10. Februar 2022 / 07:06 Uhr

Vor Olympia-Start gegen Kanada: Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm hofft auf "bekloppte" Tage

Vor Olympia-Start gegen Kanada: Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm hofft auf "bekloppte" Tage

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Toni Söderholm startet mit seiner Mannschaft ins Olympische Eishockeyturnier. 
Trainer Toni Söderholm startet mit seiner Mannschaft ins Olympische Eishockeyturnier.  © Daniel Karmann/DPA
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Am Donnerstag startet die deutsche Eishockeymannschaft gegen Kanada ins olympische Turnier. Bundestrainer Toni Söderholm setzt in Peking auf die Silber-Erfahrung im Team. Eine Entscheidung in Sachen Vertrag rückt näher.

Vier Jahre nach dem Silbercoup von Pyeongchang unter Coach Marco Sturm startet die deutsche Eishockeyauswahl in ein neues Olympiaabenteuer. Vor dem ersten Spiel am Donnerstag gegen Kanada (14.10 Uhr, ZDF und Eurosport) spricht der jetzige Trainer Toni Söderholm über die Ausgangslage.

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SPORTBUZZER: Herr Söderholm, erstmals erleben Sie Olympische Spiele als Trainer. Überwiegt Vorfreude oder Nervosität?

Toni Söderholm (43): Es ist eine Mischung. Es gibt sehr banale Fragen: Wie läuft der Alltag? Wie gehen die Athleten und Coaches in verschiedenen Sportarten mit dem Alltag um? Spürt man bei den Athleten Nervosität oder Lockerheit? Leben die Sportler nur in ihrer eigenen Welt oder ist es eine offene Sportfeier? Ob ich nervös bin? Das bin ich nicht. Ich empfinde sehr viel Vorfreude.

Befürchten Sie eine Entwicklung wie bei den deutschen Handballern, die bei der EM viele Corona-Fälle hatten?

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Ich versuche lieber, meine Gedanken auf unseren Alltag zu richten. Ich bereite mich so vor, als hätten wir jeden Tag eine komplette Mannschaft.

Sie haben für das olympische Turnier 19 Spieler nominiert, mit denen Sie im vergangenen Jahr WM-Vierter wurden. Was waren Ihre Überlegungen dabei?

Mir hat gefallen, wie die Jungs unsere Spielweise verinnerlicht haben, was sie uns identitäts- und stimmungsmäßig bringen. Bei den Spielern herrscht eine gewisse Bodenständigkeit.

Sie haben zudem zehn Silbermedaillengewinner von 2018 dabei. Sollen sie den olympischen Geist auf den übrigen Kader übertragen?

Ich glaube schon, dass die Olympiaerfahrung wichtig ist. Ich würde nicht mit 25 Neulingen zu einem solchen Turnier reisen. Ein knappes Dutzend unserer Spieler weiß bereits, wie man sich bei diesem großen Sportevent auf das Wesentliche konzentriert.

Sie müssen in Peking ohne die Spieler aus der NHL und damit auch ohne Superstar Leon Draisaitl auskommen. Wie sehr fehlen die Legionäre?

Es war für einen kurzen Moment ärgerlich, aber man hat die Entscheidung kommen sehen. Wenn wir ehrlich sind, war es nicht so, als wäre damit eine Bombe geplatzt. Bei diesem Turnier hätten uns die NHL-Spieler geholfen. Trotzdem wird das Niveau der spielerischen Qualität beeindruckend sein.

Wie schätzen Sie die Vorrundengegner Kanada, China und die USA ein?

Die Chinesen schätze ich in dem Sinne als gefährlich ein, dass man mehr über sie liest, statt zu analysieren. Sie haben aber Spieler, die KHL (russische kontinentale Hockeyliga, d. Red.) spielen. Wenn du KHL spielst, kannst du Eishockey spielen. Kanada hat viele Akteure, die NHL-Qualitäten haben, aus irgendwelchen Gründen spielen sie dort gerade nicht. Aber der Unterschied zwischen guten Spielern aus einer europäischen Topliga und der dritten, vierten Reihe eines NHL-Teams ist nicht so groß, wie man denkt. Die Kanadier werden zu hundert Prozent eine starke Mannschaft haben. Und so schätze ich auch die USA ein.

Bei den vorherigen Turnieren hatten Sie oft den Anspruch, um die Halbfinalteilnahme zu spielen. Wie realistisch ist dies in Peking?


Wir haben bei großen Turnieren seit einigen Jahren gemerkt, dass in einem einzigen Spiel viel passieren kann. Wenn du einen so bekloppten Tag erwischst, an dem alles läuft, dann kann die deutsche Nationalmannschaft viele Nationen schlagen.

Ihr Vertrag als Bundestrainer läuft nach der WM im Mai aus. Wie groß ist die Chance, dass Sie bleiben?

Es ist nicht so, dass man jeden Tag Zeit hat, Vertragsgespräche zu führen, weil ja nebenher auch einiges zu tun ist. Man redet, nimmt sich Zeit und schaut, wohin die Stimmungen gehen. Dann redet man wieder: Treffen sich das Sportliche, das Finanzielle, die Vertragslänge? Langsam nähern wir uns einem Punkt, wo wir uns entscheiden können. Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt dafür.

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