, ist da ein mulmiges Gefühl, klar. Aber wer weiß, wie die Lage in drei oder vier Monaten ist? Da haben wir vielleicht mehr Geimpfte, aber andere, die es hatten, sind vielleicht gar nicht mehr immun. Man hätte darüber diskutieren können, ob eine EM in elf Ländern aktuell Sinn macht. Aber wenn man darauf warten wollte, bis es keine Fälle mehr gibt, hätte es vermutlich noch eine ganze Weile gedauert.“

… die Ausgangslage:

„Es fällt mir in diesem Jahr echt schwer zu sagen, was ein Erfolg wäre. Wir spielen das erste Gruppenspiel gegen Frankreich – wenn wir uns davor übers Halbfinale Gedanken machen, sind wir nach drei Spielen zu Hause. Wir spielen ein gefühltes Halbfinale zu Beginn und ein gefühltes Finale als zweites Gruppenspiel. Dennoch sehe ich die Gruppe ausgeglichen und glaube nicht, dass es in Frankreich und Portugal Jubelstürme gab, als sie uns gezogen haben. Wir kennen unsere Qualitäten und sollten uns nicht kleiner machen, als wir sind. Natürlich sind die anderen gut, aber sie sind nur so gut, wie wir sie lassen.“



… Lothar Matthäus, der Kroos nicht in der DFB-Startelf gesehen hatte:

„Bei allem, was ich vom Lothar gehört habe, sollte ich das vielleicht eher als gutes Zeichen werten. (lacht) Am Ende ist es so, dass ich seit elf Jahren spiele und ich übrigens nicht derjenige bin, der sich aufstellt. Grundsätzlich sollten wir froh sein, dass wir so viele gute Mittelfeldspieler haben – das war auch nicht immer so. Daraus Debatten zu machen und sich an den großen Namen abzuarbeiten, gehört dazu. Ich weiß nach wie vor, was ich dieser Mannschaft geben kann.“

… das Phänomen Joachim Löw:

„Er hat eine Wahnsinnsentwicklung genommen. Wenn ich Taktikbesprechungen von vor elf Jahren mit heute vergleiche, ist das Niveau nach oben gegangen. Die Zeit hat ihn besser gemacht. Er hat immer die Idee gelebt, Fußball spielen zu wollen. Die Leute im Ausland haben ein gutes Bild von der deutschen Nationalmannschaft, ein viel Besseres als hierzulande. Dort steht der Name Jogi Löw dafür, dass Deutschland irgendwann angefangen hat, Fußball zu spielen. Als er hier durchs Dorf getrieben wurde, blieb im Ausland die Wahrnehmung, dass die Deutschen einen guten Fußball spielen, einen guten Trainer haben – auch wenn mal eine Niederlage dabei war oder ein nicht so gutes Turnier.“

… seine Zukunftspläne:

„Eigentlich hätte ich ja 2014 aufhören müssen, denn ich habe meiner Frau immer gesagt: Wenn ich mal Weltmeister bin, höre ich auf. Aber da war ich erst 24 und konnte es keinem verkaufen. (lacht) Es ist ein Irrtum zu sagen, mit 38 hast du noch 50 Jahre mit deiner Familie. Die Zeit jetzt kriegst du nicht wieder. Mein Sohn ist jetzt sieben, meine Tochter fünf und mein Jüngster zwei. Nach so vielen Jahren macht man sich immer Gedanken. Auch 2018 habe ich überlegt, ob es weitergeht. Genau so werde ich mir dieses Jahr Gedanken machen, wie es sich anfühlt. Dann werde ich eine Entscheidung treffen.“