20. Januar 2021 / 11:01 Uhr

Top-Duell gegen Union Berlin: Rasiert RB Leipzigs Figaro Nkunku auch die Eisernen?

Top-Duell gegen Union Berlin: Rasiert RB Leipzigs Figaro Nkunku auch die Eisernen?

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
nkunku
Wer gegen die Bayern trifft, schafft es vielleicht auch gegen den 1. FC Union Berlin. Christopher Nkunku umkurvt in dieser Szene Bayern-Torwart Manuel Neuer. © Bernd Fell/Imago
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Am Mittwochabend trifft RB Leipzig auf die überraschend starken Berliner. Für die Roten Bullen geht es darum, Platz zwei zurückzuerobern und an den Bayern dranzubleiben. Union hingegen kann mit einem Sieg auf Platz vier springen. Um das Spitzenspiel gewinnen zu können, setzt Julian Nagelsmann einmal mehr auf den technisch versierten Christopher Nkunku.

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Leipzig. Christopher Nkunku ist 69 Kilo schwer, leichtfüßig, hat eine innige Beziehung zum Ball. Der junge Mann, 23, trägt keine fahrradschlauchdicken Goldketten, hat einen Führerschein und ein Automobil. Die Führerschein/Auto-Gleichung verhielt sich am Cottaweg auch schon in einem anderen, geradezu keitaesken Verhältnis.

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Instinkt-Fußballer

Der erdverbundene Monsieur Nkunku ist Angreifer bei RB Leipzig und besitzt für das Heimspiel gegen das überraschend starke Team von Union Berlin (20.30 Uhr) eine Auflauf-Garantie. Ausgestellt von einem Mann, der sonst selten bis nie derart tief blicken lässt. Von Julian Nagelsmann, 33. Aus Gründen, die auch mit der durchaus rauen Berliner Luft und dem daraus resultierenden Mangel an Zeit und Raum auf dem Rasen zu tun haben. Wenn es eng und schwierig und eklig wird, schlägt die Stunde der Buben, die anders sind als andere Buben. Dann sind gelbe Zangen und anarchische Problemlöser gefragt.

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Ribéry II: Es gibt Angreifer, die brechen erst links aus, dann rechts aus und schließlich in der Mitte zusammen. Nennt sich: Brotlose Kunst, treibt Trainer und Mitspieler in den Wahnsinn. Nkunku ist anders. Als Abwehrspieler will man mit dem französischen Unterschiedsspieler vor allem deshalb nix zu tun haben, weil der selbst nicht weiß, was er im nächsten Moment zu treiben gedenkt. Weil er fast alles unerwartet und instinktiv richtig macht.

Nennt sich: Franck Ribéry II. Oder auch Straßenfußballer. Wer derart ausgebildet und gesegnet ist, treibt Gegenspieler in den Wahnsinn. Muss sich beim Ballstoppen nicht anstrengen. Weiß jederzeit, was um ihn herum los ist. Wer am Auspuff drängelt, zur Grätsche ansetzt: Und wer frei steht.


Barbier der Roten Bullen

Mehrwert, formidabler: Nkunku war der erste große Transfer, den RB-Sportdirektor Markus Krösche im Sommer 2019 angebahnt, mit Paris St. Germain verhandelt und finalisiert hat. 13 Millionen Euro hat RB nach Paris überwiesen. Wahrscheinlich haben die Herren und Gebieter der Pariser gar nicht gemerkt, als die Millionen aufgeschlagen sind. So ein Sümmchen verläuft sich schrecklich schnell in einem begehbaren Geldspeicher.

18 Monate später steht fest: Alles richtig gemacht, Herr Krösche. Sportlich und in Sachen Rendite. Nkunku ist Stammspieler, konservativ geschätzte 35 Millionen Euro wert, zeigte in Wolfsburg nach seiner Einwechslung, dass ihm die verletzungsbedingte Auszeit nicht geschadet hat. Nagelsmann: „Christo hat eine Top-Halbzeit gespielt, ich war beeindruckt, werde ihn dafür belohnen.“ Mit einem Platz in der Start-Elf.

Barbier: Wie berichtet, ist Nkunku der Barbier der Roten Bullen, legt Hand an Loden und Adidas-Bärte (drei Streifen). Rasiert Nkunku auch die Unioner? Auf- und Einstellung: RB muss gegen Union zeigen und leben, dass Qualität von Qual kommt. Ein frühes Törchen würde das Steineklopfen erleichtern. Möglicherweise bringt Nagelsmann mit Yussuf Poulsen oder Alexander Sörloth einen leibhaftigen Stürmer.